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Bevor alles verschwindet

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Wie in einer Hängematte liegt der kleine Ort im Tal, hier haben es sich Jula, Jules und die anderen über die Jahre bequem gemacht. Seit sie zur Taufe durch den spärlichen Flussarm gezogen wurden, fühlen sie sich gewappnet für so ziemlich alles: An Gott glaubt hier keiner, man glaubt an blaue Füchse und an kopflose Löwen. Eines Tages werden in den umliegenden Wäldern »die Verantwortlichen« gesichtet, mit Bauplänen für ein Erholungsgebiet. Eine Umsiedlung des Ortes steht bevor. Mit allem, was sie haben, lehnen die Bewohner sich auf gegen das Urteil. Aber Widerstand fordert Zusammenhalt, und ein jeder muss zuerst die eigenen Gespenster zähmen oder sie jetzt, im Kampf gegen das Verschwinden, endlich und für alle Zeit freilassen. »Bevor alles verschwindet« ist ein Roman wie ein Funkenschlag, wunderbar skurril und von leuchtender Kraft. Eine Geschichte von dunklen Geheimnissen und letzten Hoffnungen, mal unfassbar komisch, dann wieder abgrundtief traurig, immer befreiend - vom ersten Satz bis zum letzten.

412 pages, Hardcover

First published February 17, 2013

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About the author

Annika Scheffel

13 books1 follower
Annika Scheffel, 1983 in Hannover geboren, ist Prosa- und Drehbuchautorin. Für ihre Arbeiten wurde sie mehrfach ausgezeichnet, unter anderem mit dem Phantastik-Preis der Stadt Wetzlar 2013 und dem Robert Gernhardt Preis 2015. Sie lebt mit ihrer Familie in Berlin.

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Displaying 1 of 1 review
Profile Image for Melanie Fritz.
175 reviews23 followers
August 7, 2017
Bevor alles verschwindet ist ein frustrierender Roman. Man könnte jetzt ein bisschen überspitzt sagen, dass er sich hübsch einreiht in die modernen Hach-was-sind-Dorfbewohner-doch-schrullig-Romane, das Ganze (statt wie bei Stanisic mit Mythos) mit Geistern anreichert, die besagte Dorfbewohner umschleichen, bis es schließlich in den buchstäblichen Untergang geht. Dabei ist die Prämisse, ein paar Sturköpfe gegen den Abriss ihres Dorfes (mit anschließender, symbolträchtiger Flutung) rebellieren zu lassen durchaus interessant. Auch strukturell hat die Idee mir gefallen: Wir beginnen 10 Jahre nach der Flutung um dann bis 6 Monate vor die Flutung zurückzuspringen. Dann beginnt eine Art Countdown. Jedes Kapitel ist mit einem Namen und einer Zeitangabe überschrieben, z.B. Wacho. Ein halbes Jahr. David. Vier Monate usw. Aber hier schon beginnt das Ärgernis, da die Kapitelnamen nicht sehr wichtig sind. Es wird keineswegs eine Beschränkung der Perspektive vorgenommen. Vielmehr springen wir permanent von Charakter zu Charakter und die einzelnen Passagen hatten für mich auch in ihren Gedankengängen zu wenig Individualität, als das ich sie klar Charakteren zuordnen könnte. Da wäre z.B. Greta, die alte Frau, die ihrem Mann nachtrauert und dann plötzlich in einem Unbekannten ihren Mann zu erkennen glaubt.

Jetzt fängt sie an, wieder an alles zu glauben. Vielleicht wird die Angst vor dem Ende so groß, dass sie bereit ist, ganz zurück auf Anfang zu gehen und alles, was war, nur auf das Beste zu durchforschen, im Kopf nur noch Platz für das Gute, auf den Rest wird verzichtet, auch wenn da vieles verwoben ist und genaugenommen untrennbar.

Da ist Wacho, der Bürgermeister, der ewig darauf wartet, dass seine Frau wiederkommt, die ihn vor Jahren verlassen hat und der seinen Sohn misshandelt. Dieser Sohn, David, macht zu Beginn des Romans eine seltsame Begegnung:

Da steht er, und David macht einen Schritt vor und einen zurück und schaut auf die fremde Hand, die seine Hand nimmt und auf den Daumen, der über das müde Nagelbett streicht. David könnte brüllen vor Erleichterung. Da ist er also, endlich, blass und fast durchscheinend und das krasse Gegenteil von ihm selbst, der mit all seiner Kraft und Gegenwärtigkeit nicht weiß wohin [...] “Wer bist du?”, fragt er ihn, und dann sagt er es selbst: “Milo, du bist Milo.”

Ist Milo real? Manche Charaktere sehen ihn, andere nicht, er sitzt immer zu nur auf einer bestimmten Treppe...Ich konnte das Gefühl der Beliebigkeit beim Lesen nicht abschütteln. Alle Erscheinungen sind abwechselnd real und dingfest, dann kann man durch sie hindurchgehen. Ein ewiges Hin-und-her, das in “Vielleicht”-Sätzen kumuliert und so lange Wiederholungen anhäuft, bis man resigniert feststellt, dass das einzig Handfeste in dieser Geschichte die Flutung ist. Auf die wartet man dann auch irgendwann sehnlichst, weil viele der “schrulligen” Charaktere immer wieder das gleiche Verhalten zeigen und stur weiter Seiten füllen. Übrig bleiben Charaktere, deren Handeln nicht nachvollziehbar ist und eine Geschichte, die vielleicht besser als Kurzgeschichte funktioniert hätte. Da wäre der abwägende Ton der vielen “Vielleichts” auch besser angekommen.
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