Alle machen Hirnforschung. Kaum eine Wissenschaftsdisziplin kann sich wehren, mit dem Vorsatz »Neuro-« zwangsmodernisiert und mit der Aura vermeintlicher experimenteller Beweisbarkeit veredelt zu werden. Die Kinder der Neuroinflation heißen Neurotheologie, Neuroökonomie, Neurorecht oder Neuroästhetik. Der gegenwärtige Neurohype führt zu einer Durchdringung unserer Lebenswelt mit Erklärungsmodellen aus der Hirnforschung. Bin ich mein Gehirn? Nur ein Bioautomat? Felix Haslers scharfsinniger Essay ist eine Streitschrift gegen den grassierenden biologischen Reduktionismus und die überzogene Interpretation neurowissenschaftlicher ein Plädoyer für Neuroskepsis statt Neurospekulation.
Ein ansprechend und verständlich geschriebens Plädoyer gegen den Neuro-Hype. Der Großteil des Buches dreht sich um Psycho-(und Neuro-?)Pharmaka. Auch wenn ich mir das Buch ursprünglich aus einem anderen Grund besorgt habe, war dieser Teil dennoch informativ. Dafür hätte ich mir gewünscht, dass auf philosophische Fragen wie Willensfreiheit/Determinismus und die Erklärung des Bewusstseins detailreicher eingegangen würde. Außerdem wirken einige Abschnitte zu journalistisch und knapp, dort hätte man mehr Forschungsliteratur integrieren können. Unterm Strich ein gut lesbares und wichtiges Buch.
Detailreicher Querschnitt durch alles, was an der Rezeption der Neurowissenschaften in Medien und den sogenannten Diskursen problematisch ist. Unterhaltsam zu lesen, wenn auch vermutlich nur für Experten und speziell an der Thematik interessierte.