Im Jahr 2055 Eine Stadt voller Outlaws nahe der Hightech-City Hong Kong, beherrscht von der Drachen-Mafia. Kein Polizist wagt sich in die dunklen Gassen. Dort sorgen die Agenten der Drachen dafür, dass niemand ihnen in die Quere kommt. Doch als eines Tages merkwürdige Störungen bei den synthetischen Sinnesorganen der Bewohner auftreten, droht das System der Finsteren Stadt außer Kontrolle zu geraten. Und eine tödliche KI, tief verborgen unter den regennassen Straßen, erwacht zum Leben …
Ich finde Action und Kämpfe auf die Dauer langweilig. Besonders dann, wenn mich die Personen, die gegeneinander kämpfen, nicht interessieren, es mir also völlig egal ist, wer überlebt und gewinnt. Deshalb hatte ich mit diesem Buch so meine Probleme, denn hier sind in der futuristischen »Finsteren Stadt« bei Hong Kong mehrere Vertreter der Drachen-Mafia und ihre Gegner unterwegs und dabei ständig in Kämpfe verwickelt. Sie haben Spitznamen wie »das Auge«, »das Ohr«, »die Nase« und »die Faust« und bedienen sich einer fortgeschrittenen Technik für ihre Erkundungen und Kämpfe, die immer und immer wieder beschrieben wird. Ihre Körper sind verändert, mit Augmentationen versehen und voller Nanobots. Der Roman hat eine hohes Tempo und einige spannende Ideen. Gelungen fand ich viele Beschreibungen der Stadt und insbesondere die Stelle, in der Bizo, »die Nase«, in Kapitel 3.1 in einem Gebilde herum klettert, das dem M. C. Escher Bild »Relativity« nachempfunden ist. Das ist das berühmte Bild mit den Treppen, auf dem die Gesetze der Schwerkraft nicht zu gelten scheinen. Allerdings wird dies schnell ertränkt in Kampfschilderungen. Mit dem Auftauchen der »Faust« wurde für mich das Buch wieder für eine — leider zu kurze — Phase interessanter. Die Faust ist nämlich ein hybrides Lebewesen, ein »Delfinmann«, und bei seiner Einführung wird ein wenig zur Welt erzählt. Dann muss natürlich auch die Faust wieder viel kämpfen und entdeckt in einer unterirdischen Station viele Rechner. Letztlich stellt sich dadurch heraus, dass hier drei Gruppen gegeneinander kämpfen: Die Transhuman-Corporation (THC), die den »Virus Mensch« vernichten oder zumindest die Menschheit unterjochen will; dazu kommen die »Analoge Kirche«, die zurück zum analogen Leben will, und schließlich die schon erwähnten Triaden, die eigentlich nur in Ruhe und ohne Polizei ihre Geschäfte machen wollen. Ausgerechnet die Triaden werden plötzlich zu den Guten und müssen eine überraschende Allianz schließen. Hier wäre Potential für interessante Dialoge und Figuren, das aber im Wesentlichen verschenkt wird. Noch ein Wort zum Aufbau des Romans: Die Kapitel sind durchnummeriert und mit Titeln versehen. Die Nummerierung ist allerdings sehr speziell: Es beginnt mit Kapitel 1.1, darauf folgt 2.0 und danach 1.2 sowie 3.1. Das hängt mit den verschiedenen Zeitebenen und Figuren zusammen, trug für mich aber eher zur Verwirrung bei. So war es eher schwierig in den ständigen Kampfschilderungen die übergeordnete Handlung zu finden. Ohnehin hätte ich mir mehr Weltenbau, der nicht als Infodump kommt, und wirkliche Personen gewünscht. Der Stil hat mich nicht überzeugt: zu viel »dann«, »danach« und »hinfort«. Die Figuren werden kaum charakterisiert, reflektieren nicht, bleiben austauschbar. Das Schicksal keiner Figur hat mich interessiert. Ich bin wohl nicht die Zielgruppe des Romans. Schade.