Wer schon immer das Gefühl hatte, in der Politik geht es nicht ganz sauber zu, wer wissen will, welche*r Politiker*in noch ganz andere Ziele verfolgt, als si*er zu verfolgen vorgibt und heimlich das eigene Portemonnaie füllen möchte, der ist hier richtig.
Reinhard Bingener und Markus Wehner skizzieren in ihrer lesenswerten und spannenden Reportage, wie es dem russischen Diktator und gelernten Spion Vladimir Putin gelang, den deutschen Bundeskanzler Gerhard Schröder nicht nur als Türöffner für Gasgeschäfte in Europa anzuwerben, sondern auch die gesamte deutsche Regierungspolitik, inklusive die seiner Nachfolgerin von einer anderen Partei, auf die eigenen Interessen hin auszurichten. Eitelkeit, Geltungssucht, Geldgier – es gibt viele menschliche Schwächen, die sich zum eigenen Vorteil ausbeuten lassen. Der Topspion im Kreml kennt sie alle und wendet sie gegen, man kann sagen: die ganze Welt.
Viele Menschen haben sich gefragt: Wie konnte es passieren, dass wir während der Klimakatastrophe auf massive Gaslieferungen aus Russland angewiesen sind? Hier ist die Antwort. Neben Gerhard Schröder sind auch viele alte Freunde von ihm, etwa der heutige deutsche Präsident Steinmeier oder der ein oder andere Unternehmer mit Firmeninteressen in Russland, verstrickt in das Netz, dass Putin mittels Schmeicheleien, Ehrerbietungen (Honorarkonsul, Ehrendoktor usw.), der Vergabe von Adoptionen und anderer Annehmlichkeiten geknüpft hat.
Die deutsche Regierung baute unsere Energieversorgung in den letzten 20 Jahren zu einem großen Teil auf der Exklusivlieferung durch russisches Gas auf und fütterte damit die Kriegsmaschinerie, die heute die Ukraine und bereits vorher Syrien bombardiert hat. Ein Großteil der Flüchtlingsbewegungen der letzten Jahre, die heute wortreich beklagt werden, geht auf Putins Wirken zurück. Wenn wir begreifen, was Korruption anrichtet, vielleicht sind wir dann irgendwann in der Lage, Politiker*innen zu wählen, die das richtige zu tun – ohne auf kurzfristige Deals, die nur ihnen selbst persönlich etwas nutzen, hereinzufallen.
Usually I review German books in German, but as the topic is so important. The two authors, journalists of the Frankfurter Allgemeine Zeitung, analyze how Gerhard Schröder knit the business networks that lead to Germany's dependency on Russian gas. They single out the Social Democratic "Ostpolitik" of the 1970s and 80s as the ideological background, as the SPD continued to consider Mosciw's claim to dominance in Eastern Europe legitimate. The main focus is however on the networks between politics and business in Schröder's provincial base Hannover. In addition to well known figures they introduce the reader to persons who kept low profile. The book also deals with Putin's efforts to gain supporters in the Christian Democrats and their Bavarian sister party. In this case, however, the interest of regional leaders in promoting business relations met with stiff resistance from other members, hence Putin never succeeded in influencing the parties in a similar manner as the SPD. Nonetheless Merkel's policies remained inconclusive, in spite of her own negative attitude she never really confronted her coalition partner and the Putin friends in her own party. Her own family background is misrepresented, her father was not regarded with suspicion by the GDR regime. Instead he was a main figure in the pri- regime Weißenseer Kreis in the Protestant Church. The book also touches upon pto-Putin networks in Austria, France and at the EU level.
Mit "Die Moskau-Connection: Das Schröder-Netzwerk und Deutschlands Weg in die Abhängigkeit" liegt erstmals eine ausführliche Dokumentation der Ereignisse, die zu dem womöglich größten Verhängnis der deutschen Außenpolitik seit dem zweiten Weltkrieg führten, vor. Die Autoren zeigen der breiten Öffentlichkeit teils bis heute unbekannte Verbindungen in der SPD (später auch der CDU) nach Russland auf, und beschreiben wie sich diese trotz klaren Warnungen von allen Seiten weiter halten konnten. Einen Stern Abzug gibt es von mir aufgrund der fehlenden Ausführungen zu den anderen Parteien, allen voran der CDU, die wenn auch weniger stark als die SPD, eine maßgebliche Rolle bei der Durchsetzung von Nord Stream 2 spielten.
