Alles begann im Januar 1891 mit einer Sex-Party im Berliner Jagdschloss Grunewald. Teilgenommen hatten rund 15 adlige Damen und Herren der Hofgesellschaft – einige davon pikanterweise enge Verwandte Wilhelms II. Als ihr sexuelles Treiben in anonymen und mit pornographischen Fotos versehenen Briefen angeprangert wurde und der Inhalt der Briefe an die Öffentlichkeit durchsickerte, zog der Skandal rasch immer weitere Kreise. Als Verfasser der Briefe verdächtigt wurde Zeremonienmeister Leberecht von Kotze. In seiner Ehre verletzt, verdächtigte er seinerseits adlige Standesgenossen, ihn verdächtigt zu haben. Es kam zu mehreren Duellen – in die Auseinandersetzungen um die Frage der Ehre mischte sich schließlich Wilhelm II. höchstpersönlich ein. Wolfgang Wippermann zeichnet die Geschichte dieses Skandals nach, der sich vom Hof- und Sittenskandal bald zu einem handfesten politischen Skandal auswuchs. Und er zeigt, inwiefern es dabei letztlich um Grundfragen der Mentalitätsgeschichte des deutschen Kaiserreichs um Männlichkeit und Ehre.
Ich war für den krassen Gangbang da der in die Geschichte einging. Leider wurde der kaum erläutert, sondern eher genaustens die Ehre von Männern analysiert.
Der Informationsgehalt zur Kotze-Affäre geht nicht über das hinaus, was man auch bei Wikipedia nachlesen kann. Die Rekonstruktion der Konzepte Männlichkeit und Ehre ist bestenfalls rudimentär und wäre bei jemandem aus der Geschlechterforschung besser aufgehoben gewesen. So bleibt der historische Aspekt oberflächlich und der Gender-Aspekt zu großen Teilen tatsächlich eher unwissenschaftlich und ohne Bezugnahme auf relevante Theorien und Konzepte.