Elsa ist starrköpfig, widerspenstig, verletzlich und manchmal schlicht und einfach ein Biest. Für den Künstler Lorenz Brauer und seinen Bruder Karl ist ihr Name gleichbedeutend mit Schicksal. Doch was ist am Ende stärker – Ruhm? Rausch? Rache? Oder die Liebe?
Ein Dorf in der Oberpfalz, irgendwann in den 80ern: Es sind Sommerferien, doch Karl und sein älterer Bruder Lorenz sind traurig, denn ihre Mutter hat sich das Leben genommen. Der Vater ergibt sich in seiner Trauer nach und nach dem Suff und das Regiment in der Pension übernehmen mehr oder weniger Haushälterin Frau Kratzler und Dauergast Herr Murmelstein, genannt Murmeltier. Und dann kommt Elsa … eine rotzfreche Göre, Tochter eines Dorfbewohners, dessen Frau einst mit einem reichen Porschefahrer durchbrannte – samt Kind. Nun soll sie bei ihrem Vater bleiben und bringt ordentlich Leben in das Dorfleben …
Ich muss gestehen, dass ich etwas skeptisch war, was dieses zweite Werk von Astrid Rosenfeld betrifft. Mit “Adams Erbe” hatte sie bei mir ins Schwarze getroffen, doch die Inhaltsbeschreibung dieses zweiten Buchs hat mich nicht sonderlich gereizt. Aber wie so oft wurde ich überrascht, ich mochte dieses Buch fast noch mehr als “Adams Erbe”. Astrid Rosenfeld hat es einfach drauf, so zu erzählen, dass man immer weiter zuhören, d. h. weiterlesen könnte. Ich habe nicht umsonst zunächst “zuhören” geschrieben, der Schreibstil ist so lebhaft, dass man das Gefühl hat, sich mitten im Geschehen zu befinden. Das nenne ich große Erzählkunst, und die macht einfach Spaß, auch wenn man zunächst denkt, das Thema interessiere einen gar nicht so sehr. Echtes Kopfkino eben. An Humor lässt das Buch auch nichts zu wünschen übrig, herrlich, wenn Elsa angesichts des kürzlichen Unglücks in Tschernobyl andere Kinder mit Pfifferlingen als Waffen in die Flucht schlägt.
Dass das Buch mir so gut gefallen hat, hängt vielleicht auch damit zusammen, dass Elsa, Karl und Lorenz genau meine Generation sind – wie Astrid Rosenfeld selbst auch.
Im weiteren Verlauf der Handlung begleitet uns der Ich-Erzähler uns in die Kunstszene, die Lorenz für sich entdeckt hat. Doch nun, wo Lorenz und Karl um die 20 sind, fehlt ihnen etwas – und nicht nur ihnen, sondern auch dem Leser (was sicherlich absolut beabsichtigt und meisterhaft gemacht ist). Was das ist, sage ich nicht, das würde zu viel verraten. Es wird jedoch noch einmal vorkommen und auch eine Auflösung wird es geben.
Eine nette Geschichte, mit einer rotzfrechen Göre, welche ich aber als sehr nervig empfand. Das war mal wieder eins solcher Bücher, welches schnell wieder vergessen sein wird.
Ein kleines Dorf in der Oberpfalz. Drei Kinder, Karl, sein Bruder Lorenz und die wilde, temperamentvolle Elsa, wachsen zusammen auf. Es verläuft nicht immer reibungslos und besonders der etwas dickere Karl hat unter den Kämpfen zwischen Elsa, die ihm sehr wichtig ist, und seinem Bruder Lorenz zu leiden. Im späteren Verlauf ist das Trio erwachsen geworden und Karl taucht ein in eine Welt, die er aus der beschaulichen Heimat nicht gewohnt war. Zudem erfährt er Dinge über Elsa, die er eigentlich gerne nicht wissen möchte. Für mich war „Elsa ungeheuer“ von Astrid Rosenfeld eines der besten Bücher seit langem. Gefühlvoll und schonungslos erzählt sie die etwas verrückte Geschichte einer Kindheit auf dem Land und dem späteren Erwachsenwerden in der glamourösen Kunstwelt. Für mich ist Rosenfelds leichte und ansprechende Sprache schwer zu beschreiben. Ich habe das Buch einfach mit einer großen Lust und Freude gelesen und der Sog der Geschichte hat mich gleich zu Beginn in seinen Bann gezogen. Die authentischen Figuren waren teilweise skurril und insgesamt hat mich das Ergebnis manchmal etwas an John Irvings Welt erinnert. „Elsa ungeheuer“ ist ein wunderschönes, besonderes Buch, das einen von Anfang an begeistert und Immer wieder überrascht. Es gab zwar einige Andeutungen im Verlauf der Geschichte, dennoch war die letztliche „Auflösung“ am Schluss doch überraschend. Ich werde auf jeden Fall noch weitere Bücher der Autorin lesen, da sie es geschafft hat mich mit einer tollen Idee, liebenswerten Charakteren und einer tiefgründigen Sprache zu verzaubern.
