John Gruber: Manager, Porschefahrer, Loftbesitzer und zynischer Bescheidwisser, der seiner Geliebten gern mal schonungslos klarmacht, was die Realität von TV-Soaps unterscheidet. Doch plötzlich erwischt es Gruber selbst. Lange hat er sich mit einem coolen Superhelden verwechselt, da schmerzt es, als ein Tumor in seinem Bauch entdeckt wird. Gruber säuft, feiert und prügelt sich, er macht Selbsterfahrung und Chemotherapie. Und landet dabei in den Armen einer schlauen, schönen Berliner DJane, die in Gruber etwas sieht, was nicht einmal Gruber selbst in sich sehen kann...
Doris Knecht war stellvertretende Chefredakteurin des Wiener Stadtmagazins «Falter» und Kolumnistin des Schweizer «Tages-Anzeiger». Für den «Kurier» schreibt sie die tägliche Kolumne «Knecht», für den «Falter» wöchentlich eine Familienkolumne, in der Wiener «rhiz-bar» legt sie regelmäßig als Djane auf. «Gruber geht» (2011), ihr erster Roman, wurde ein Überraschungserfolg und stand auf der Longlist für den Deutschen Buchpreis. Doris Knecht lebt mit ihrer Familie in Wien und im Waldviertel.
Ich bin sehr froh, dass ich das Buch gehört und nicht gelesen habe - ich fürchte, die ständigen Wiederholungen, die teilweise abstrusen Ausschweifungen (ich sage nur Sofa!) und die ständigen Gedankensprünge hätten mich beim Lesen sicher viel mehr gestört als beim Hören. Manuel Rubey macht da einen wirklich guten Job - für meinen Geschmack hätte es an manchen Stellen vielleicht noch eine Spur wienerischer sein können.
Zur Geschichte: Zwei für mich gefühlt sehr authentische Charaktere, deren Haltungen und Lebensentscheidungen ich nicht wirklich verstehen, aber durch die Erzählweise zumindest nachvollziehen kann. Auch die Entwicklung von Gruber ist gut gemacht, da ist nichts kitschig oder übertrieben. Auch wie der Umgang mit dem Krebs geschildert wird, erscheint mir authentisch und realistisch - wer sich nicht mit diesem Thema auseinander setzen will, sollte allerdings die Finger von der Geschichte lassen, die Nebenwirkung der Chemotherapie werden beispielsweise nicht ausgelassen und doch sehr plastisch geschildert.
Ich mag Doris Knecht's Schreibe. Auch hier wieder. Locker, flapsig und absolut treffend wird formuliert und das Innenleben von Gruber, diesem egoistischen, erfolgreichen Investmentirgendwas analysiert, der durch eine Krebserfahrung aus der Bahn geworfen wird. Daneben kriegen wir etwas Wien, Zürich und Berlin zu sehen. Ich denke, das passt.
Das Cover gefällt mir nicht (passt auch nicht wirklich, finde ich), und erst dachte ich, ich komm nicht gut rein ins Buch. Weil der Schnösel mir so fremd war und seine Welt. Ich dachte, vielleicht gibt´s das nur in Österreich, diese Art von Schnöseln, wo's auch Sebastian Kurz gibt und der Schwarzenegger herkommt und Opernbälle stattfinden. Aber dann wurde es doch so glockenglasklar ein Buch von Doris Knecht, ironisch, klug, witzig und virtuos ... und ich habe mich dem Sog hingegeben.
Wer Doris Knechts Kolumnen mag, dem wird auch dieses Buch gefallen. Locker, leicht und spritzig erzählt, wandelt dieser Roman nicht nur zwischen Wien, Berlin und Zürich hin und her, sondern auch zwischen Frust und Lebenslust, zwischen saloppem Humor und tragischem Verzweifeln, und - natürlich - zwischen Leben und Sterben und wie nah das plötzlich beieinander liegen kann. Gruber, seines Zeichens erfolgsverwöhnter Schnösel, Frauenverführer und schwarzes Schaf der Familie stellt in dem Moment fest, dass er Krebs hat, als ihm in Sarah eine Frau begegnet, die ihm durch und durch geht.
SPOILER!
Erstaunlich, wie glaubwürdig Doris Knecht ihren männlichen Protagonisten und seine Welt (Alkohol, Geld, Frauen, Porsche, Alkohol, Drogen, Alkohol!!!) skizziert (oder ist das vielleicht nur meine Meinung als weibliche Leserin...?) Außerdem hat die Autorin ganz genau beobachtet (vielleicht an der eigenen Familie?), wie Gruber seine Mutter, Schwester und den Schwager spektakulär zur Weißglut treibt. Da tun sich familiäre Abgründe auf, die zwar vielen LeserInnen vielleicht bekannt, jedoch nicht abgedroschen sind. Ebenso bemerkenswert die unaufgeregt lebensecht und absolut nicht schwülstigen erotischen Momente im Buch, sowie die direkte und ungeschminkte Art und Weise, wie die Autorin sich an schwere Themen wie das Leiden von Krebspatienten oder ein Baby zu verlieren heranwagt.
Normalerweise finde ich ja ein Happy End bei solchen Romanen schnulzig, kitschig und völlig klischeehaft. Mann trifft Frau, verliebt sich, besiegt den Krebs, die beiden leben glücklich bis an ihr Lebensende - oh graus! "Gruber geht" stellt jedoch eine wohltuende Ausnahme dar, vielleicht weil es trotz allem ein schmerzhaft glückliches Ende ist. Doch, das ist ihr gut gelungen, der Frau Knecht!
ein liebes, nettes buch mit vorhersehbarem ende. gruber, der ungustl, wird zu gruber, dem liebenden vater. dazwischen liegt allerdings eine gehörige portion lebenserfahrung. sehr flüssig und teilweise witzig lässt der roman nicht die ernste lage des protagonisten vergessen. der nareative stil des wechselnden inneren monologs und ein-wort-sätze rinnert nicht nur ein bisschen an wolf haas, sondern gibt auch einen schnörkellosen, unmissverständlichen blick in die seele der figuren zu. eine lange erzählung scheint mehr als unnötig. eine nette kurzweil für den urlaub, die schmunzeln aber auch ein bisschen nachdenken lässt über prioritäten im leben und wie schön unkompliziert eine beziehung nicht auch sein kann.
das Buch Wald hat mir besser gefallen. Aber dieses Buch lebt auch von der spritzigen Sprache der Autorin. cooler und überheblicher Managertyp, reich und eigentlich fies, erkrankt an Krebs und verliebt sich in eine Frau -wird ihn das zu einem besseren Mann machen?v