Ein sehr schön geschriebenes, einfühlsames Jugendbuch, in dem Mirjam Pressler glaubwürdig die ich-Perspektive der zwölfjährigen Halinka schafft, die im Nachkriegsdeutschland in einem Heim lebt.
Zu Beginn der Erzählung ist Halinka sehr vorsichtig, sie will gar keine Freundin haben, lieber zieht sie sich an ihren Geheimplatz zurück, sehnt sich still nach ihrer Tante Lou, notiert poetische Weisheiten, liest Huckleberry Finn und flieht in ihre Fantasie, um düsteren Gedanken zu entkommen. Die brutalen Mädchen meidet sie, weil sie gemein sind und sie rassistisch als Z* beschimpfen (obwohl sie doch eigentlich Jüdin ist, aber das sagt sie lieber nicht laut), ihre Wut schluckt sie geübt hinunter. Die schwachen Mädchen meidet sie auch, denn die könnten ihr eh nicht helfen… aber eine kleine Schwester hätte sie schon gerne.
Im Laufe der Geschichte erfahren wir nach und nach Fragmente aus Halinkas traumatischer Vergangenheit, deren psychische Auswirkungen auf Halinka Pressler sensibel und realistisch darstellt.
Zunehmend lernt Halinka, dass es auch neben ihrer Tante Lou liebe Menschen gibt und wagt es sich zu öffnen, wobei sie überrascht feststellt, dass Reden hilft und es guttut für sich und andere einzustehen.
Pressler kreiert mit Halinka eine mutiges, gescheites Kind, das sich so gut es kann durch sein hartes Leben schlägt und dem Glück den Stuhl hinstellt, wenn es endlich kommt.
- Sehr gut geeignet als Schullektüre in der Unterstufe: Macht Trauma und Coping Strategien besprechbar; Halinkas Gedanken machen viele Reflexionsräume auf; Rassismen und Nachkriegszeit können thematisiert werden; die Schüler*innen sind ergriffen und können sich gut hineinversetzen