Wie fühlt ein Mensch, der Frau und Mann zugleich ist?Wie fühlt er, wenn man ihn als nächsten Schritt der Evolution feiert, obwohl er Darwins Lehre für den größten Irrtum der Wissenschaft hält?Wie fühlt diese Person, wenn anscheinend nur sie die Botschaft hinter einer Serie von Museumseinbrüchen erkennt, aber man sie verdächtigt, anstatt ihr zuzuhören?Wie fühlt ein Geschöpf, das nie richtig gelernt hat zu fühlen?Und was wird es tun?
Ralf Isau hat all seine für ihn wichtigen Werte von seinen Eltern vermittelt bekommen. Seine Mutter, eine Pelznäherin, brachte ihm den Glauben an Gott nahe. Von seinem Vater hat er die Erzählkunst. Sein Vater war ein sehr blumiger Erzähler und spielte Ralf oft auf seiner Mundharmonika vor, vor allem wenn dieser wieder einen Wutanfall hatte und das ganze Mietshaus in Westberlin zusamenbrüllte. Isau wollte nicht immer Schriftsteller werden, zum Beginn seiner Schulzeit hatte er sogar Probleme mit dem Schreiben, zeigte jedoch schon immer seine blühende Fantasie. Später begann er Gedichte zu schreiben und band seine Schulreferate wie Bücher ein. Ralf Isau wollte entgegen dem Wunsch seiner Eltern nach dem Abitur nicht studieren, sondern machte eine Ausbildung zum EDV-Kaufmann wobei er den Umgang mit Programiersprachen erlernte. Er merkte jedoch schnell, dass auch Programmieren nicht sein Traumberuf ist, so fing er 1988 an sein erstes Buch zu schreiben. Mit dem Roman wollte er seiner damals neunjährigen Tochter eine Freude machen. Das Buch sollte nur für sie sein, richtig dick sein und so spannend, dass man es zur Schlafenszeit noch mit der Taschenlampe unter der Bettdecke weiterliest. Allerdings ist dieser Schmöker nicht sein erstes Buch, denn nach drei Jahren des Arbeitens daran stellt er fest, dass es immer noch nicht fertig ist. Um das Versprechen an seine Tochter dennoch einzulösen und ein eigenes Buch für sie zu schreiben, verfasst er eines an nur einem einzigen Tag und bindet den 'Drachen Gertrud' eigenhändig für seine Tochter in das Leder eines alten Stiefels ein. Als Michael Ende eine Lesung gab, schenkte Isau ihm eines seiner selbstgebundenen Werke. Dieser war gefesselt vom Drachen Gertrud und schickte das Buch seinem Verlag, der sich daraufhin bei Isau meldete und auch die Neschan Triologie herausbrachte. So begann die Karriere des Schriftstellers.
In diesem Buch geschieht etwas, dass ich schon lange nicht gesehen habe; die Charaktere reden miteinander, und wie sie reden. Sie debattieren sogar! Über Seiten hinweg.
Zwar teile ich die Ansichten der Protagonistin nicht, aber dass mag vorkommen. Nichtsdestotrotz fand ich die Thematik erfrischend.
Hat mich komplett weggehauen. Die Kombi aus Kunst und Wissenschaft und gesellschaftliche Fragen, die Gespärche zwischen den Protagonist:innen und der Spannungsbogen, der sich durch den gesamten Roman zieht, haben das Lesen wirklich zu einem Erlebnis gemacht, auf das ich mich jeden Abend aufs neue gefreut habe. Einfach geniales Buch.
Im Louvre explodiert eine Bombe und zerstört eine antike Statue. Im Abstand von je einer Woche werden in London und Wien berühmte Gemälde gestohlen. Der Versicherungsdetektiv Darwin Shaw ermittelt im Auftrag seines Arbeitgebers, bei dem alle zerstörten oder verschwundenen Kunstwerke versichert waren – will da jemand der Versicherung schaden?
Nach der Verleihung einer Auszeichnung wird die junge Wissenschaftsjournalistin Alex Daniels, die sich mit kritischen Artikeln über die Evolutionstheorie einen Namen gemacht hat und generell als Querdenkerin gilt, in London verhaftet. Ihre Fingerabdrücke seien mit denen identisch, die im Louvre sichergestellt wurden – doch Alex weiß genau, dass sie damit nichts zu tun hat.
Im Untersuchungsgefängnis wird Alex eine Botschaft zugespielt, unterzeichnet von einem gewissen Theo, der sie als Schwester bezeichnet. Widerstrebend beantwortet sie die Botschaft und kommt daraufhin aus dem Gefängnis frei.
