Hemul ist ein Veteran der sogenannten S.T.A.L.K.E.R., freier und radikaler Abenteurer, welche auf eigene Faust die Sperrzone um den 1984 verunglückten Reaktor des Atomkraftwerks von Tschernobyl erforschen. Er verdient, wie viele andere seiner Kameraden auch, sein Tagegeld mit der Bergung sogenannter Artefakte, welche Wissenschaft und Militär innerhalb und außerhalb der Zone zur Verbesserung von Menschen und Waffen dienen. 2016 verspricht ein besonderes Jahr zu werden, denn eigentlich hat Hemul die Zone langsam satt, bis eine Gruppe amerikanischer Abendteuertouristen eine private Führung durch die Zone fordert, um gemeinsam mit dem Veteranen Jagd auf unterschiedlichste Biester und Mutationen zu machen. Hemul erhofft sich davon das letzte Geld, welches ihm den Absprung aus der Zone und einem lebensgefährlichen Arbeitsalltag ermöglicht und stimmt widerwillig zu, ohne zu wissen, welch absurdes Ausmaß die sight seeing tour haben wird. Neue Anomalien, neue Monster, altbekannte Gesichter tauchen auf. Leser*innen folgen einem sympathischen, wenn auch etwas wankelmütigen Charakter durch ein wahnwitziges Abenteuer in der gefährlichsten Gegend der Welt, bis hinein in einen Bunker, in welchem sich nicht nur Hemuls eigenes Schicksal sondern jenes der kompletten Zone gravierend verändern wird.
Orechovs erster Beitrag in deutscher Veröffentlichung ist auch gleichsam sein stärkster zur bisherigen S.T.A.L.K.E.R.-Buchreihe. In Russland meist als einer der schwächsten Autoren verschmäht, ist für mich die Entscheidung gerade Orechovs Beiträge nach Deutschland zu holen, eine der besten gewesen. In deutscher Übersetzung strotzt das Buch vor guten Charakterbildern, einer aufregenden, sich fast von selbst tragenden Geschichte und einem klugen, längst nicht zu übertriebenen Weiterdenken der Universums der Videospiele. Nicht zuletzt verdankt man dies auch der guten Übersetzung. Ich gebe zu, es ist kein rundes, ja in sich geschlossenes Buch, welches Fans der Eröffnungstrilogie befriedigen könnte, denn dafür fehlt ein größerer Handlungsstrang, der sich über mehrere Bücher hinweg fortsetzt und ein Gefühl von ganz eigener, in diesem Kosmos aus Horror und Military-SciFi funktionierender Physik darbietet. Dennoch eine würdige Fortsetzung, die das Gleichgewicht zwischen Action, Horror, Strategie und übertrieben-russischem Pathos hält. Leseempfehlung für Fans der Bücher und Videospiele, für alle anderen bietet sich wohl eher ein Start mit der Trilogie von Bernd Frenz an.