"Peter Scholl-Latour, der Altmeister des Journalismus, hat wieder zugeschlagen. Diesmal nimmt er in einem wahren Parforceritt zur Situation in und um Rußland Stellung. Der Bogen wird von der Lage Weißrußlands zwischen Rußland einerseits und der EU-Außengrenze andererseits, dem Verhältnis im Kaukasus, den neuen Staaten im ehemaligen asiatischen Teil der UdSSR, China, dem Fernen Osten bis, als Rückkehr, zur Ukraine geschlagen. P. S.-L. gelingt es auf ca. 400 Seiten die heutigen Konflikte durch Rückgriffe auf die Geschichte, aber auch auf eigene, frühere Begebenheiten und Begegnungen in der für ihn typischen Klarheit darzustellen. Daß er kein Freund politischer Korrektheit ist, kann in diesem Kontext nur wohltuend vermerkt werden. Auch sein überzeugter Antiamerikanismus, das Buch wurde noch zur Bush-Zeit geschrieben, dürfte durch die neuen Washingtoner Verhältnisse keinen Abbruch erleiden. Insbesondere widmet er sich der Entwicklung in den islamorientierten Staaten bzw. Regionen. Hier teilt er nicht die durchgängige westliche Ansicht des Demokratietransfers. Für ihn sind die Schwierigkeiten eine Gemengelage aus teilsäkularisierten Bevölkerungen, wachsenden Einflüssen religiöser Fanatiker, stammesgeschichtlichen Differenzen und indifferenten Wegen der örtlichen Potentaten. Hier gibt es nicht den einfachen Weg des westlichen Rechtsverständnis sondern nur eine Wandlung unter Berücksichtigung örtlicher Kultur- und Geschichtsbegebenheiten. Wer sich einen Überblick der jetzigen Situation in diesen Gebieten am Rande Rußlands verschaffen will und Wert auf Hintergrundwissen legt, ist mit diesem Buch gut beraten. Es hilft so manchen Bericht in den Medien besser zu verstehen."