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Rilke: Überzähliges Dasein: Eine Biographie

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Rainer Maria Rilke. Byt niezmierzony. Biografia

224 pages, Hardcover

First published March 1, 2009

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About the author

Fritz J. Raddatz

103 books2 followers
Fritz Joachim Raddatz was a German feuilletonist, essayist, biographer and romancier.
Aged 20 he started to write for Berliner Zeitung. From 1953 to 1958 he led the foreign department of the publishing house Volk und Welt in East Berlin. Because Raddatz had ongoing conflicts with East German authorities he moved back to West Germany in 1958.

In 1960 he became chief editor and deputy publishing manager of Rowohlt Verlag. He held hese positions until 1969, when he had to step down due to the "balloon affair". From 1976 until 1985 he was leading the feuilleton of Die Zeit.

Raddatz was one of the most influential literary critics in the field of German literature. He also published his diaries as well as many essays, novels and biographies.

Raddatz lived openly as a bisexual. In Hamburg he lived for more than 30 years with his partner Gerd.

In September 2014 Raddatz announced his retirement from active writing.

Raddatz, who was an advocate of Euthanasia, committed suicide at the age of 83 on 26 February 2015 in Zurich. He never wanted to become a nursing case. In full possession of his powers he decided: "That's it, it's enough."

He was chairman of the Kurt Tucholsky Foundation and a member of PEN-Zentrum Germany and the Freie Akademie der Künste Hamburg.

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Profile Image for Thomas Aebischer.
275 reviews11 followers
November 30, 2021
„Rose, oh Reiner Widerspruch, Lust,
Niemandes Schlaf zu sein unter soviel
Lidern“.
Dies sind die letzten Zeilen, die Rilke geschrieben hat und als Grabinschrift auf der Rückseite der kleinen Kirche in Raron im schweizerischen Wallis nachzulesen sind. Steil steigen die Berge im Rücken an, unten im Tal fliesst die Rhone, archaisch und düster und ich frage mich, wer war dieser Rainer Maria Rilke? Diese Frage kann Fritz J. Raddatz in seiner essayistischen Biographie nicht beantworten, aber mit vielen Hintergrundinformationen und Vernetzungen mit Weggefährten und historisch relevanten Details entwirft er ein Bild vom Menschen und Dichter Rilke, das vielleicht ein vages Gefühl vermittelt, wie die ganz eigene Welt von Rilke ausgesehen haben könnte. Was klar zum Ausdruck kommt, ist, dass Rilke ein Getriebener war, ein Rastloser, der sich gerne als adlig gesehen hat, ohne es von seiner Herkunft her zu sein, der anspruchsvoll in materiellen Ansprüchen war und sich durch Gönner aushalten liess, einer, der aber auch spartanisch leben konnte und sich im Schreiben zu finden hoffte und verlor, der sich ins Leben unter Menschen stürzen konnte, ohne aber dabei Teil davon zu sein und der letztlich nur lieben konnte in der Abwesenheit des Gegenübers. Das wahre Leben war für ihn nicht das pralle fleischgewordene, sondern vielmehr der Traum, die Idee davon und sich in der Kunst manifestiert. Und dieses Manifest ist das, was für uns Leser bleibt und für mich an Intensität und geheimnisvoller Magie kaum zu überbieten ist. Rainer Maria Rilke, ein Mensch, ein Dichter und Künstler, der in seinem Leben und darüber hinaus kaum fassbar ist. Was ist Wirklichkeit und was ist Schein, eine Frage, die bei Rilke immer auftaucht und nicht eine Antwort fordert, sondern nur Wirkung erzeugt, so wie sie die russische Dichterin Marina Zwetajewa, mit der Rilke in seinem letzten Lebensabschnitt viel und intensiv korrespondierte, in diesen zwei Zeilen beschreibt:
„Ergreift die Scheinhand fest
Den Schein einer anderen Hand“
Profile Image for Петко Ристић.
176 reviews14 followers
September 9, 2024
Wer sich tapfer durch die ersten hundert Seiten hindurch gequält hat, wird dieselbe Erkenntnis nicht los werden, welche schon Schopenhauer und viele andere treffend nieder geschrieben haben und schon ganz zu Anfang dieser Torturlektüre, welches im Kopf ein giftiges Rauschen erzeugt, wie kaum ein anderes, deutlich wird: man lese immer nur die Denker, Poeten und Philosophen selbst (ihre Schriften) und NIEMALS Lektüre von Alltagsköpfen über sie. Obgleich ich diesen Grundsatz immer befolge, habe ich nun den Fehler gemacht, Geld für diese "Biografie" wegzuwerfen, weil ich dachte, man könne Rilke wohl kaum so dermaßen missdeuten und verzerren. Schließlich, ist er ja nicht gerade eine allzu kontroverse Persönlichkeit.

