Warum ich trotzdem Turnschuhe trage. Warum ich trotzdem fotografiere. Warum ich nicht ins Theater gehe. Warum ich trotzdem rauche. Warum ich trotzdem nichts gegen Kinder habe.
Das sind einige der Titel, die in diesem Buche versammelt sind. Man sieht, der Mann ist ein Trotzkopf. Entrüstungen nennt er die kleinen Prosastücke, in denen er beschreibt, was ihm nicht passt. Mir hat das aus zwei Gründen sehr gefallen, erstens ist es eine kleine Zeitreise. Was hat den Mann in den 80er Jahren so erregt, dass er die Welt an seinem Unmut Teil haben lassen möchte? Nun, die Einführung von Bankautomaten, zum Beispiel. Seine Abneigung gegenüber Jeep-Fahrern kann man sofort verstehen, und würde sich vermutlich heute auf alle SUV-Fahrer ausweiten. Viele der Artikel könnten auch heute noch geschrieben werden, mit kleinen Anpassungen. Die Gründe, aus denen er vor vierzig Jahren Monarchist geworden ist, gelten heute noch genauso. Es ging um die Staatsverdrossenheit, und nur als Monarchist, konnte man Rote, Grüne und Schwarze gleichermaßen gegen sich aufbringen. Glänzend, die Aneinanderreihung von Phrasen, mit denen Literaturkritiken ihre Leser - damals wie heute - zur Verzweiflung bringen. Dieses Buch ist ein Glücksfall. (Wobei man hier mal bemerken muss, dass die schlimmste aller Vokabeln, nämlich die Betroffenheit heute tatsächlich nur noch von den Tumbesten verwendet wird. Es gibt also Fortschritt. Und sich zu entrüsten, ist vielleicht nicht sinnlos.)
Der zweite Grund, warum mir das gefällt, ist der, dass der Autor uns ein Lehrbeispiel für Gratwanderung gibt. Denn natürlich weiß er, dass es einfach ist zu nörgeln, aber auch schnell nervig. Und dann gibt es zudem noch das Problem, wie er sagt, Beifall von der falschen Seite zu bekommen. Weder darf das Thema der Entrüstung zu offenbar sein, noch zu groß. Also nichts gegen die Behandlung von Asylbewerbern und nichts gegen Wohnwagenbesitzer. (Niemals darf der Gegenstand der Entrüstung ein kleinkarierter sein. Und es ist eine Unsitte, sich über irgendwelche angeblichen Verfallserscheinungen zu entrüsten.) Wie immer, bemerkt er, anläßlich seiner Tirade gegen Flohmärkte, „werde ich mich hüten, plebejische Argumente“ vorzubringen.
Kritik in Ehren, sagen, sagt er, die Kritiker, aber müsse man denn „alles so eng sehen“? Wo bleibt die Toleranz?
Eine echte Entrüstung darf weder jaulen, noch jammern noch unken. Der Zorn muss rationiert werden. Aber: bloß nicht tolerant sein. (Toleranz ist oft ohnehin oft nur Zynismus.) „Lieber die unvernünftigste Wut, die schäumende Raserei als dieses wabblige Hinnehmen der Dinge.“