Ich habe eine große Schwäche für diese deutsche Ausgabe (sehr ungeschickte und lustlose Übersetzung von Hans-Ulrich Nichau, Cover von Eyke Volkmer), insbesondere für den unfassbar bizarren Titel. Nicht nur, dass die Seitenhandlung der Nina ein völlig überflüssiger Plotstrang ist, es wird auch nirgendwo in Titel oder Klappentext die sehr gute Prämisse des Buches erwähnt: millionenfach brechen Menschen in ein furchtbares Geschrei aus und sterben in größter Angst und Agonie und keiner weiß weshalb, vom Übersetzer deftig als "Heulerpest" bezeichnet.
Was sich dahinter verbirgt, ist reine golden age SF, so eine Mischung aus kosmischer Paranoia und unheimlicher Erhabenheit, die Galouye dann noch mit einer politischen Verschwörung, ein bisschen Postapokalypse, James-Bond-artigen Schauplatzwechseln (das UNO-Gsbäude!, das Schloss von Versailles!, Nizza!, Rom!, eine Farm in "Pennsylvanien"...) und reaktionärem 60er-Jahre-Sex aufjazzt.
Besonders faszinieren mich die komplette Eigenschaftslosigkeit der Hauptfigur Gregson, die Dialoge als Infoveranstaltungen und die absurde Plotgeschwindigkeit. In meiner Erinnerung hat Galouye mit Simulacron-Drei/Welt am Draht ein handwerklich wesentlich besseres Buch geschrieben, aber gerade macht es mir sehr viel Freude, im Rahmen einer komplett unwichtigen Buchrecherche alles von ihm zu lesen, was mir in die Hände fällt.
Ich glaube, "melden" ist das antiklimaktischste Verb, das je in einem Titel verwendet wurde.