Die Kunstraube gehen währenddessen weiter. Der Dieb lässt jedes Mal einen anderen Gegenstand zurück, was den Ermittlern Rätsel aufgibt. Doch Alex hat eine Idee, was diese Gegenstände zu bedeuten haben – es handelt sich um verschlüsselte Botschaften des Diebs, der damit auf eine grundlegende Problematik in der Naturwissenschaft aufmerksam machen will: Gibt es nur eine wissenschaftliche Wahrheit? Existiert nur das Greifbare oder doch auch eine andere Ebene? Und muss die Naturwissenschaft alles in die Tat umsetzen, nur weil es prinzipiell machbar wäre?
Zuerst alleine, dann in Zusammenarbeit mit Darwin Shaw recherchiert und forscht sie immer weiter, bis sie auf schockierende Informationen stößt, die nicht nur die wissenschaftliche Welt, sondern auch ihre eigene Existenz betreffen…
Zunächst ist das Buch ein spannender Thriller um die Kunstraube, aufgebaut wie eine Schnitzeljagd quer durch Europa. Durch Alex’ journalistische Arbeit wird schon früh die Wissenschaft thematisiert, insbesondere die heute allgemein anerkannte Evolutionstheorie und Genetik und der Umgang mit Kritikern etablierter Postulate. Ein drittes Leitmotiv des Buches sind Hermaphroditen und Intersexualität – wie Betroffene damit leben, wie die Gesellschaft damit umgeht bzw. wie das Thema größtenteils tabuisiert wird.
Wieder einmal liefert Ralf Isau mit diesem Buch nicht nur einen handlungsgetriebenen Pageturner mit zahlreichen überraschenden Wendungen, sondern auch fundiertes Hintergrundwissen aus Evolutionsbiologie, Genetik, Medizin und Kunst. Er will nicht nur unterhalten, sondern auch zum Nachdenken anregen, was er zumindest bei mir unbedingt geschafft hat, zumal mich ähnliche Gedankengänge wie die des Kunsträubers auch schon öfter beschäftigt haben. Ein informatives Nachwort rundet auch dieses Buch ab, und eine kleine Querverbindung zum „Silbernen Sinn“ hat mir großen Spaß gemacht.
Ein wenig Abzug gibt es für die hier doch eher flach gezeichneten Figuren und den einen oder anderen „arg zufälligen Zufall“, was der Lesefreude insgesamt aber nicht geschadet hat und im Thrillergenre ja eher die Regel als die Ausnahme ist.
Die Ausstattung des Buches verdient zum Schluss noch eine Erwähnung. Auch dieses Buch verbirgt unterm Schutzumschlag einen silberfarbenen Einband mit einem goldenen eingeprägten Symbol auf dem Deckel, das sich auf die Handlung bezieht, und an den Kapitelanfängen findet man, liebevoll von Tina Dreher gezeichnet, die Symbolgegenstände aus den bestohlenen Museen.
Vorläufig das "letzte" Buch, das ich gelesen habe - kein Spoiler - einfach nur - was ich über den Autor denke: Es gibt Bücher und es gibt Filme - und es gibt Bücher wie Filme - so intensiv - so mitreissend - unbeschreiblich! Wenn Sie eines von Ralf Isau in die Hand nehmen, seien Sie sich bewusst, dass Sie in die Handlung hineingesogen werden; in einen Strudel der Ereignisse, die da drinn unter dem Buchrücken verborgen sind und darauf warten ausgegraben zu werden, um wieder einmal das Tageslicht oder die Schwärze der Nacht begrüssen zu dürfen... Tun Sie es sich an, schauen Sie diesen Film in Ihrem Tempo - seien Sie ergriffen von der Handlung - der Menschen - und der Landschaft. Der Film ist so klar - so deutlich - so verständlich, wie Sie es sind. Seien Sie sich auch bewusst, dass Herr Isau IN KEINE SCHUBLADE PASST. Erwarten Sie Wendungen, bei denen Ihr Atem stockt, Sie vor lauter Spannung das Buch anhalten möchten; aber diesen Schalter gibt es nicht. Sie wollen und müssen weiterlesen; mitfiebern und vor Spannung fast platzen - ja in jedem seiner Bücher ist eine neue Idee 💡 eine neue Menschenschar - neue Gegenden und eine vollkommen neue Handlung Kein einziges Buch 📖 gleicht dem anderen und deshalb wurde er zu einem meiner Lieblingsautoren Danke Herr Isau Beehren Sie uns bitte mit neuen Ideen - niedergeschrieben und zwischen jenen Deckeln, die uns ungeahnte Reisen in Ihre unglaublich lebhafte und magische Fantasie bescheren. Gerne ertrinke ich von Neuem in Ihren Büchern...