Keyserlings Buch über den kleinen baltischen Ort Dumala, der namensgebend für sein Buch ist, unterscheidet sich maßgeblich von seinen übrigen Bücher wie zum Bsp. "Wellen". Dumala spielt in der kargen Winterzeit und ist dunkler, trostloser, zweifelsbehafteter, in sich gekehrter, fast schon einsamer. Die anderen Bücher spielen meist im Frühling und Sommer und strahlen dadurch Lebendigkeit und Lebensfreude aus.
"Dumala" strahlt mit seiner Düsterness, oftmals befinden wir uns in den Abend- und sogar Nachstunden, alles andere als Lebendigkeit aus. "Gefangen sein" kommt mir in den Sinn und gefangen sind die Bewohner, gefangen in ihren tristen Leben, aus dem sie sehnsuchtsvoll zu entfliehen suchen. Der Pastor, der heimlich in die Baronin Karola verliebt ist, der Diener, der die Baronin ebenfalls liebt, die Baronin, die dies zwar geniest, ihrerseits aber in den Baron von Rast verliebt ist. Dieser wiederum möchte stets das lebendige Leben spüren. Dann ist da noch der Baron, Karolas Ehemann, der durch Krankheit dahinsiecht und nicht zuletzt Lene, des Pastors Frau, die ihren Mann als Ehemann vermisst. Keyserling fängt das Innere dieser Menschen in diesem knapp 200 Seiten Büchlein sprachlich so treffend ein, dass man den Personen als Leser sehr nahe kommt. Dies schafft er vor allem durch die Häufung von wörtlicher Rede. Die Geschichte beschreibt nicht, sie spricht. Sie spricht zu uns Lesern. Die Sprache, die er den Charakteren jeweils zur Verfügung stellt, ist immer passend und immer authentisch - mal sehr einfach, mal sehr derb, mal poetisch, mal melancholisch - aber immer treffend sowohl für den Charakter als auch für die jeweilige Situation, in der sich die Personen gerade befinden.
"Dumala" ist ein Buch, welches auf den wenigen Seiten immens viel von den Menschen preisgibt, vor allem die innere Zerrissenheit, des Protagonisten Erwin Werner, dem Pastor des Örtchens Dumala, die es bis zu einem Mordanschlag kommen lässt, ist hier zu nennen.
Eine Besonderheit dieses Buches möchte ich abschließend noch erwähnen. Keyserling war während des Verfassens dieses Buches schon sehr krank und fast blind, sodass er das gesamte Buch seiner Schwester diktieren musste.