,, Wer wäre ich geworden, hätte ich meine Ziele verfolgt, meine Pläne verwirklicht? Was hätte ich der Welt angetan? Und wäre ich stark genug gewesen, meine Unschuld auch durch die Stürme des Lebens zu retten? "
Eigentlich ist es egal was du mit deiner Zeit anstellst, so lange du dabei deine Unschuld bewahrst, scheint die Message des Buchs zu sein. Wie genau die Unschuld aussieht wird dabei nicht geklärt. Eine Geschichte über Narzissmus, Rache und andere menschliche Abgründe. Traurig zu lesen aber zwischendrin irgendwie auch schön und tröstend.
5 von 7 oder 3,55 von 5 ich kann hier leider keine halben Sterne vergeben.
Elsa Ungeheuer ist der zweite Roman, den ich von Rosenfeld gelesen habe. Der erste war Zwölf Mal Juli, ihn habe ich im Frühjahr 2017 gelesen. Beide Geschichten lassen sich einfach und schnell lesen. Darüber hinaus haben sie noch ein weiteres gemeinsames Merkmal, das vielleicht auch die anderen Werke von Rosenfeld aufweisen: sie besitzen abgedrehte Charaktere, die auf ihre eigene Art von Melancholie befallen sind. Im Prinzip liefert der Klappentext eine schöne Beschreibung des Inhalts. Elsa Ungeheuer soll "von einer verrückten Kindheit auf dem Land bis zum Glamour der modernen Kunstwelt" handeln. Mir persönlich waren aber die Charaktere zu abgedreht, die Sprache teilweise zu derb und ich habe im Endeffekt nichts von der Geschichte mitgenommen.
Wirklich, wirklich gut geschrieben, aber auch sehr... nicht düster aber trotzdem das Gegenteil von hell. Sehr unglücklich? In jedem Fall aber lesenswert.
Elsa hinterlässt mich etwas...ratlos. Einige Fragen bleiben offen, beabsichtigterweise. Manches wird vielleicht auch erst klarer, wenn man das Buch öfter in die Hand nimmt. Symbole, Metaphern, das Zwischen-den-Worten, Kunst-Anspielungen. "Elsa ungeheuer" ist verrückt, genau wie seine Protagonisten. Melancholisch ist vielleicht zu viel gesagt, aber nicht-heiter. Astrid Rosenfeld weiß sehr genau, was sie tut. Sie weiß Worte zu platzieren. "Für manche Menschen scheint die Erde einfach nicht der rechte Ort zu sein, und meine Mutter Hanna war so ein Mensch.", "Vielleicht muss man Menschen manchmal aus der Ferne betrachten, um zu wissen, wie sehr man sie liebt." Rosenfelds Ton ruft manchmal laut "Theater!". Nach einem Blick auf ihre Biographie ist dies auch nicht ganz abwegig :)
Coming of age Geschichte eines dicken kleinen Jungen aus einem deutschen Dorf.
Ganz nette Geschichte einer Familie vom Land, deren ungewöhnliche Charaktere einen in eine andere Welt entführen. Man hört ihm gern zu, dem Ich-Erzähler Karl, der so sympathisch und naiv seine kindlichen Gedanken ausbreitet. Der so sehr liebt und sich nichts sehnlicher wünscht als seiner Liebe nahe zu sein.
