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Tolkiens Welt. Von A wie Auenland bis Z wie Zauberring.

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Im Zuge der Verfilmung des Herrn der Ringe durch Peter Jackson ist auch Tolkiens Welt, eine Mischung aus Lexikon und Biografie erschienen. Der deutsche Autor Michael Nagula hat sich ein ehrgeiziges Ziel gesetzt: Alles über den Schöpfer des Herrn der Ringe und sein Werk -- so der Untertitel seines Werkes. Da mag der Leser, der sich bereits ein wenig mit Leben und Werk von J.R.R. Tolkien beschäftigt hat, auf den ersten Blick etwas skeptisch sein. Doch diese legt sich spätestens nach der Einleitung, die Tolkien gleich einmal zum Gründer der Fantasy-Literatur ausruft -- worüber diskutiert werden darf.

Zunächst gibt Nagula einen auf das Wesentliche konzentrierte biografischen Abriss, ergänzt durch eine Chronologie der wichtigsten Stationen in Tolkiens Leben. Eng verknüpft mit der Biografie sind Kapitel über die Mythologie Mittelerdes, Tolkiens Antrieb und Inspiration, diese Welt zu erschaffen, sowie seinen Sprachenkosmos. Für Leser, die den Herrn der Ringe oder eines der anderen Werke Tolkiens für sich entdeckt haben und nun mehr über Mittelerde und seine Bewohner sowie ihren Schöpfer erfahren möchten, ist dies ein idealer Einstieg. Besonders zu empfehlen ist dabei der Abschnitt "Tolkiens Bücher im Porträt", in dem eine kurze Inhaltsangabe zu jedem Werk sowie eine kritische Einordnung gegeben wird, die definitiv Lust auf mehr macht.

Weit über die Hälfte des Bandes bschäftigt sich mit Mittelerde von A bis Z. Dieser lexikalische Teil kann aufgrund der Länge nur auf wesentliche Figuren, Orte, Pflanzen und andere Wesen begrenzt sein. Diese werden jedoch umfassend vorgestellt, wobei ihre Einordnung in Tolkiens Welt kenntnissreich durch Erläuterungen aus den großen Mythen der Welt sowie der Sekundärliteratur ergänzt wird.

Für Experten bieten die ersten beiden Abschnitte des Buches (so interessant sie auch geschrieben sind) im Grunde nicht viel Neues. Der wirklich interessante und höchst spannende Teil für Kenner schließt sich an das Lexikon an. Unter der Überschrift "Tolkien in den Medien" gibt Nagula detailliert Auskunft über Verfilmungen, Hörspiele, Lesungen, von Tolkien inspirierte Musik und mehr. Eine wahre Fundgrube! Unerlässlich für jeden Tolkien-Fan ist auch die umfangreiche Bibliografie, die neben Tolkiens Werken auch die Sekundärliteratur, Zeitschriften und sogar Film-Porträts erschöpfend vorstellt. Auch die wichtigsten Internet-Seiten zum Thema werden kurz vorgestellt. Für Einsteiger ideal, für Fans sowieso ein Muss! --Birgit Schwenger

416 pages, Paperback

First published December 1, 2001

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About the author

Michael Nagula

112 books
Michael Nagula is a German author, editor, and translator.

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September 20, 2021
0 von 10 Punkten für originale Recherche, Sorgfalt und Ehrlichkeit.

Manchmal sind Bücher so schlecht, daß sie schon wieder gut sind. Dieses Buch ist für einige Lacher gut – auf Kosten des Autors, des Lektorats und des Verlags. Man glaubt es kaum, aber der Autor Michael Nagula schreibt ein Buch über „Tolkiens Welt“, ohne Tolkiens Hauptwerk „Der Herr der Ringe“ überhaupt zu kennen. Das glauben Sie nicht? Ich konnte es auch nicht glauben – bis ich das Buch gelesen habe. Und tatsächlich: Die Inhaltsangabe des Herrn der Ringe, die Nagula da liefert, liest sich auszugsweise so:

„Eines Tages kommt der alte Zauberer Gandalf nach Auenland und berichtet Frodo von einem bösen Wesen namens Sauron, das den Ring für sich haben will. In längst vergangenen Zeiten stahl Sauron diesen Ring den Elben, um sich vor den Mächten des Guten zu schützen, doch der Ring wurde ihm wiederum von Gollum gestohlen, der ihn an Bilbo verlor. [...] Der Tonfall des Buchs wird schlagartig ernster, als die Schwarzen Reiter unter Führung des Hexenkönigs auftauchen und die Hobbits durch den Wald verfolgen. Frodo stellt fest, dass sie das Dorf Bree dem Erdboden gleichgemacht haben. Als der Hexenkönig mit einem Bannspruch auch das Haus ihres Freundes Tom Bombadil bedroht, will er entsetzt kehrtmachen und gegen sie kämpfen, doch an einem Berg namens Wetterspitze begegnet er einem Adligen namens Aragorn, der ihn überzeugt, in die Elbensiedlung Bruchtal weiterzuziehen, und sich als Führer anbietet. Die kleine Gruppe durchwatet den letzten Fluss zwischen sich und Bruchtal, als der Hexenkönig einen Bann über das Wasser ausspricht, worauf es ansteigt und alle zu ertränken droht. Lediglich Frodos rasche Reaktion rettet sie - er benutzt die Zauberkraft des Rings, damit alles Wasser zu Nebel verdampft. Der Nebel ist so dicht, dass die Schwarzen Reiter sich hoffnungslos verirren, sodass unsere Helden sicher nach Bruchtal gelangen. [...] Auf dem Weg nach Mordor bekommen sie es wiederholt mit den bösen Mächten zu tun, die sie in den finsteren Wald von Lothlórien treiben, wo die schöne, aber verruchte Königin Berúthiel sie gefangen nimmt. Berúthiels Schwester Galadriel befreit sie aus dem Kerker. Anschließend halten es die Gefährten für besser, die Wälder zu meiden und wenden sich Moria zu.“

