Ein Hund aus Lutetia
Einen Namen hat er hier noch nicht, aber seitdem Asterix und Obelix aus einer Metzgerei in der Metropole gekommen sind, läuft er den beiden von Stadt zu Stadt nach, unermüdlich, als habe er seinen Platz im Asterix-Universum gefunden. Obelix wird ihn erst auf der letzten Seite des Albums bemerken und ihn sofort in sein Herz schließen, wobei wir eigentlich auch schon bei meinem Lieblingspanel in diesem Abenteuer sind.
Doch bevor hier der letzte Satz geschrieben wird, sollten wir vielleicht doch einmal andeuten, was den Leser in Tour de France erwarten wird: Als der jüngste Angriff der Römer auf das gallische Dorf, befohlen von dem neuen Generalinspekteur Lucius Nichtsalsverdrus, wieder einmal in einer Niederlage für das Imperium endet, beschließt der gedemütigte Beamte, die unbesiegbaren Gallier durch eine Palisade von der Außenwelt zu isolieren. Das jedoch wollen sich die Gallier nicht gefallen lassen, denn, so Asterix, es sei ihr Land, und da gingen sie eben dorthin, wohin es ihnen gefalle. Er bietet Nichtsalsverdrus eine Wette an: Zusammen mit Obelix wird er durch Gallien reisen und in verschiedenen Städten verschiedene lokale Spezialitäten kaufen, um diese bei einem Festmahl aufzutischen, zu dem Nichtsalsverdrus gern eingeladen sei. Der hochfahrende Generalinspekteur nimmt diese Herausforderung an und wird im Anschluß viel zu tun haben, um die Fahrt der beiden Helden zu sabotieren. Denn schon wenig später befinden sich Asterix und Obelix on the road, um die Zutaten für das Bankett einzusammeln, wobei sie viele freundliche Gallier treffen, aber auch einige Spitzbuben wie den unvergleichlichen Heuchlerix, die für klingende Münze doch lieber mit den Besatzungsmächten kollaborieren.
Auch wenn dieses Abenteuer ganz sicher eines derjenigen ist, deren volle Komik sich eher den absolut Frankophilen erschließen dürfte, gibt es doch auch für Unwissende wie mich eine Menge zu lachen, etwa wenn Obelix sich die aus Angst vor dem Verprügeltwerden eingeschlafenen Angriffe der Römer so erklärt: “Sag mal, Asterix, die Römer greifen uns gar nicht mehr an. Ob wir sie beleidigt haben?“ Und er dann vorschlägt, man könne ihnen ja mal schreiben. Oder wenn die beiden auf einen betrügerischen Gebrauchtwagenhändler hereinfallen. Oder wenn sie mit dem Stau auf den Einfahrtsstraßen nach Nicae (Nizza) zu kämpfen haben und merken, daß die Urlauber dort alle gar nicht so entspannt sind, sondern sich gegenseitig tierisch auf die Nerven gehen. Oder wenn sie mitten in einem römischen Feldlager aufwachen und dann von einem bedauernswerten Schmied in Ketten gelegt werden sollen. Oder wenn Obelix hier zum ersten, aber nicht zum letzten Mal, sehr ungehalten darauf reagiert, von einem anderen, hier einem Römer, als dick bezeichnet zu werden.
Kurzum, auch ohne alle Anspielungen wirklich zu verstehen, wird man in dieser Tour de France auf seine Kosten kommen, und natürlich wird Lucius Nichtsalsverdrus beim Festmahl am Ende von Asterix als Spezialität des galllischen Dorfes eine ganz besondere Frucht serviert.