Trotz diesem kleinen Manko halte ich das Buch vor allem für Themeneinsteiger für sehr geeignet, um diese unrühmliche Episode deutscher Außenpolitik in ihrer ganzen Fülle zu verstehen.
Atemberaubend fesselnde Lektüre über ein SPD-Netzwerk, das Deutschland riesigen Schaden zugefügt hat. Für mich gibt es jetzt eine Vorher-/Nachher-Wahrnehmung der (zum Teil immer noch) handelnden verantwortlichen Akteure. Großartige investigative Leistung der Autoren.
„Ich wusste, dass es schlimm war, aber SO schlimm?“, die Hundertzweiundachtzigste. Die Moskau-Connection taucht so tief in die Verflechtungen von SPD, CDU und der deutschen Energieindustrie seit Fall des Eisernen Vorhangs ein, dass das Buch von nun an als Standard-Nachschlagewerk zum Thema dienen dürfte.
Wie immer bei solchen Büchern muss man sich fragen: Will ich das überhaupt alles wissen? Vor allem, wenn die Verstrickungen so dicht, die Faktenlage rückblickend so niederschmetternd, wir als individuelle Leser*innen aber so machtlos sind.
Meiner Meinung liegt die Relevanz solcher Bücher darin, zu zeigen, wie unsere Regierung uns WIRKLICH enttäuscht und im Stich lässt. Hier sehen wir die wahren Probleme von Korruption, Lobbyismus und Vetternwirtschaft, die weit tiefer greifen als Eintagsfliegen auf der Titelseite irgendwelcher Tageszeitungen. Und egal, welches Bild man vor dem Lesen von der Korruption der CDU und Schröder-SPD hatte – es kann nur übertroffen werden, und das weit.
Od wielkiej chwały do persony non grata. Piękna historia o tym, jak Niemcy przez dekady, na czele z Gerhardem Schroderem, były ślepe na budzący się autorytaryzm rosyjski. "Moskiewski Łącznik" w polskim tłumaczeniu.
Erklärungsversuche zum Aufstieg Putins, seinem Regierungssystem und seinem Netzwerk gibt es seit Beginn des russischen Angriffs auf die Ukraine in Form mehrerer Sachbücher. Die beiden FAZ-Journalisten Reinhard Bingener und Markus Wehner haben in ihrem Buch "Die Moskau Connection" den Blick auf Deutschland und die Jahre lange vor der russischen Aggression gerichtet - es geht um Alt-Bundeskanzler Gerhard Schröder, seine Männerfreundschaft zu Wladimir Putin, aber auch Schröders inner- und außerparteiliches Netzwerk im Zusammenhang mit deutsch-russischen Wirtschaftsbeziehungen.
Dass Schröders Wechsel in die russische Energiewirtschaft so kurz nach der verlorenen Kanzlerschaft mehr als nur einen Hauch von Geschmäckle hinterließ, ist das eine. Die beiden Autoren zeigen auf, wie sich die Freundschaft Schröders und Putins entwickelte und nicht nur Schröder, sondern auch die "Frogs" (Friends of Gerhard) munter profitierten, sei es mit politischen Pfunden, sei es mit lukrativer Beratertätigkeit.
Vermutlich geht der Aufstieg in der Politik ohne Netzwerke überhaupt nicht. Die Autoren zeigen die ideologischen Häutungen des einst stramm linken Juso Chef Schröder zum Freund der Bosse, aber auch seinen Aufstieg aus prekären Verhältnissen zu Macht und - nicht zuletzt dank seiner russischen Aufsichtsratsposten - erheblichem Reichtum. Zugleich geht es um die Stärke der SPD in Niedersachsen und insbesondere in der Landeshauptstadt Hannover. Die dortige "Maschsee-Connection" ist ja nicht nur im Zusammenhang mit Gerhard Schröder, sondern auch mit Alt-Bundespräsident Christian Wulf bekannt geworden. Wobei - auch der "Kölsche Klüngel", bayerische Bierkeller-Connections und ähnliche Netzwerke sind ja hinlänglich bekannt, insofern sind die Schröderschen Männerbünde sooo einzigartig denn doch nicht.