Manchen Tolkien-Kennern wird diese Handlung bekannt vorkommen. Richtig! Sie stammt von der „Tolkien Sarcasm Page“, einer allen Englischlehrern bekannten Internetseite, die eine Inhaltsangabe des Herrn der Ringe anbietet, getarnt als kleine Hilfe für Schüler, die das Werk exzerpieren sollen und sich die Mühe sparen möchten, es selber zu lesen. Jedoch die vermeintliche Hilfe ist eine Falle, denn sie enthält eine skurril veränderte Version der Geschichte. Vor Jahren ist bereits die New York Times darauf hereingefallen. Daß das sogar einem Autor passiert, der sich als Fantasy-Experte geriert, erstaunt. Weniger erstaunlich ist die Tatsache, daß Nagulas Machwerk das Lektorat anstandslos passiert hat. Man weiß ja, daß der Droemer/Knaur-Verlag wenig Wert auf leistungsfähige Lektoren legt. Wenn er wenigstens Leute vom Fach hätte, die das Thema, das sie bearbeiten, kennen, wäre schon vieles gewonnen. Aber man glaubt dort wohl noch immer, die Bedürfnisse der lesenden Öffentlichkeit ignorieren zu dürfen.

Nach Protesten von Tolkien-Fans und sarkastischen Bemerkungen in Internetforen und Amazon-Buchbesprechungen entschloß sich der Verlag, eine revidierte Neuauflage des Buchs auf den Markt zu bringen. Man wollte offenbar komme-was-wolle von der Hype über die „Herr-der-Ringe“-Verfilmung durch Peter Jackson profitieren. Diese Hast hat sich leider als verhängnisvoll erwiesen, denn in der Neuauflage sind zwar die allerdümmsten Fehler verbessert worden, namentlich die falschen Inhaltsangaben. Alle anderen Fehler stehen aber nach wie vor im Buch. Da stirbt Aragorn „von eigener Hand“ und „sein Leichnam bleibt lange Zeit unbestattet“, da heißt die Zwergenstadt „Moira“ und die Elbensprache „Sandarin“ da wird Saruman von Schlangenzunge „erschlagen“ und so weiter. Nagula will uns weismachen, Edith Bratt (er schreibt sie „Brett“) sei nicht 1889 sondern erst 1899 geboren und damit jünger als Tolkien gewesen. Das Gegenteil war der Fall und das führte bekanntlich zu der erzwungenen dreijährigen Trennung bis Ronald 21 war, wie jeder weiß, der Tolkiens Biographie auch nur oberflächlich studiert hat.

Manchmal weiß man nicht, ob man lachen oder weinen soll, z. B. wenn man über den jungen Aragorn liest: „Er trug damals viele Namen: Thengel, Ecthelion, Thorongil, Elbenstein, Elessar und Streicher, der "Waldläufer".“ Nun, laut Tolkien hat Aragorn als Thorongil in den Heeren von König Thengel von Rohan und Ecthelion von Gondor gedient. Wie Nagula darauf kommt, ihm auch die Namen der beiden Herrscher als Beinamen beizulegen, das wissen nur die Götter.

Offenbar sind weite Teile des Buchs Plagiate, abgeschrieben nicht nur von Webseiten, sondern auch aus der nicht unbeträchtlichen Sekundärliteratur, die über Tolkiens Werk existiert. Das läßt sich durch direkten Vergleich nachweisen, etwa bei den Einträgen, die Nagula aus „Tolkien: Eine Illustrierte Enzyklopädie“ von David Day entnommen hat, denn dabei hat er nicht nur wörtlich abgeschrieben, sondern auch alle im Original vorhandenen Fehler übernommen.

In der 1. Auflage bedankt sich Nagula „bei meinem Lektor Timothy Sonderhüsken, der an mich geglaubt und mir dieses Projekt anvertraut hat.“ In der 2. Auflage fehlt dieser Satz. War Nagula böse auf den Lektor, weil der die vielen Plagiate im Manuskript nicht umformuliert hatte, oder wollte der Lektor seinen Namen nicht mehr in diesem Plagiatswerk sehen? Tja, so gehen Freundschaften kaputt.

Fazit: Außergewöhnlich ist an diesem Machwerk die bemerkenswerte Chuzpe des Autors – oder vielmehr des Plagiators – und die durch Nichtvorhandensein glänzende Lektoratsleistung des Verlages. Als Kuriosum und als abschreckendes Beispiel dafür, zu welchen Mitteln Verlage greifen, um eine kurzzeitige Hype auszunutzen, kann es durchaus im Bücherschrank des Tolkien-Fans, aber auch des Medienwissenschaftlers ganz allgemein seinen Platz finden.

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