"Er, der beste, treueste und opferwilligste aller meiner Freude, war ein echter Vertretet der Rasse, der er entstammte, und ganz so, wie sie untergeht, ist auch er untergegangen, ausgelöscht aus dem Leben durch die mörderische Kugel eines Feindes. Ich habe ihn geliebt wie keinen zweiten Menschen und liebe noch heute das sterbende Volk, dessen edelster Sohn er war. Mein Leben hätte ich hingegeben, um ihm das seine zu erhalten, so wie er hundertmal für mich das gleiche wagte. Das war mir nicht vergönnt. Er ist dahingegangen, indem er, wie immer, ein Retter seiner Freunde war. Aber er soll nur körperlich gestorben sein und hier in diesen Blättern fortleben, wie er in meiner Seele lebt, er, W i n n e t o u , d e r g r o ß e H ä u p t l i n g d e r A p a t s c h e n."
Es grenzt schon an ein Wunder, das ich bis heute diesen großartigen Roman nicht gelesen hatte. Wer Winnetou gerademal aus der "Schuh des Manitu" kennt, der wird überrascht sein, wie weit diese Parodie vom Ursprungsmaterial entfernt ist.
Winnetou ist ein Abenteuerroman, eine Actiongeschichte. Alles dreht sich um den Kampf, um Kriegsführung, um Taktiken und Listen.
Offensichtlich war das literarische Ich des Erzählers von seinem Autor Karl May von Anfang an nicht zu trennen. Er, der sich den Namen Old Shatterhand verdient, und der von Winnetou später liebevoll Scharlih genannt wird, könnte man heute mit gutem Recht als 'Mary Sue' bezeichnen: Eine junge Figur, die im Zentrum der Geschichte steht und die alles besser kann als alle anderen. Der Umstand, dass dies hier gut funktioniert, liegt darin begründet, dass die Figuren um ihn herum allesamt großartig gezeichnet sind und man beim Lesen immer wissen möchte, wie es nun weiter geht.