Gegen den Willen ihrer Eltern und ihres Verlobten fährt die 19jährige Paula zur Aufnahmeprüfung der Kunsthochschule nach Berlin. Sie wird Malerin, um den Preis der Verhärtung gegen alle und alles. Sämtliche Beziehungen zu Männern scheitern, die zu Frauen gehören zu den beständigeren, vertreiben jedoch nicht die dominierenden Grautöne aus ihren Bildern. Woher kommt diese Gleichgültigkeit gegenüber den anderen und am Ende gegen sich selbst? Wie werden wir, was wir sind?
Christoph Hein erzählt von einer Frau, die in ihrem Leben das Abenteuer der Selbstbehauptung eingeht: »Die Geschichte einer gelungenen Emanzipation … Ein reiches Buch. Das schönste, das Christoph Hein bislang geschrieben hat.« Frankfurter Rundschau
Growing up in Bad Düben near Leipzig as a clergyman's son and thus not allowed to attend the Erweiterte Oberschule in the communist East, he received secondary education at a gymnasium in the western part of Berlin. After jobbing as an assembler, bookseller and assistant director, he studied philosophy. Upon graduation he became dramatic adviser at the Volksbühne in Berlin, where he worked as a resident writer from 1974. Since 1979, he has worked as a freelance writer, becoming known for his 1982 novella Der fremde Freund (The Distant Lover).
One of the most impressive contemporary German books I've read lately. Usually so not my cup of tea topic-wise, but so wonderfully executed that it pulled me in and did not let me go until the very end.
(Oh, and I don't remember any other male author writing such a good female first-person POV.)
Frau Paula Trousseau ist ein Roman, bei dem ich bis zum Schluss unschlüssig bin, wie ich ihn bewerten soll. Die Erzählung berührt stellenweise und erhält ihre Spannung durch eine durchgehend unsympathische Protagonistin, die trotz eingehender Schilderungen ihres Lebens, ihrer Kindheit und Jugend letztlich unergründlich bleibt. Beim Stil haderte ich stark. Möglicherweise handelt es sich um einen bewussten Kunstgriff, dass nicht Heins Stimme, sondern Paulas autobiographisches Manuskript gelesen wird. Dadurch entsteht aber eine reine Aneinanderreihung von Ereignissen aus dem schwierigen Leben der jungen Frau, von Begegnungen und Liebschaften, in der alle Figuren ausser Paula letztlich völlig eindimensional wirken und der es gänzlich an sprachlicher Schönheit oder Reflexion mangelt.
Selten ein Buch so gebannt gelesen, dessen Protagonistin mir durchweg unsympathisch war. Es ist der Schreibstil, die Sprache des Autors, der und die das möglich gemacht hat. Einige Kunstfehler (Redundanzen, die beim Lektorat eigentlich hätten auffallen müssen) und dass das Ende nicht ganz zur Aufmachung der Geschichte passt, veranlassen mich dazu, einen Stern abzuziehen. Aber es sei ausdrücklich betont - es war ansonsten ein absolutes und zu empfehlendes Leseerlebnis! :)
Christoph Hein schreibt als Mann eine überraschend gute First-Person-POV einer Frau. Die teilweise sehr depressive Stimmung wird abgewechselt mit kurzweiligen Momenten gefüllt von Freude. Die Emanzipation von der ursprünglichen Standardbeziehung zu Männern wird hinterfragt und die Unsicherheiten, die Paula damit hat, zeigen, wie ungewöhnlich Homosexualität damals schien. Eine Starke Frau! Vorallem aber die Zeitsprünge, die die Traumas von Paula zumindest teilweise erklären, sind traurig, fast schockierend. Zum Ende hin hat mich das Buch wirklich in den Bann gesogen. Und das Ende: ein wirklich gelungener Plot-Twist, der den kuriosen Anfang des Buchs erklärt und verstehen lässt.
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