Seine Zeitgenossen umlagerten ihn, Goethe war von ihm fasziniert, und Chateaubriand beneidete ihn um Erfolg und Anerkennung. Sein Privatleben wurde von der sensationslüsternen Öffentlichkeit begierig verfolgt. Aber nur von einem Menschen fühlte sich der berühmte englische Dichter Lord Byron wirklich verstanden: von seiner fünf Jahre älteren Halbschwester Augusta Leigh. Er liebte sie. Im puritanischen England war indessen kein Raum für diese Beziehung. Byrons Schicksal war eine unstete, lebenslange Wanderschaft durch Europa.
Mit acht Jahren begann Tanja Kinkel, Geschichten und Gedichte zu schreiben. 1978 gewann sie einen Jugendliteraturpreis und 1979 schrieb sie ihren ersten Roman.
Ab 1988 studierte sie Germanistik, Theater- und Kommunikationswissenschaft an der Ludwig-Maximilians-Universität in München. 1991 bekam Tanja Kinkel ein Stipendium an der Hochschule für Film und Fernsehen in München; Ausbildung zum Drehbuchautor. 1992 folgte ein Förderpreis des Freistaates Bayern für junge Schriftsteller. 1995 hatte sie einen Förderaufenthalt des deutschen Innenministeriums in der "Casa Baldi" in Olevano Romano bei Rom und erhielt 1996 ein Stipendium in der Villa Aurora in Los Angeles.
1996 erfolgte die Berufung der Bayerischen Staatsministerien für Unterricht, Kultus, Wissenschaft und Kunst in das Kuratorium des Internationalen Künstlerhauses "Villa Concordia", Bamberg. 1997 promovierte sie mit einer Arbeit über das Werk Lion Feuchtwangers. 2000 erhielt Kinkel den Kulturpreis der Oberfränkischen Wirtschaft. 2001 war sie im Beirat des Bertelsmann Buchclubs; bis zu dessen Auflösung Ende 2002. Sie war 2001 Gründungsmitglied der Internationalen Feuchtwanger Gesellschaft in Los Angeles. 2006 kam sie in die Auswahl zur Initiative "Deutschland - Land der Ideen - 100 Köpfe von morgen". Kinkel ist Mitglied im PEN Deutschland und im Bundesverband junger Autoren und Autorinnen e.V. (BVjA). Sie lebt in München.
Ja, es ist ein Jugendwerk. Und ja, man merkt sehr, wie stark Tanja Kinkel sich damals noch an den Originaltexten entlanghangelte. Und ja, natürlich wird Byron hier sehr verniedlicht (er konnte sicher ein übler Mistkerl sein, wie man an seinen Umgang mit einigen seiner Geliebten sieht). Aber irgendwie liest sich das Buch schön. ;-) Vielleicht liegt es daran, dass man Byron schon als Jungen kennenlernt, der sehr unter seinem Klumpfuß leidet und deshalb wie besessen Sport macht, um diese Beeinträchtigung auszugleichen. Der lange Probleme hat, eine Beziehung zu Frauen einzugehen, die über reinen Sex hinausgeht, da er durch das sehr schlechte Verhältnis zu seiner verwitweten Mutter gewisse Vorurteile gegenüber Frauen hat, die erst langsam verschwinden, als er seine Halbschwester Augusta kennenlernt, die ihm in Punkto Schlagfertigkeit gewachsen und, was die wahre Menschlichkeit angeht, sogar überlegen ist. Und so entsteht eine anrüchige, aber bezaubernd geschilderte Liebesgeschichte, die natürlich nicht sein darf und kann. Im wirklichen Leben mag es so gewesen sein, dass Byron seine eigenen fantastischen Geschichten auslebte, als er eine Beziehung mit Augusta einging, dass er vielleicht immer nur halb in der Wirklichkeit lebte. Während Augusta, die ständig in Geldnot war, da ihr Ehemann wenig verdiente und gern spielte, sich vielleicht Byron "hingab", da er sie finanziell unterstützte. Mag vielleicht alles real so oder so ähnlich gewesen sein. Hier ist es Liebe, "Wahnsinn, der das Herz zerfrisst".
Ein toller Roman, der sich biographisch mit dem englischen Dichter George Gordon, Lord Byron beschäftigt und in dem es vor allem um das skandalumwitterte Verhältnis zu seiner Schwester geht. Mir hat dieses Buch sehr gut gefallen, auch wenn ich zunächst etwas Probleme hatte mit dem Schreibstil. Er ist der Zeit des frühen 19. Jahrhunderts angepasst, und ich brauchte einige Seiten, um mich daran zu gewöhnen, dann jedoch war ich gefesselt von der Geschichte. Das Leben des Lord Byron, geprägt von vielen Affären, seiner kurzen Ehe mit Annabelle und dem inzestuösen Verhältnis zu seiner Schwester Augusta, das ganze aber sehr behutsam und emotional dargestellt. Durch die in den Roman eingebauten Briefe der Geschwister und Verse des Lords bekommt man Einblick in seine Gefühlswelt, aber auch in die seiner Schwester Augusta, aber auch in die vielen Skandale und Gerüchte, die von seiner Ehefrau Annabelle und der sich betrogen gefühlten Geliebten Caroline gegen ihn gesponnen wurden. Ein interessanter und aufschlussreicher Roman, der das Leben von Lord Byron mal von einer anderen Seite beleuchtet. Mir hat er sehr gut gefallen, ich denke aber, man sollte historische Romane gerne lesen, um wirklich Freude an diesem Buch zu haben. Ich hatte sie und vergebe daher 4,5 Sterne.
quite interesting novel about Lord Byron, but it leaves me a bit unsatisfied by not deciding whether being a novel or a biography. It's somewhere in the messy middle.