Unbeschreiblich starkes Buch. Mit Begeisterung und Entsetzen, abwechselnd, verfolgte ich die Worte. Die Handlung erstreckte sich von einer trotz schwierigen Umständen blühenden freilebigen Kindheit, über groteske Lebenswege, hin zu einem grandiosen Ende. Alle Charaktere stark und eigensinnig, die meisten für mich nicht identifikabel und doch so nah. Am Ende hatte ich Gänsehaut. In meinen Augen wahrlich ein Meisterwerk, von Anfang bis Ende, lückenlos.
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A strong tale that captures the vividness of childhood as well as the darkness that is ever present but may not even be clear when you stare it in the eye. The story continues to show us how the wonders of life lets us look back at the darkness of childhood with mercy. And so much more...
Ein ganz ungewöhnliches Buch. Ein ganz hervorragendes Buch! Fesselnd geschrieben. Mit literarischen Kniffen gespickt und so schön und ungerecht und lustig und grausam und gut und unerhört wie das Leben selbst.
Eine Kindheit, die nicht einfach war, schweisst Elsa und die Gebrüder Karl und Lorenz zusammen. Elsa wird ausgesetzt und missbraucht, die Brüder verlieren ihre Mutter, die aus dem Fenster springt. Ihr Vater beginnt zu trinken, so dass die Kinder vom zahllosen Murmeltier erzogen werden, der ihnen versaute Gutenachtgeschichten erzählt.
Kein Wunder, werden die Brüder kokainsüchtig. Immerhin kriegt Elsa die Kurve, indem sie mir Schweine-Willi nach Amerika auswandert und durchbrennt.
Abgründiger Kunstroman, über Geld, Gemälde und Drogen. Liest sich sehr flott, enthält aber auch harte Kost.
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Die Brüder Karl und Lorenz und die eigenwillige Elsa - die drei verbindet eine Kindheit, umgeben von skurrilen Figuren, Dorfleben und Herausforderungen, die sich keiner der drei freiwillig ausgesucht hätte. Und eine Verbindung, die darüber hinaus bestehen bleibt und für jeden der drei seine ganz eigene Tücke hat und bis in die Kunstszene der Gegenwart reicht.
Ich mochte alles an dem Buch. Astrid Rosenfeld nimmt einen direkt von der ersten Seite an an die Hand und versteht es, die Geschichte so zu erzählen, dass man unbedingt wissen muss, wie es weiter geht. Aber alles ohne offensichtliche und konstruierte Cliffhänger. Es gibt einige harte Brocken in der Geschichte, aber auch viel Liebe. Ich war fast schon traurig, dass das Buch ein Ende hatte, ich hätte ewig weiter lesen können.
(Ich vergebe keine Wertung, weil ich das Buch quergelesen und mir nur einen groben Überblick über die Geschichte verschafft habe.)
+ Astrid Rosenfelds Schreibstil, sehr angenehm zu lesen (der 'flutscht' so richtig!) + gut konstruierte Handlung mit rundem Abschluss
o Schauplatz und Handlung für mich wenig interessant
- keine Sympathieträger - ungemütliche Stimmung, keine 'positive' Geschichte (was aber auch nicht die Absicht der Autorin ist) - keine Liebesgeschichte! ;-) (auch nicht die Absicht der Autorin)
Hätte ich eine Bewertung vergeben, hätte sie wahrscheinlich so ausgesehen: Schreibstil: **** Handlung: **
Wobei ich das Buch mit mehr Zeit und in anderer Stimmung vielleicht auch ganz gelesen hätte. Ich musste beim Durchblättern auf jeden Fall immer wieder an Martin Suter denken, das ist einer der wenigen Schriftsteller, der es schafft, dass ich seine Bücher gerne lese, obwohl mich die Thematik eigentlich gar nicht interessiert. Ich war bei „Elsa ungeheuer“ also eher fehl am Platze, Leser, die gerne diese Art von Büchern lesen (á la Diogenes, d.h. gut geschriebene, etwas anspruchsvollere Belletristik), die haben mit dem Buch bestimmt ihre Freude!
Eine etwas längere Besprechung gibt es HIER auf meinem Blog.
3/4 des Buchs fand ich großartig, das letzte Viertel und das Ende dann etwas schwächer bzw. hat es mir persönlich einfach nicht so zugesagt. Fest steht jedenfalls, dass Astrid Rosenfeld klasse schreiben kann und "Adams Erbe" kein One Hit Wonder bleiben wird!