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Südbalkon

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Ruth Amsel hat das, was der Rest der Gesellschaft sich wünscht: Freizeit. Oder auch: Nichts zu tun. Keinen Job, keine Kinder, nur einen Freund, für den sie mal eben das Siebte Flittchen spielen darf, bevor er wieder hinter dem Computer verschwindet. Ruth ist eine Außenseiterin, aber gerade weil sie nicht am normalen Leben teilnimmt, kann sie uns alles darüber erzählen. Voll Sehnsucht und Abscheu zugleich schaut sie in die Wohnungen der anderen, verabredet sich aus Kostengründen stets in Möbelgeschäften zum Kaffee, trifft sich zum Rendezvous im Küchenstudio und beobachtet zur Ermunterung Kranke vor der Klinik. In der modernen Stadt mit der allgemein zur Schau getragenen Happyness findet sie einfach keinen Platz. Bis sie Pawel begegnet.

254 pages, Hardcover

First published March 1, 2013

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About the author

Isabella Straub

10 books2 followers
Studium der Germanistik und Philosophie. Journalistin bei einer großen österreichischen Tageszeitung, selbständige Werbetexterin (Agentur "textbar") in Klagenfurt am Wörthersee. Teilnehmerin der Leondinger Literaturakademie 08/09. Finale Werner Bräunig Preis 2009. Gewinnerin Wortlaut Wettbewerb 2011.

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148 reviews3 followers
May 14, 2013
Südbalkon ist das beeindruckende Debüt der österreichischen Autorin Isabella Straub. Als ich das Buch aufgeschlagen habe, dachte ich: "Ok, ein Buch über eine Arbeitslose, mal sehen, wie das so wird." Gerechnet hatte ich nicht damit, dass mich das Buch so umhaut, wie es dann passiert ist. Umso erfreuter war ich natürlich, eine dichte, ganz besondere Atmosphäre und eine absolut ungewöhnliche Protagonistn vorzufinden. Die Autorin beschreibt außerdem mit wenigen, aber perfekt formulierten Sätzen Ruths Umgebung, diverse interessante Charaktere und entführt den Leser oft auch humorvoll oder ironisch in ein fiktives Wien. Ich fand es sehr spannend, wie es doch mit wenigen Worten möglich ist, eine Person so treffend zu beschreiben, dass man sie praktisch vor Augen hat. Ein Beispiel ist hier der Fleischer, dem Ruth ab und an begegnet:

"Samson heißt eigentlich Franz Hubmann. Er sieht aus wie ein Indianer: lange dunkle Haare, gegerbte Haut. Er ist der einzige Fleischer mit langen Haaren, den ich kenne. Der Winnetou des Roastbeefs. [...] Samson trägt meist Rossschwarz. Heute hat er eine Art Knoten am Hinterkopf. Er ist Fleischer in vierter Generation [...]. Ich bin froh, dass es nichts gibt, das ich in der vierten Generation tun muss. Ich versage in der Ersten und etabliere damit ein vollkommen neues Muster innerhalb der Familie." (S. 35f.)

In diesem fiktiven Wien streift Ruth also durch die Gegend, kauft ab und an beim Fleischer ihres Vertrauens und beobachtet penibel die Kranken der Magenbuch-Klinik. Aber nicht nur das: Sie schreibt auch peinlich genau auf, was ihr zu den Personen einfällt, die sie beobachtet. Denn sie hat ja die Zeit dafür, sich hinter einer Statue zu verstecken und das Leiden anderer Menschen zu beobachten.

Wer jetzt glaubt, dass Ruth ein Opfer ist, weil sie arbeitslos ist und es auch privat nicht ganz rund läuft, der irrt. Ruth schleppt zwar immer wieder Probleme mit sich herum und lebt leider nicht auf einem "Südbalkon". Ihr ironischen Gedanken beweisen vor allem eines: sie ist ganz und gar nicht dumm. Ich war total überrascht, wie tiefgründig ihre Gedanken und Kommentare teilweise sind. Oftmals zieht sie sich selbst ins Lächerliche, was sie sympathisch werden lässt. Mit jeder Seite fragt man sich mehr und mehr, warum Ruth ist, wie sie ist. Und nachdem klar wurde, warum Ruth ist, wie sie nun einmal ist, empfand ich eine Menge Mitleid. Ihre Geschichte ging mir absolut ans Herz und das obwohl eigentlich kaum etwas passiert. Einen Großteil des Buches plätschert die Handlung vor sich hin, aber im Hintergrund rumort es. Vieles bleibt ungesagt und man taucht in eine ganz eigentümliche Atmosphäre ein. Das macht Südbalkon zu einem ganz besonderen Buch, das mich rundum unterhalten hat, ohne jemals langatmig zu werden.

Bewertung
Südbalkon ist ein ganz wundervoller Roman mit einer tiefgründigen Protagonistin, die dem Leser manches mal den Spiegel vorhält. Kaum zu glauben, dass das Buch wirklich ein Debüt ist. Ich freue mich auf viele weitere Bücher der Autorin.
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