Schmidt journeys behind the closed doors of the Oval Office, the Kremlin etc. to discuss the meetings and maneuverings of the world's most powerful leaders
Helmut Schmidts Buch Menschen und Mächte (1987) ist mehr als eine politische Autobiographie – es ist eine brillante und nüchterne Bilanz der Realpolitik. Es ist das politische Testament eines Pragmatikers, der die Welt als ein komplexes Gefüge von Interessen, Staaten und eben "Mächten" beschreibt, die ein Staatsmann kühl analysieren und managen muss. In scharfem Kontrast zu dieser pragmatischen Weltsicht steht die hochemotionale Haltung der 1950er Jahre, die in dem folgenden Zitat gipfelt. Die wütende Anklage an Adenauer: "Und wenn Sie von Atomwaffen für Ihre Bundeswehr sprechen, dann meinen Sie militärische Macht, legen Sie endlich Ihren großen Wahn, Ihren deutschen Nationalgrößenwahn ab!" ...ist der Kern einer fundamentalen moralischen Ablehnung von Macht. Dieses Zitat aus der hitzigen Atomdebatte der 1950er Jahre erkennt in der Wiederaneignung militärischer Mittel keinen Schritt zu Souveränität oder Bündnisfähigkeit – wie Adenauer es sah –, sondern einen Rückfall in die pathologische Hybris der NS-Zeit: den „großen Wahn“. Hier prallen zwei politische Philosophien aufeinander: Das Zitat repräsentiert eine Politik der moralischen Läuterung. Es sieht Macht als das Trauma und die Erbsünde der deutschen Geschichte, die es fundamental abzulehnen gilt. Schmidts Buch repräsentiert eine Politik der pragmatischen Verantwortung. Für Schmidt ist der Umgang mit Macht – das Balancieren der "Menschen und Mächte" – keine fixe Idee, sondern die unumgängliche Realität und die Kernaufgabe eines Kanzlers im Kalten Krieg. Das Zitat aus der hitzigen Atomdebatte der 1950er Jahre beschreibt exakt jene tief sitzende, traumatisierte Macht-Angst, die Schmidts Generation der Realpolitiker überwinden musste. Während das Zitat „Macht“ als „Wahn“ verurteilt, ist „Menschen und Mächte“ die präzise Anleitung, wie man sie – ohne Wahn, aber mit Verantwortung – zu gebrauchen lernt.