Am 12. April 2006 führen illegale PSI-Experimente zu einer furchtbaren Katastrophe. Rund um den stillgelegten Kernreaktor von Tschernobyl wird ein dreißig Quadratkilometer großes Gebiet zur Sperrzone erklärt. Vier Jahre später spitzt sich die Lage dramatisch zu. Die Absperrung lässt sich nicht länger aufrechterhalten. Unzählige Glücksritter, so genannte Stalker, durchkämmen das verseuchte Gebiet nach Artefakten, die weltweit Abnehmer finden. Für ihre Geldgier zahlen viele Stalker einen hohen Preis, denn sie werden auf Schritt und Tritt mit unerklärlichen Phänomenen und gefräßigen Mutationen konfrontiert. Die Verantwortlichen der Katastrophe versuchen um jeden Preis zu retten, was zu retten ist. Zu diesem Zweck bedienen sie sich der Monolith-Stalker, einer religiösen Sekte, die jeden ihrer verbrecherischen Befehle rücksichtslos ausführt. Nur zwei Männer stellen sich ihnen in den Weg. David Rothe und Major Alexander Marinin, die erneut in die Zone vorstoßen, um die Welt vor einem Inferno ungeahnten Ausmaßes zu bewahren. Der offizielle Roman zum PC-Game-Bestseller von GSC Game World und THQ!
Wirklich lachen musste ich über diese eine, diese einzige stilistische Posse, die sich vom ganzen restlichen Text in geradezu zynischer Weise kontrastreich abhebt. Wer das Buch liest, kann sie nicht verfehlen. Allein schon ihretwegen ist das Buch lesenswert. 😂
Die Story ist an sich nicht schlecht. Sie ist sehr abenteuerlich. Sie entspricht auch dem Zeitgeist einer Generation von PC-Kindern, die mit Ego-Shootern aufgewachsen ist. Es handelt sich denn auch um einen «Roman zum Game». Da ich hier keine Game-Rezension verfasse, werde ich mich zum Game über die Feststellung hinaus, dass ich «S. T. A. L. K. E. R.» unmittelbar nach Erscheinen zum entsprechend sündhaft hohen Preis in einer Blechbox (Sammleredition) kaufte (allerdings via Ebay in Singapur, womit die Kosten für die Sammleredition inklusive Versand in etwa gleich hoch ausfielen wie für eine Standardedition aus einem schweizer Elektronik- oder Gameshop), nicht weiter gehend äussern. Das Game scheint sich an den russischen Film «Stalker» anzulehnen. Diesen Film hatte ich in der Kindheit einmal im Nachmittagsprogramm ganz fasziniert gesehen und seither nie mehr vergessen. Auch wenn nicht das Game zu diesem Film vorlag, so lag doch ein Game vor, das die sehr spezielle Atmosphäre des Films zumindest für mich aufleben zu lassen vermochte. Den Beilagen zu diesem Game war nun zu entnehmen, dass auch ein Roman dazu erhältlich ist. Klar musste ich den (gelesen) haben. Klar gehörte er neben die Sammlerblechbox ins Bücherregal. Allerdings hätte ich ihn kaum jemals gelesen, wenn ich nicht vom Plot des Spiels begeistert gewesen wäre. Ich zog ihn mir rein, als er endlich erhältlich war.
Am Ende ein ehrliches Urteil: ein Groschenroman aus dem Genre der Science-Fantasy. Leichte literarische Kost. Unterhaltung. Gut, um die Zeit zum Beispiel auf einer längeren Busfahrt tot zu schlagen. Aber an sich nichts für literarisch Anspruchsvolle. Das Rating fällt mir deshalb schwer. Für was er ist, ein Roman zu einem Ego-Shooter mit immerhin einem intelligenten zeitgenössischen Plot, der vor der Gefahr der Kernenergie deutlicher nicht warnen könnte, ist der Roman gut gemacht. Er packt, fesselt, spricht aber auch gezielt ein spezielles Publikum an: wer auf Action und Abenteuer steht und philosophisch nicht allzu tief in Details eintauchen möchte, vielleicht auch etwas einfacheren Stil bevorzugt, ist mit diesem Roman sicher gut bedient. Nach welchem Massstab soll ich ihn nun werten? Neben Stanislaw Lems «Solaris» kommt «Inferno» höchstens auf einen Stern. Gleichzeitig hat er Unterhaltungswert, bringt lebendige Charaktere, brachte mich zum Lachen... Was soll ich sagen? Ein zweites Mal werde ich ihn sicher nicht lesen, aber dass ich ihn gelesen habe, bereue ich nun auch wieder nicht. Ich verzichte, ihn zu werten.