Für politisch interessierte Leser ist dieses Buch spannend, bringt es doch Ereignisse und Personen in Erinnerung, die zum Teil schon halb in Vergessenheit geraten sind angesichts der Entwicklungen der vergangenen 20 Jahre. Interessant auch die Theorie über die Rolle der Ostpolitik Willy Brandts für die Russlandpolitik der SPD. Angesichts der Missstimmungen mit den westlichen Partnern, die es in Ostmitteleuropa und dem Baltikum spätestens 2014 nach der Annektion der Krim und der Forderung nach einer Stärkung der Ostflanke der Nato gab, hat die Theorie, dass große - und entscheidende - Teile der SPD die Aussöhnung mit Russland über die mit anderen Staaten der Region stellten, durchaus etwas für sich.
Falsche Einschätzungen von Putins Machtpolitik und energiepolitische Fehlentscheidungen, die in eine Abhängigkeit von russischen Gaslieferungen führten, das halten die Autoren zwar insbesondere Schröder und seinen später ins Kabinett aufgerückten Weggefährten wie dem heutigen Bundespräsidenten Frank Walter Steinmeier und dem früheren Wirtschaftsminister Sigmar Gabriel vor. Doch auch CDU-Kanzlerin Angela Merkel war ihrer Analyse nach zu blauäugig über die Pläne Putins, auch wenn sie die kumpelhafte Annäherung ihres Amtsvorgängers vermied.
Nun ist man hinterher immer schlauer. Aber ich finde es schon erstaunlich, wie dem Buch zufolge die Berliner Regierungsverantwortlichen nicht daran geglaubt hätten, dass Putin in seinen Jahren als Ministerpräsident seinen Freund und Staatspräsidenten nicht vom Rücksitz aus steuerte und eine Rückkehr auf den eigentlichen Chefposten vorbereitete. In anderen europäischen Hauptstädten wie Warschau, Prag oder Vilnius herrschte in dieser Hinsicht schon damals kein Zweifel.
In "die Moskau Connection" geht es um das System Schröder ebenso wie um das System Putin. Man muss nicht mit jeder Schlussfolgerung übereinstimmen, um dieses politische Sachbuch ebenso spannend wie informativ zu finden.
Beyond telling a history of Russo-German relations, it also sheds light of the networks of personal connections behind politics and how politicians monetize their connections and knowledge after they leave office. It also paints a wholistic picture of how Russian influence operations in Germany.
As some one who only started following german politics after the end of Schroeders time in office, I was not aware how many of the people that lead the party in the past 15 years were essential parts of the Schroeder network (Gabriel, Steinmeier, Stephan Weil, Matthias Platzeck, Klingbeil) and were consistently pushing a russia policy that seems very naive in retrospect. One of the most important aspects of this book was how after the 2017 election, Nahles and Scholz very deliberately decided against giving the post of Foreign Secretary to the Schroeder acolyte Gabriel and gave it to Heiko Maas instead, who was not part of the Schroeder network. After taking office, german policy on russia from the ministry took a harsher tone, but of course most of the fundamental flaws were not corrected.
One point of criticism is that I think the book doesn't do a great job of steel-manning the people they argue against and I wish they had chooses a slightly less polemic tone.
In "Die Moskau-Connection" begeben sich die beiden FAZ-Journalisten Reinhard Bingener und Markus Wehner auf Spurensuche, wie sich Deutschland in eine solche energiepolitische Abhängigkeit zu Russland begeben konnte. Im Zentrum ihrer Recherche steht das SPD-Netzwerk um Gerhard Schröder, dem unter anderen Frank-Walter Steinmeier und Sigmar Gabriel angehören. Zusammen prägen sie eine russlandfreundliche Außenpolitik Deutschlands, die bis zum Schluss an Nordstream II festhält und geopolitisch naiv ist. Ein lesenswertes Buch gerade für Themeneinsteiger.
Nüchterne und gut informierte Analyse zum deutschen Regierungsversagen in der Energiepolitik und im Umgang mit Russland. Insbesondere die Naivität in weiten Teilen noch immer aktiver SPD-Größen fand ich erschreckend. Wird ohne detailliertes Vorwissen aber schnell unübersichtlich: teils werden einem Firmengeflechte um Gazprom, Gasconsult GmbH, GASA und DASA samt ihrer Schlüsselfiguren auf einer halben Seite um die Ohren gehauen. Porträtfotos gibt es dabei kaum, Organigramme oder Infografiken nie.
Veel onderzoek en achtergrondgesprekken leggen de linken tussen Schröder en zijn vrienden en hun linken met Moskou bloot. Pijnlijk voor de SPD in Duitsland
Eine sehr gute Aufarbeitung für so einen Politiklaien wie ich, der kaum Nachrichten liest. Guter Schreibstil. Viele spannende Tatsachen, die ich nicht kannte.