Das Buch wurde als Henscheid'sches Nebenwerkchen von Anfang an eher versteckt. Gleich im Erscheinungsjahr als Haffmans-Taschenbuch mit einem schwarzweißen Jugendfoto des Bundeskanzlers. Später musste es für die große Werkausgabe im Zweitausendeins Verlag mit ihren dicken, schönen, stabil gebundenen Leinenbänden selbstverständlich in den Band „Biographie und Theologie“ hinein (der einzige Band, den ich mir nicht kaufte). Und dort kann man vergleichbar unersprießliche, den Leser mehr folternde Marotten-Werke des großen Oberpfälzer Humoristen immer noch vorfinden. Eine in vielem erfundene und fies zusammengeschusterte Familiendynastie-Studie über „Die Zwicks“, niederbayerische Unternehmer und CSU-Wohltäter. Und noch „Welche Tiere und warum das Himmelreich erlangen können“, eine von mir nie gelesene theologische Epistel. Bei ihr reichte mir der Titel.
Durch Henscheids „Kohl“ habe ich mich allerdings gequält und zwar gleich nach ihrem Erscheinen. Diesen Kanzler hatte ich nie gewählt, würde es auch nach dieser Jugendbiografie nicht tun, aber, er tat mir fast ein wenig Leid, wie er da als etwas zu dick geratener Pfälzer Jung-Unionist und Vorstadt-Philosoph durch den Kakao geschleift wurde. Man sollte sich klar sein: Henscheid erzählt nichts über den amtierenden CDU-Chef und alles, was er aber gar nicht wissen kann, über des Knaben Helmuts Jugend in Oggersheim und das Studium in Heidelberg. Es will vor allem ein kitschiger Liebesroman werden. Natürlich fallen massenhaft Anspielungen auf Zeitvertreibe und Lesefrüchte ab, die mit der realen Person nichts, mit Henscheids Macken viel zu schaffen haben. Professor Adorno und der Frankfurter Fußball und die Heilige Soundso. Weil es eine unverschämte Alberei im Monty-Python-Stil bleibt und weder deren Absurdkomik noch die hypothetisch denkbare Romeo-und-Julia-Romanze von Helmut und Hannelore heute noch von großem Belang sind, rate ich in diesem Falle von dem von mir sonst oft sehr geliebten Eckhard Henscheid direkt ab.
Die Biographie einer Jugend. Henscheid versucht zwar zu erklären, warum er seine Energie, sein Talent auf dieses Projekt richtet, aber verstehen tue ich es nicht. Und jedenfalls läßt es doch Zweifel an der Lauterkeit seines Charakters aufkommen.