Tja, kurz gesagt, ich war ein Narr.
Tatsächlich hat der arme Tropf Herr Raddatz hier ein Werk geliefert, welches geradezu ein Verbrechen und eine Anmaßung ist: anstatt eine nüchterne, ehrfurchtsgebietende, respektvolle Biografie zu liefern, ist das ganze Buch durchsetzt von eigenen Deutungen und sogar Verurteilungen der Person Rilke's und anderer... Man staunt über die Dreistigkeit und kann es kaum glauben.
Es sollte nicht die Aufgabe eines Dichter-Biografen sein, dessen Dichtungen und Briefe in seinem Sinne auszulegen und zu deuten, geschweige denn, absichtlich zu missdeuten. So schnappt sich Herr Raddatz doch tatsächlich kurzerhand eins von Rilkes Frühgedichten und deutet das zu einer Abhandlung der Person Lou Andreas Salome aus, welches Rilke aber in der Zeit vor seiner Bekanntschaft mit dieser Frau schrieb... Dabei unterläßt es dieses Subjekt noch nicht mal das Gedicht in seiner Gänze wieder-zugeben, sondern läßt schlichtweg manche Wörter ganz weg und versetzt ganze Sätze, um ein falsches Bild zu kreieren. An anderer Stelle, in der Rilke ein unglaublich bildergroßes und tiefsinniges Gedicht schrieb, welches wirklich ganz offensichtlich von einer ganz anderen Thematik sprach, deutet Herr Raddatz das ganze zu einer krankhaften Auffassung von Frauen und seiner Sexualität um...
Seine Bewunderung und Beziehung zum Künstler Rodin in Paris wurde kurzerhand zu einer "homoerotischen Ehe" gedeutet... Seine Reisen durch Europa wurden in einem Ton geschrieben aus dem ganz deutlich die Absicht hervor sticht, Rilke als einen verunsicherten, willensschwachen, geistig verwirrten, undankbaren Menschen darstellen zu lassen.
Ich könnte dutzende Beispiele wiedergeben, aber diese Rezension wird auch so schon groß genug ausfallen.

Wem diese zum Himmel schreiende Unprofessionalität nicht genug ist, staunt auch über die, man kann es kaum anders nennen, Beleidungen. So kränkelt Rilke nicht etwa an seinem Geist, an seinen Gefühlen, sondern an Rilke selbst, an seiner Persönlichkeit, der "Ich-kranke-Rilke", der sich zwar zu diagnostizieren vermag, aber keineswegs zu therapieren. Diese ist laut Herr Raddatz krank, aber obbacht, es ist nicht etwa ansatzweise so krank wie die von Nietzsche oder Dostojewski, welche anscheind von "wahnsinniger (in negativem Sinne) Natur" war.

Mal abgesehen von diesem abstrakten Urteil, welche jede Logik entbehrt, ist dies alles natürlich so verzehrt geschrieben, dass der armselige Raddatz jederzeit behaupten kann, er hätte was anderes gemeint. Ein typischer, wohlbekannter Trick aller neunmalklugen Scharlatane, welche es stets verstehen fast alles so zu formulieren, dass genügend Interpretationsraum enthalten ist, um sich bei Notfall herausreden zu können.

Und so ist das ganze Werk durchseucht von absichtlichen Missdeutungen, Verurteilungen und abgrundtief armseligen Versuchen, Elemente aus komplett anderen Bereichen hineinzufügen und lateinische Wörter zu benutzen, nur um den Anschein eines Gelehrten zu erwecken.

Das Traurige bei all dem ist, dass sowas wirklich gedruckt, gelesen und für wertvoll befunden wird.
Oh, wie oft haben Alltagsköpfe den Ruf großer Poeten und Philosophen zerstört und entstellt. Anstatt dass man an sie mit einer gewissen Ehrfurcht oder wenigstens Respekt vor ihrer überdurchschnittlichen Intelligenz herangeht, maßt man sich an, sie und ihre Schriften zu diffamieren, um selbst besser dazustehen.

So sind leider fast alle modernen "Gelehrten" und so waren sie auch schon früher. Herr Raddatz war ein ZEIT Schreiber durch und durch, ein Wurm in jeder Hinsicht. Der Mann hat seine Leiter Stellung bei der ZEIT damals verloren weil er falsche Goethe Zitate in einem Leitartikel verwendet hat, eins davon handelte vom Frankfurter Hauptbahnhof, welche zu Goethes Zeit noch gar nicht existiert hat... Soviel dazu.

Chronologische Tatsachen über Rilkes Leben und Jugend sind kaum enthalten und werden nur am Rande erwähnt, weil diese wenig Raum zur Stigmation bieten. Dieses Buch gehört auf den Abfall.
Nochmals zum Schluss an alle: wenn ihr euch ein Bild von einem großen Schriftsteller, einem großen Denker generell, machen wollt, so seid so vernünftig, und lest die Schriften dieser Geistesgrößen immer selbst (so schwer ist das wirklich nicht) und macht euch euer eigenes Bild, anstatt auf das zeitgenössische Geschwätz anderer zu hören und sich das Bild dadurch verderben zu lassen. Wenn wir uns eine Meinung von einer Person machen wollen, müssen wir diese Person selbst studieren und nicht auf den Klatsch und Tratsch anderer Wert legen.
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