Viele von Hesses Gedichte scheinen mir einfach flach und sprachlich eindimensional zu sein, aber dann gibt es die 3, 4, 5 Gedichte, die wirklich atemberaubend sind. Es kann sein, dass die Themen (Sehnsucht, Tod, Einsamkeit, Lust) viel zu repetitiv sind oder dass die Gedichte eher als ein Auffangbehälter für zu intensive Gefühle als Sprachschlösser wirken. Es kann auch sein, dass ich gefühlsmässig im Moment zu defensiv bin, um Hesse auf Augenhöhe in seiner Lyrikwelt treffen zu können.
Hesse ist kein Rilke, aber er hat ja auch keine Pflicht ein Rilke zu sein. Was ich aber wirklich schade finde, ist dass es ihm trotz des Gefühlsüberschwangs nicht gelingt viel in einem zu bewegen. Es scheint, dass Hesse seine Lyrik eher als ein privater Raum für seinen Schmerz/seine Gedanken erschaffen und nicht unbedingt als ein Werkzeug zur sprachlichen Erkundung und Erweiterung der Welt verstanden hat. Was absolut legitim ist, man kann sich wahrscheinlich als Leser gut darin widerspiegeln und teilweise auch Bestätigung finden, bloss ich kann ihm wenig und relativ ungern jetzt auf diesem Weg des Jammerns folgen, vor allem wenn ich darüber nachdenke, dass Rilke, Rimbaud, Celan, Amichai, Bishop und Lorde aus dem Bücherstapel emporschauen.
"Im Nebel" bleibt trotz alledem ein absolutes Lieblingsgedicht, am besten von Otto Sander vorgelesen. Das höre ich mir auch jetzt mehrmals am Tag an. Absoluter Hammer.
Mal schauen wie es nun mit den Gedichten weitergeht, ob der Funke doch überspringt?