Kindermund tut Wahrheit kund - und so ist es auch mit diesem Buch.
Klaus Kinski, der Vater von Pola, starb im Jahr 1991. Dieses Buch erschien 2013. Und wenn man Pola glauben darf, und das mache ich, verging sich ihr Vater 14 Jahre lang an ihr, nämlich ab dem Alter von fünf, bis zu ihrem 19. Lebensjahr.
Das Buch ist ziemlich nüchtern geschrieben, so wie "3096 Tage" von Natascha Kampusch. Alles andere wäre auch überraschend, denn bei solchen Themen gibt es nichts auszuschmücken.
Für mich passt es zum Bild von Klaus Kinski, welches ich durch sein Buch "Ich brauche Liebe" erfahren habe - er wollte alle und jeden beherrschen, auch seine erste Tochter. Und so hat er immer wieder seinen Willen durchgesetzt, je nachdem wie es ihm beliebte.
Davon ab hat Pola neben ihrem Vater ein schweres Leben gehabt, erst spät fand sie zu ihrem Glück. Man kann ihr weiterhin nur das Beste wünschen.
"Lieblings"stellen:
„Bin ich da, oder bilde ich es mir nur ein? Bin ich, oder bin ich nicht, bin ich ...? Wenn ich jetzt stürbe, tot wäre, einfach verschwände, es würde keinem auffallen.“
„Jede Nacht, wenn alle schlafen, kriecht er zu mir unter die Decke. Ich zittere vor Angst, ich ekle mich vor ihm, noch mehr vor mir selbst. Ich will sterben. Ist er aus meinem Zimmer verschwunden, renne ich ins Bad, umklammere die Kloschüssel und kotze kotze, bis nicht mal mehr Galle kommt. Ich kotze bis zur Besinnungslosigkeit. Ich muss die Schuld aus mir heraus kotzen. Dann schrubbe ich mich mit einer Bürste von oben bis unten, immer wieder. Ich knie in der Wanne, flehe mit zum Himmel gefalteten Händen, dass Gott mir verzeihen möge!“
„Ich schwimme durch eine lange dunkle Höhle. Vielleicht gibt es am Ende einen Ausgang. Außerdem beruhigt mich der Gedanke, dass ich mich jederzeit umbringen kann, wenn ich es nicht mehr aushalte.“