Als westlicher Leser mit privatem Interesse an der koreanischen Kultur hat man leider nur eine geringe Auswahl an Literatur, als deutscher besonders. Umso einladender erscheint dieses Buch als erste Begegnung mit der Geschichte Koreas.
Die Aufmachung ist gut. Es gibt 5 Karten Koreas aus verschiedenen Epochen und am Ende des Buches ist eine Zeittafel mit einer Auflistung wichtiger Ereignisse und eine Übersicht über Dynastien und Herrscher.
Leider ist das Buch, besonders bei den Beschreibungen bis zum 16. Jahrhundert genau das. Ereignisse werden aneinander gereiht, oft ohne verständliche Erklärung woher sie rührten oder welche Auswirkungen sie hatten oder erzielen sollten. Es werden Bezüge zu China und anderen Ländern hergestellt, die nicht näher erläutert werden - hier wird wohl davon ausgegangen, dass der Leser bereits kundig in chinesischer Geschichte ist. Generell lässt dieses Buch eine gesamtheitliche Darstellung Koreas vermissen. Wie spielte sich das Leben ab? Welche Auswirkungen hatten politische Entscheidungen?
Dieses Buch ist von einer Professorin und einem Juniorprofessor geschrieben worden, aber lässt jegliche Forschungsarbeit vermissen, sondern liest sich eher wie eine heruntergeschriebene Ahnentafel von Herrschern und hohen Persönlichkeiten.
Das Lesen des Buches wird leider zusätzlich erschwert durch einen sehr anstrengenden Schreibstil. Sätze sind verschachtelt, gehen oft über fünf oder mehr Zeilen und enthalten unheimlich viele (oft auch unnötige) Informationen, so dass man diese oft mehrmals lesen muss.
Ein Beispiel von Seite 59:
"Nach ihrem endgültigen Umzug zum im Südwesten des Landes gelegenen Kloster Kilsang-sa, dem heutigen Songgwang-sa, erfreute sich die rasch wachsende Gemeinde der Patronage der Militärdikatoren aus dem Hause der Ch'oe und des Königs Huijong (r.1205-1211), welcher den Berg, auf dem das Kloster gelegen war, in Anspielung auf den Wirkungsort von Hui-neng, dem legendären sechsten Patriarchen des Ch'an, in Chogye-san umbenannte."
So ein Satz ist schon in einem wissenschaftlichen Papier anstrengend, aber für ein Buch im außeruniversitären Kontext eine Qual. Das Arbeiten mit Fußnoten könnte hier Abhilfe schaffen, um Namensnennungen oder dreifache Orstumbenennungen unterzubringen. Was bei mir am Ende der konzentrierten Lektüre eines Kapitels im Kopf hängen blieb war leider verschwindend gering.
Bei aller Kritik lässt sich aber sagen, dass die Darstellung ab dem 16. Jahrhundert wesentlich besser wird, was natürlich auch mit der mehr existenten Geschichtsschreibung zusammenhängt. Einzelne Kapitel sind auch in einem gut lesbaren Stil, was daran liegen könnte, dass es zwei Autoren gibt.
Wer der englischen Sprache mächtig ist, sollte sich trotzdem lieber nach einem anderen Buch umschauen.