4,5 Sterne
Dieses Buch kann ich nur subjektiv bewerten, weil es mein Herz gestohlen hat, es mich Tränen hat lachen lassen und ich mit dem kleinen Arschloch und Inge Koschmidder, nackt über Blumenwiesen fliegen möchte, wie ein Kind, albern durch die Welt tollen.
Voltaire wirkt so befreiend.
Welches Machwerk ist in der Lage, mich in derartige Zustände zu versetzen?
Ein unerhörtes, plumpes, dreistes Buch mit Protagonisten deren Schönheit alles übertrifft, das wir jemals gesehen haben. Eine Satire, in die lauter Miniabenteuer gepackt sind, eine schicksalhafte Geschichte, deren Motiv am Ende subversiv in ein Happy End umgekehrt wird, um parodistisch die Absurdität zu unterstreichen. Völlig übertrieben, rasant erzählt.
Einhörner!!
Ein Phönix der sprechen kann und halb zu Tode geküsst wird.
Ahhh--- Liebe!!!!
So und jetzt Rationalität an!
Dies war meine erste Begegnung mit Voltaire. Ja, ich habe einen Narren an ihm gefressen.
Sprachlich ist das Buch ein Feuerwerk. Übertriebene Gesten, Formulierungen, Handlungen. Ich habe aktuell eine Vorliebe für diese ausladende, üppige, verspielte Sprache.
Mit dieser Sprachbutterceme ummantelt er gekonnt, die plumpen Anspielungen und Verweise, die sich keiner Interpretation entziehen. Ein bisschen was verändern, was erfinden, aber jeder weiß, was er oder wen er meint. Es ist völlig egal. Stumpf ist Trumpf. Er gießt nämlich noch einen Liter köstlichste Satiresauce darüber und erlaubt sich die Dreistigkeit, da noch Chiliflocken, in Form von Behauptungen in den Raum zu stellen, die nach Empörung schreien.
Das Buch trifft auf voller Linie meinen Humor.
Natürlich haben wir hier kein Märchen, geiler Typ erobert noch schärfere Prinzessin.
Voltaire frickelt in dieses kurze Buch mal eben sämtliche Themen rein, zu denen er Gesellschaft abwatschen möchte. Allem voran Religionskritik. Die Orakelszene dazu, göttlich!
Des weiteren: Vegetarismus vs. Fleischesser, das Verhältnis Mensch zur Natur und seine Entfremdung, Klassismus, Wisschenschaft, Kriegswahnsinn/Macht, kulturelle/nationale Unterschiede (Stereotype), Zivilisation vs. Barbaren, Degenerierte Literatur, Medienkritik, die Verdrängung von Leuten die es drauf haben durch selbsternannte Experten (verdammt zeitgeistig), die Folgen von vermeintlicher Wahrheit, der Begrenzung von dem was wir wissen können, wie es zu Urteilsbildung kommt und die Liebe.
Bei der Liebe muss man jetzt ganz klar sagen, dass wir hier eine höfische Liebe vorfinden, ohne Selbstreferenz. Da zählt nur schön, stark und dem Stande angemessen. Dass Amazan auch noch klug ist und einen moralischen Kompass hat, der nur kurzfristig wegnickt 😆, ist Voltaire’s Amarena Kirsche oben drauf. Man sieht sich und zack, klingeln die Hochzeitsglocken. Na, oder auch nicht, im Falle Fermosante’s und Amazan’s, da die beiden noch die Welt durchreisen, aneinander vorbei reisen und sich gegenseitig etwas verzeihen müssen, bevor das klappt.
Ganz rational betrachtet würde das Buch 3 Sterne von mir bekommen.
Bei der Themenfülle ist das Buch zu kurz. Er rast mit einem durch die Szenen und Episödchen, wie ein Wahnsinniger. Natürlich kann das gesetzte Thema, nur ganz kurz, aber pointiert durch den Kakao gezogen werden. Es wird viel bereist. Das birgt dann bei etwas mehr als der Hälfte eine gewisse Redundanz.
Das Ende handelt er ganz fix und ohne schnick und schnack ab. Da bekommt man den Eindruck, dass ihm das jetzt egal ist. Seine Themen ist er ja los geworden...hrhrhrhr….
Aber ganz irrational, aus Freude an dieser Literatur, die mich in der nächsten düsteren Stimmung erneut erheitern darf, wird fett aufgewertet.