UC, Ultrachronos, bezeichnet eine Wahrnehmung, die angeblich unmittelbar vor dem Tod eines Menschen geschieht: Das ganze Leben läuft wie ein Film in extremem Zeitraffer vor einem ab. Darum geht es in diesem Buch: um den Erinnerungsfilm eines Mannes, der nur noch wenige Augenblicke zu leben hat. Ein Dirigent von vierzig Jahren, reich verheiratet, mit glänzenden Karriereperspektiven, wenige Monate zuvor noch eine scheinbar unerschütterliche Existenz. Vielleicht. Vor neunzehn Jahren. Aber daran erinnert er sich nicht mehr.
Ich habe das Buch vor langer Zeit gelesen und kann mich nicht mehr an Details erinnern. Es ging um einen Dirigenten. Das Buch hatte eine interessante Struktur. Es war fantastisch. Und niemand kennt es.
Was soll ich über einen Roman sagen, für dessen Lektüre ich über ein Jahr brauchte? Es ist sicherlich ein einzigartiges Werk und im Nachhinein hat es mir gut gefallen. Einige sehr träge und komplexe Passagen hemmen den Lesefluss jedoch sehr und auch die Tatsache, dass die Protagonisten und Erzähler (ja, es gibt mehrere) unzuverlässig sind, führte dazu, dass ich UC öfter für einige Zeit beiseite legte. Ich werde es wohl irgendwann nochmals lesen müssen, denn allein schon die Schreibweise Kraussers gefiel mir sehr. Definitiv kein Text für jeden.
Seit langem mal wieder einen Krausser gelesen; das Ding stand eine ganze Weile in meinem Schrank und hat gewartet. Wie immer mitreißend in der sprachlichen Ekstase, der Liebe zum Exzess und zum maskulinen Größenwahn. So ganz gefunkt hat's bei mir trotzdem nicht, ohne dass ich benennen könnte, woran es lag. Schade. Ich freu mich trotzdem schon auf den nächsten Krausser...