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„O tempora, o mores!“ Ein Roman wie ein Monumentalfilm – der er dann ja auch unter der Regie von Robert Siodmak wurde. Dieser Film war es denn auch zusammen mit dem Anstoß meines Lesefreundes Armin, der mich dazu bewog auch die Bücher Felix Dahns zu lesen. „Ein Kampf um Rom“ ist auf 7 Bücher verteilt, deren erste 4 in diesem Band zusammengefasst sind.
Wir bewegen uns im 6. Jahrhundert. Nach der Eroberung Roms durch die Westgoten und deren Bezwingung durch die Ostgoten liegen hat Italien Jahrzehnte des Friedens unter der ausgleichenden Herrschaft Theoderichs hinter sich. Theoderich ist liegt auf dem Sterbebett. Seine Getreuen sorgen sich, ob sein minderjähriger Enkel Athalarich und dessen Mutter Amalaswintha stark genug sind, dem äußeren und inneren Druck standzuhalten. In Rom intrigiert der Stadtpräsident Cethegus gegen die gotische Herrschaft und in Byzanz schicken sich Justinian und seine genial-hintehältige Gattin Theodora an siechen Kaiser Justin abzulösen.
Vor diesem Hintergrund entspannt sich ein Geschichtsspektakel, das es in sich hat. Felix Dahn, ein hochgeachteter Rechts- und Geschichtswissenschaftler Mitte des 19. Jahrhunderts, hat die historischen Ereignisse weitgehend korrekt wiedergegeben und so literarisch schöpferisch ergänzt, dass ein überaus spannender und gut zu lesender Roman entstand. Allerdings darf man sich nicht daran stören, dass die Akteure mit wenigen Ausnahmen (Cethegus, Amalaswinta) eher schablonenhaft sind, und der Zeitkolorit eine völkische Verklärung und Einheit des Gotentums mit sich bringt, die nicht den geschichtlichen Tatsachen entspricht. Trotzdem, mich hat dieses Buch sehr gut unterhalten und ich bin begierig auf die beiden folgenden Bände. Danke, Amazon, dass sie kostenlos zu auf dem Kindle lesen sind.
Vier Sterne für den ersten Teil, Ein Kampf um Rom hat sich für einen Jugendfavoriten bislang erstaunlich gut geschlagen. Aber auch der letztlich von mir ziemlich abgestrafte Julian (https://www.goodreads.com/review/show... in diesem Stadium noch auf einem ziemlich hohen Niveau. Robert Siodmaks Verfilmung des Romans in zwei Teilen war zwar nicht mein erster Film im Kino, aber einer mit ziemlich nachhaltiger Wirkung. Denn so schnell wäre ich sonst nicht auf den Roman verfallen, den ich im alter von Zwölf zum ersten mal genoss. Zwar in einer Bearbeitung für jüngere Leser, aber das waren die grünen Bändchen von Karl May, ja auch. Schon damals fand ich Dahn besser als den Mayster und hätte gern mehr von ihm gelesen. Es gab aber gute Gründe sein weiteres Schrifttum unter Verschluss zu halten (Siehe meine Julian-Rezi). Beim zweiten Durchgang mit 16 hatte ich den vollständigen Roman aus der zweiten Reihe von Omas Bücherschrank geborgen, ein Ziegel mit eng bedruckten Seiten, aber trotzdem so breit wie meine Hand. Die Messlatte lag inzwischen deutlich höher, aber ich war überzeugter denn je von den Qualitäten des Romans, auch wenn mir der Rassismus der Volksszenen nicht wirklich behagt hat. Während meiner Magisterarbeit bekam ich dann die Kritik der Naturalisten an der historischen Kulissenkunst von Dahn, Freytag und Co mit. Stimmt so weit, die Gestalten sind psychologisch ziemlich zweidimensional, während der Entstehungszeit des Romans (späte 1850er bis 1876) gab es in allen Prosagattungen lebensechtere Gestalten als bei Dahn, dessen Personal sich allzu oft in Pose wirft oder auf Kothurnen einher zu stolzieren scheint. Bei Dahn gibt es nur die ganz großen Affekte in Sachen Hass, Liebe, Ehrgeiz, Verrat. Bei der Gestaltung ist er Vorbildern wie Bulwer-Lytton verpflichtet, so ist der Oberschuft Cethegus ein Nachfahre des manipulativen ägyptischen Priesters Arbaces. Totila eine Art Glaucus, dessen Nachfolger Teja schleppt dagegen viel Schopenhauerischen Pessimismus mit sich herum. Als Verfasser der wissenschaftlichen Grundlage kann er aber souverän mit den historischen Fakten umgehen und schreibt zudem einen sehr visuellen Stil. Während meiner ersten Durchgänge kannte ich Gibbons nur vom Hörensagen und etliche Anekdoten aus seinem Werk durch den Geschichtsunterricht der sechsten Klasse an der Waldorfschule. Aus heutiger Sicht wabert in den Volksszenen auch viel Wagnerei herum. Aber gerade die Spurensuche und das Aufspüren früher überlesener Details macht ein Viert-Sterne-Lesevergnügen daraus.