Der Oktopus, der Krake: Schon seit Jahrhunderten versucht der Mensch, dieses Meerestier zu begreifen, und muss sich dabei seinen Sinn für Ordnung und Orientierung immer wieder gehörig durcheinanderwirbeln lassen. Wie auch können wir einen derart virtuosen Gestaltwandler zu fassen bekommen, der uns skelettlos, farbschillernd und mit acht gewandten Tentakeln in seine Welt verwickelt? Wie Oktopusse in Kunst und Kultur dargestellt werden und was wir von ihnen lernen können, macht dieses Buch greifbar. Sprachspielerisch, kulturgeschichtlich versiert und voller Neugier taucht Matthias Wittmann nach „Oktopia“, umspült von eleganten Zeichnungen von Michèle Ganser.
Ein wunderbares Buch, das den Vergleich mit der von mir sehr geliebten Naturkunden-Reihe im Verlag Matthes & Seitz nicht scheuen muss, ja die dortigen Ausgaben sogar noch übertrifft.
Die subjektiven Beobachtungen der Kraken, die wissenschaftlichen Informationen über sie, aber vor allem ihre (großen Raum einnehmende) Darstellung in Literatur und Kunst haben mich begeistert. Die Illustrationen von Michèle Ganser sind absolut großartig und ziehen mich in ihren Bann. Beides zusammen bewirkt, dass ich Oktopusse jetzt ganz anders sehe und mich etwas weniger ekle, wenn ich im Meer schwimme und darüber nachdenke, was da um mich herum keucht und fleucht.
Die Büchergilde Gutenberg hat mit der Umsetzung mal wieder ihrem Ruf als phänomenaler Büchermacher alle Ehre gemacht. Allein das Cover mit den glänzenden, reflektierenden kleinen Wirbeln. Man ist schon begeistert, bevor man das Buch aufschlägt!
Ein tolles Fachbuch mit wunderschönen Illustrationen, das seinen medienwissenschaftlichen Hintergrund nutzt, um in einem lebendigen und einfallsreichen Schreibstil eine Vielzahl von Themen aus theoretischer und interdisziplinärer Perspektive zu beleuchten. Dabei erkundet es nicht nur die kulturelle Bedeutungsebene der Oktopusse, sondern bringt auch faszinierende Überlegungen zum Infragestellen gängiger Dichotomien wie Mensch-Tier(Nicht-Mensch) oder Natur-Kultur ins Spiel, was zum Nachdenken über gewohnte Dualismen und unsere anthropozentrische Weltsicht anregt. Die angefügten Quellenverweise am Ende untermauern den theoretischen Unterbau, ohne den Text selbst mit übermäßigen theoretischen Ausführungen zu überladen und sorgen so auch für eine solide Faktengrundlage. Insgesamt finde ich, ist Wittmanns Buch ein kurzweilig unterhaltsamer und doch auch tiefgründiger Beitrag zum gesamten Diskurs Mensch-Tier-Beziehungen am Beispiel eines Tieres, das als so „anders“ und in vielem doch so ähnlich empfunden wird – dem Oktopus 😊