Ruth Lember, Professorin in Berlin, soll in den Deutschen Ethikrat berufen werden. Sie scheint am Gipfel ihrer bisherigen Laufbahn. Aber ein Zwischenfall bei ihrer morgendlichen Joggingrunde erweist sich als Auftakt einer ganzen Reihe irritierender Ereignisse. Innerhalb von einer Woche in der sommerlich heißen Stadt gerät Ruths Leben völlig aus dem Takt. Ulrich Woelk erzählt in "Mittsommertage" die spannende Geschichte einer Frau, die sich neu erfinden muss.
Ruth Lember, Ethikprofessorin in Berlin, steht kurz vor der Krönung ihres bislang so erfolgreichen Sie soll Mitglied des Deutschen Ethikrats werden. Nichts scheint in diesem Sommer 2022 ihre Zukunft zu trü Ben, ihr Mann, gewinnt einen Architekturwettbewerb, ihre Ziehtochter Jenny studiert Kommunikation in Leipzig, und die Corona-Pandemie flaut endlich ab. Dass Ruth bei ihrer morgendlichen Joggingrunde von einem nicht angeleinten Hund gebissen wird, scheint da nur ein störendes Missgeschick zu sein. Aber tatsächlich schwelt die Wunde weiter, und das Ärgernis wird unerwartet zum Auftakt einer ganzen Reihe von Ereignissen, die Ruths Leben zunehmend in Frage stellen. Ein Freund aus der Vergangenheit taucht auf und erinnert sie nicht nur an ihre einstige Liebe, sondern auch an einen nie geahndeten Anschlag der früheren Umweltaktivistin. Niemand sonst, auch nicht Ben und Jenny, weiß von Ruths politischer Vergangenheit, die, sollte sie bekannt werden, sowohl ihre Karriere als auch ihre Ehe aus der Bahn zu werfen droht. Doch genau darauf scheint der Lauf der Dinge jetzt beinahe zwingend zuzusteuern ... Dicht, anschaulich und spannend erzählt Ulrich Woelk in seinem neuen Roman von einer einzigen Woche im Mittsommer in Berlin, die ein ganzes Leben auf den Kopf zu stellen vermag.
Ulrich Woelk beschreibt in "Mittsommertage" sieben Tage im Leben der Ethikprofessorin Ruth. Es steckt viel Gegenwart in diesem schönen Roman. Themen wie Corona, Ukraine-Krieg und vor allem Klimaproteste sind allgegenwärtig. Der Text ist in einer sachlichen Sprache verfasst passend zur Protagonistin. "Ruth mag Sachlichkeit in jeder Form."
Es ist Juni 2022 in Berlin. Ruth Lember ist eine 55-jährige Professorin für Ethik an der Humboldt-Universität. Ihr Mann Ben ist Architekt. Ruth gilt als linksliberal. Sie wird in den Deutschen Ethikrat berufen. Die Tochter ihres Mannes Ben ist für sie wie ihre eigene (leibliche) Tochter.
Beschrieben wird eine Woche im Leben von Ruth. Die Kapitel entsprechen den Wochentagen. Am Montag wird Ruth beim Joggen von einem Hund gebissen. Und auch der Rest der Woche wird nicht viel besser. Details werden aus Spoiler-Gründen nicht verraten.
Mir hat vor allem die Wirklichkeitsnähe gefallen. Die Konstruktion ist einfach, aber effektiv. Die Sprache ist passend zur Protagonistin nüchtern und schnörkellos. Insgesamt ein kluger Gegenwartsroman.
Der Autor ist Philosoph und so müssen wir in diesen Szenen einer Ehe nicht nur Last Generation und Achziger Jahre Atomgegner Parallelen studieren sondern auch die Aspekte verschiedener philosophischer Lehren. Könnte spannend sein, ist aber insgesamt mühsam gewesen für mich. Einzig der Hundebiss der Hauptfigur hat mich durchhalten lassen.
Hat mir richtig gut gefallen - eine Woche im Leben der Professorin Ruth Lember, die von ihrer Vergangenheit eingeholt wird. „Der Sommer meiner Mutter“ von ihm fand ich auch schon sehr gut, dies hier durch die Aktualität noch etwas besser! Note: 2+
"Es stimmte, dass sie, so gut es ging, immer versucht hatte, auf der Seite des wenn schon nicht gleich Wahren, so doch Richtigen oder besser Aufrichtigen oder vielleicht einfach nur des Guten zu stehen [...]."
Doch was ist das Richtige, das Aufrichtige, das Wahre? Als Professorin für angewandte Ethik noch dazu mit dem Schwerpunkt der Tier- und Klimaethik ist das für Ruth gar nicht so einfach festzulegen. Wenn auf dem Weg durch Berlin Klimakleber der Letzen Generation Staus verursachen und für Unmut sorgen, ist das dann der notwendige Widerstand gegen ein umweltschädliches System oder doch ein illegitimer Eingriff? "Mittsommertage" erzählt eine Woche aus Ruths Leben aus der Perspektive der Protagonistin. Die Woche scheint eine gute zu sein: Ruth wird als Mitglied in den deutschen Ethikrat aufgenommen, das Gremium, das den Bundestag in ethisch schwierigen Entscheidungen berät. Ihr Mann Ben wartet auf das Ergebnis eines wichtigen Architekturwettbewerbs. Doch gleich am Montagmorgen wird Ruth beim Joggen ins Bein gebissen und ein Mann beobachtet sie erschreckend eindringlich in einer ihrer Vorlesungen. Ob die Woche so enden wird, wir Ruth sich das zu Beginn vorgestellt hat?
