Vor vielen Jahren und noch vor seinem Absturz habe ich Ullrich mal aus der Ferne gesehen, als er beim Allgäu-Triathlon Teil einer Staffel war. Kaum im Ziel war er umschwärmt von Fans. Ich wusste nicht, wieso. Ullrich hatte doch gedopt. Das wussten alle, nur er wollte es nicht zugeben. Für mich war Ullrich damit unten durch. Bis ich dieses Buch gelesen habe.
Präzise arbeitet es heraus, was Ullrich angetrieben hat. Beschreibt seinen Erfolgshunger, Zerrissenheit und Qualen besser, als er es selbst könnte. Literally. Ullrich hat selbst eine Biografie in Auftrag gegeben, die aber nicht besonders doll sein soll.
Friebe hat nicht mit ihm gesprochen, aber mit allen anderen wichtigen Personen aus Ullrichs Umfeld, die ihn auf seinem Weg begleitet, ihn motiviert oder auch enttäuscht haben. Aus dieser akribischen, in Teilen fast schon obsessiven Recherche zieht das Buch seine Kraft. Friebe wollte wirklich alles wissen und mit jedem reden. Die Fülle an Details und die Auseinandersetzung mit der Frage, wer etwas von Ullrichs Doping wusste oder sogar daran mitgewirkt haben könnte, erschlägt einen deshalb bisweilen. Aber es lohnt sich, allein schon wegen der abwechslungsreichen, feinen Sprache. Friebe kann nämlich nicht nur recherchieren, sondern hat die Ergebnisse auch inspirierend elegant aufgeschrieben. Vor allem merkt man aber, wie tiefgreifend die Auseinandersetzung mit der Person Ullrich ist, den er nicht verurteilt, dem er aber auch nichts durchgehen lässt, dessen Entscheidungen er zwar nicht sanft einordnet, dafür aber voller Empathie für die Umstände seines Werdegangs, des überlebensgroßen Hypes, den Ullrich auf dem Gipfel seines Erfolgs umgab und im Umfeld aller Personen, die an ihm gezerrt haben und an ihm verdienen wollten.
Kurz: Die beste Biografie, die ich gelesen habe.