Der schlesische Dichter Horst Lange (1904-1971) gilt heute als einer der wichtigsten Vertreter der "inneren Emigration". Sein Hauptwerk "Die schwarze Weide" schildert das Verhängnis zweier Ortschaften und ihrer Bewohner in dichter Verknüpfung mit der sumpfigen Landschaft der Region um Liegnitz. Im Stil eines magischen Realismus entsteht das Bild einer apokalyptischen Zeit, die friedlose Unersättlichkeit des Menschen spiegelt sich in einer harmonischen, dem Leben und Sterben gegenüber aber gleichgültigen Natur.
Mit fast nicht auszuhaltender Strenge besteht Lange auf den Vorrang der Stimmung, die er jedem und alles anzuzaubern versteht, ohne dabei einfach nur Adjektive zu häufen, vor der Handlung. Denn die Beschreibungen sind gleichzeitig Hintergrundfarbe, Spiegel der Seele und Teil der Handlung sowie Welterklärung, woraus sich eine verwirrende, lyrische Dichte des Textes ergibt. Die Handlungsstränge gleichen dabei eher musikalischen Motiven, die durch die Charaktere, verschiedene Zeitebenen und Konstellationen immer nur variiert werden und dennoch verblüffende Wendungen und Bedeutungen erhalten. Thema des Buches ist die Schuld, oder allgemeiner gesagt, die Folgen menschlichen Handelns und die Möglichkeiten, diese zu verantworten.
Der Band war sicher nicht einfach zu lesen, dennoch würde ich ihn jedem empfehlen, der sich auf sehr eindringliche Innerlichkeit im "Magischen Realismus" einlassen kann.
Meisterwerk der Inneren Emigration, eine Art Krimi und Sittenspiegel der Jahre nach dem Weltkrieg in Niederschlesien, starke Charaktere und umfangreiche Landschaftsbeschreibungen. Cum grano salis das niederschlesische Nachkriegspendant zu den Brüdern Karamasoff.