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Prinzip Menschlichkeit

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Ob das Wesen des Menschen von Natur auf Konflikt und Kampf oder aber auf mitmenschliche Kooperation angelegt ist, ist bis heute umstritten. Als Realist jedenfalls gilt gemeinhin derjenige, der die Auffassung vertritt, dass Kooperation eine Verhaltensweise ist, die lediglich auf der den Menschen als Verstandeswesen auszeichnenden Einsicht beruht, dass man den ansonsten natürlichen Zustand des Kampfes aller gegen aller zum Wohle eines jeden Einzelnen und damit zugleich der Gemeinschaft überwinden und die in jedem Fall aber notwendige Konkurrenz zumindest regeln müsse. Das hört sich zwar einigermaßen vernünftig an, neuere Ergebnisse der neurobiologischen Forschung, über die Joachim Bauer in seinem Buch Prinzip Menschlichkeit berichtet, geben aber Grund zu der Annahme, dass die dieser Auffassung zugrunde liegenden Prämissen einer erneuten Prüfung unterzogen werden müssen. Gemäß der heute (noch) vorherrschenden Meinung gilt Konkurrenz als "der biologische Antrieb des Lebens - auch des menschlichen": Da sich diese Auffassung "nahtlos zum 'Kampf ums Überleben' fügte, den Charles Darwin zur Grundregel der Natur erklärt hatte, schien für viele die Frage nach der Natur des Menschen geklärt", bringt Joachim Bauer zutreffend die Ursache für den von der Soziobiologie verordneten Diskussionsstillstand auf den Punkt. Unter Neurobiologen beginnt sich nun aber, wie der Autor ausführlich darlegt, die Erkenntnis durchzusetzen, dass das ursprüngliche Leitmotiv menschlichen Handelns eben nicht Konkurrenz ist, sondern ganz im Gegenteil Kooperation - in der Terminologie Joachim das Prinzip Menschlichkeit : "Kern aller menschlichen Motivation ist es, zwischenmenschliche Anerkennung, Wertschätzung, Zuwendung oder Zuneigung zu finden und zu geben." Das Konkurrenzmotiv wäre demnach eben nicht Ausdruck der primären Natur des Menschen, sondern im Gegenteil das Ergebnis einer Störung derselben! Eine sehr aufschlussreiche Lektüre, die Anlass gibt, viele längst für erledigt geglaubte Fragen neu zu diskutieren. In den Natur- wie den Sozialwissenschaften gleichermaßen. -- Andreas Vierecke

Hardcover

First published January 1, 2008

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Joachim Bauer

75 books12 followers

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Displaying 1 - 3 of 3 reviews
Profile Image for Peter Marendeak.
393 reviews2 followers
September 21, 2013
Really mixed up book. The first part is really great, but something went wrong for the second part. I think it's always a huge problem if a scientist losts its objectivity, and takes something personally. He lost his credibility. The third part is better again, but doen't set back the books credibility.
Profile Image for Ced Ric.
15 reviews
December 12, 2025
Dieses Buch legt zahlreiche problematische Thesen des Darwinismus offen und zeigt deren Auswirkungen auf das nationalsozialistische Deutschland sowie auf die Entstehung des Neoliberalismus. Auch wenn es stellenweise recht biologisch gehalten ist – was mich an meinen Abiturunterricht in Biologie erinnerte (keine allzu gute Zeit) – veranschaulicht es sehr gut, was bereits Hegel betonte: dass wahre Freiheit erst im Sittlichen entsteht. Individuen fühlen sich nur dann wirklich frei, wenn sie sich in gegenseitiger Abhängigkeit und Anerkennung bewegen, weil sie Teil eines vernünftigen Ganzen sind, das ihre Freiheit zugleich ermöglicht und begrenzt.
Profile Image for Tobsi.
38 reviews
July 23, 2020
Gutes Buch. Nichtsdestoweniger out dated. Die Obsession des Autors über die Sozialbiologie, beziehungsweise der engstirnigen Ansicht über den Darwinismus und wie sich das fortgeführt hat, ist trocken anzusehen und kaum zu lesen. Auch der kurze Abschnitt über die 》Killerspiele《 wirkt wirr. Aber das Buch ist bald fünfzehn Jahre alt, da dürfen manche Ansichten fehlgeleitet sein.
Trotzdem wird die Grundtgese, dass der Mensch ein soziales Wesen ist, gut unterstützt und bewiesen.
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