Ulrich Woelk bleibt mit "Mittsommertage" seinem Themensprektrum treu. Wie schon in anderen Romanen verhandelt er nicht nur den gegenwärtigen Klimaprotest und das letzte Aufbäumen der Corona-Krise 2022. Er wirft auch einen Blick in die deutsche Vergangenheit, auf ostdeutschen Totalitarismus und die westdeutsche Anti-Atombewegung. Dem studierten Philosophen gelingt es dabei hervorragend, Denkprozesse beim Leser auszulösen ohne bevormundend zu wirken. Die Frage nach dem legitimen Klimaprotest in einer Welt, in der ein Grenzwert nach dem anderen überschritten wird, drängt sich bald auf. Ebenso, welche Verantwortung der Einzelne mit seinem alltäglichen Konsum trägt. Aber auch juristische Fragen werden zumindest angerissen. Woelk gelingt es dabei, durch das Nebeneinanderstellen einzelner Szenen Überschneidungen aufzuzeigen und Fragen aufzuwerfen, ohne dass er mit dem Zeigefinger darauf verweist. Die Diskurse, die das intellektuelle Paar Ruth und Ben hin und wieder führt, lassen sich als Folie verstehen, vor der der Leser zu eigenen Schlussfolgerungen gelangen kann - ein literarisches Kunststück, das großen Spaß beim Lesen bereitet.
Ulrich Woelks Mittsommertage erzählt von einer Woche im Leben der Ethikprofessorin Ruth, einer Frau, die alles im Griff zu haben scheint. Doch dann beißt sie ein Hund und das Unheimliche bricht in ihr Leben ein.
Die Stärke des Romans liegt in seiner Nähe zur Gegenwart, die er klug und ruhig einfängt. Woelk zeichnet seine Hauptfigur mit großer Sorgfalt, die Sprache ist sachlich, fast spröde, aber stimmig zum Charakter Ruths. Was anfangs als subtile Alltagsbeobachtung überzeugt, bleibt erzählerisch jedoch etwas (zu) zahm.
Die zahlreichen moralischen Konflikte werden allenfalls angedeutet, vieles wirkt korrekt durchgespielt, aber nie wirklich existenziell. Dort, wo es wehtun dürfte, bleibt der Roman erstaunlich sanft.
Ruth, die viel in ihre Ausbildung und ihre Karriere investiert hat, steht kurz vor ihrem beruflichen Höhepunkt: der Berufung in den Ethikrat. Es sollte eine Woche voller Anerkennung und Stolz auf ihre Leistung vor ihr liegen. Aber es kommt anders.
Ihre Vergangenheit, die sie bis dahin unter Verschluss gehalten hat, steht wieder vor ihrer Tür. Ihr Gewissen hält ihr den Spiegel vor. Ist es moralisch vertretbar, sich für seine Überzeugungen über das Gesetz zu stellen? Rechtfertigen sie Akte der Sabotage?
Langsam kommt die Vergangenheit in ihrem aktuelle Leben an, auch wenn sie versucht, sich dagegen zu wehren. Ist sie wirklich die passende Besetzung, um zwischen richtigem und falschem Verhalten unterscheiden zu können?
Die Fragen werden aufgeworfen, ohne sie zu beantworten. Man kann sich seine eigene Meinung bilden.
Ruth ist eine vielschichtige, kluge und interessante Protagonistin. Ich habe ihre Erlebnisse und Gedanken sehr gerne verfolgt.
Lediglich ihr Ehemann wirkt auf mich etwas eindimensional und somit haben mich die aufkommenden Eheprobleme wenig berührt.
Insgesamt eine Empfehlung von mir für diesen hochaktuellen Roman, der auch Bezug auf die Klimakrise nimmt.
Die Geschichte von Mittsommertage klang für mich in der Beschreibung deutlich spannender, als sie war. Die zahlreichen Rückblenden bieten zwar teils interessante Einblicke, ziehen die Geschichte aber für meinen Geschmack einfach zu sehr in die Länge. Die letzten 100 Seiten habe ich dann eher überflogen, da mich die Geschichte nicht mehr fesseln konnte. Insgesamt hinterließ das Buch bei mir eine eher bedrückende, fast trostlose Stimmung, die sich durch die gesamte Handlung zieht. Für Leute, die düstere, nachdenkliche Erzählungen mögen, mag Mittsommertage durchaus etwas sein, für mich war es jedoch eher eine zähe Lektüre.
Das Buch hat mir sehr gefallen. Nur, dass Ruth einige Entscheidungen abgenommen wurden, erschien mir zu einfach und ihre Reaktion in manchen Punkten fand ich unglaubwürdig. Aber die generelle Idee, dass ein kleiner Zwischenfall ein ganzes Leben auf den Kopf stellen kann, finde ich sehr interessant.