Ein stinkender Keller voll Schlafender, ein fluchender Mann mit Dreispitz und Holzbein - Henry Ingram traut seinen Augen nicht, als er nach einem heftigen Rausch zu sich kommt. Nur langsam begreift er das Unglaubliche: Er wurde um dreihundert Jahre in der Zeit zurückversetzt, mitten hinein ins London des 18. Jahrhunderts, ein London der Kleinganoven und Diebe. Als er mit der resoluten Hure Edgworth Bess den Räuberhauptmann Jack Sheppard aus dem Gefängnis befreit, wird er schließlich selbst zum gejagten Gesetzesbrecher, und ein Wettlauf gegen die Zeit beginnt...
Tom Finnek, 1965 in Westfalen geboren, lebt als Filmjournalist und Schriftsteller in Berlin. Als Autor beschäftigt er sich schon länger mit historischen Stoffen, insbesondere zum Münsterland. Für ihn ist London mit seiner langen, wechselhaften Geschichte genauso faszinierend wie Berlin. Tom Finnek ist verheiratet und hat zwei kleine Söhne, auf die er sehr stolz ist.
Was wissen wir übers Zeitreisen? Eigentlich nichts, ausser das es sie nicht geben kann, völlig unmöglich sind und nicht als Fiktion und Hirngespinste darstellen. Aber haben Zeitreisen nicht auch etwas unglaublich reizvolles an sich? Wer ist nicht schon mal Tagträumen nachgehangen oder hat Nachts davon geträumt in einer anderen Zeitepoche zu Leben? Sind wir doch ehrlich, alle von uns haben diese verlockenden Gedankenspiele schon mehrfach vergnüglich durchgespielt und sind dem "Was wäre wenn..." erlegen.
Einem unserer Hauptfiguren in diesem Roman passiert dieses Zeitreisen und er wird nicht ganz zufällig ins Jahr 1724 katapultiert. Henry Ingram wacht ganz benommen von einer durchzechten Nacht in finsterer Gesellschaft auf. Ungläubig und zugleich fasziniert betrachtet er das vergangene London und nimmt die neue Realität nach und nach zur Kenntnis. Aber wohin soll Henry gehen? Wie findet er sich in dieser merkwürdigen Zeit zurecht? Und vor allem: Wie schafft er es in die Gegenwart, die ja eigentlich die Zukunft ist, zurückzukehren? Liegt der Schlüssel zur Rückkehr etwa in der bekannten Bettleroper in der er tags zuvor die Hauptrolle des Captain Macheath gespielt hat? Bald ist er von den wirklichen Hauptfiguren der Oper umgeben und spielt im surrealen Theater mit... es beginnt der reine Irrsinn und ist zum verrückt werden...
Der taumelnde Henry gelangt rasch ins Gefolge des berüchtigten Räuberhauptmanns Jack Sheppard und ehe er sichs versieht wird er selbst zum gesuchten Gauner. Von nun an sind Diebe und Huren seine Vertrauenspersonen und er muss sich vor dem berühmten Generaldiebesfänger Jonathan Wild und seinen allgegenwärtigen Spitzeln in acht nehmen. Ein an sich absurder Albtraum nimmt seinen Lauf und ist wie eine kuriose Ansammlung von Gegensätzen und Wiedersprüchen.
Tom Finnek hat dem Volk gut aufs Maul geschaut und erneut spielen die einfachen Menschen die ums tägliche überleben kämpfen die Hauptrollen. Er beschreibt atmosphärisch dicht ein London wie es im Jahr 1724 war und erweckt es zu neuem Leben. Dreckig und laut wie eh und je, mit vielen Gin-Shops und verruchten Kneipen, Bettlerjungen und Huren die Passanten auflauern. Man fühlt sich als Leser in diese unwirkliche Welt zurückversetzt und folgt staunend und atemlos dem Geschehen. Dieser Roman ist wie ein langes Gedicht auf das Strassenleben von London und ein echtes Bravourstück!
Der Autor Tom Finnek präsentiert uns nach "Unter der Asche" erneut einen genial konzipierten Roman der von vorne bis hinten gut durchdacht ist. Die Erzählung verlangt nach Aufmerksamkeit, ist teilweise widersprüchlich aber bereitet einen ungeheuren Lesespass. Man erkennt schnell die Zusammenhänge, fühlt sich aber trotz des Wissens des 21. Jahrhunderts zwischendurch dumm und hilflos wie ein kleines Kind kann und kann die Gesamtstory erst am Schluss durchschauen.
Aber ich habe nun genug geschwafelt und es ist jetzt Zeit, dass ich mich zurückziehe. Die Schauspieler bereiten sich vor anzufangen. Spielt die Ouvertüre!
Der Schauspieler Henry Ingram erwacht mit dickem Schädel und weiß nicht, wo er ist. Eben hat er noch auf der Bühne gestanden und in der „Bettleroper“ mitgespielt, doch jetzt scheint er sich im 18. Jahrhundert, im alten London zu befinden. Und ehe er sich recht versieht, hat er sich schon einer Räuberbande angeschlossen, die gerade den berüchtigten Jack Sheppard aus dem Newgate–Gefängnis befreit. Doch bevor er sich Gedanken machen kann, was eigentlich geschehen ist und wie er in seine Zeit zurückkommt, befindet er sich schon auf der Flucht vor dem Diebesfänger Jonathan Wild, der ihn und seine neuen Freunde an den Galgen bringen will.
Das Buch ist in sieben Teile und einen Epilog unterteilt, jeder Teil wird aus Sicht eines anderen Protagonisten erzählt. Was mir hieran sehr gefallen hat, dass einzelne Szenen aus Sicht verschiedenen Figuren erzählt werden und man dadurch noch mehr Einblick kriegt in das Geschehen und die Gedanken der Protagonisten. Der Schreibstil ist angenehm leicht und flüssig zu lesen, fast schon umgangssprachlich. Gerade die Beschreibungen des alten London im Jahre 1724 sind sehr eindrücklich und bildreich, so dass ich mich zurückversetzt fühle in diese Zeit und fast als Mitglied der Diebesbande sehe. Auch die Protagonisten sind gut gezeichnet, sie orientieren sich an den Figuren der Bettleroper, jedoch lernt man sie weitaus besser kennen und entwickelt Sympathien, obwohl sie doch aus dem Milieu der Bettler, Diebe und Huren kommen. Da immer wieder die Sichtweisen wechseln, lernt man ihre Hintergründe und Gedanken sehr genau kennen. Henry ist zwar ein angenehmer Protagonist, aber so richtig ans Herz gewachsen ist er mir nicht. Mein Favorit ist Blueskin, der zunächst als hinterlistiger Verräter imponiert, dann im Verlauf seiner Geschichte jedoch ganz andere Wesenszüge aufweist und sich als loyal seinem Freund gegenüber zeigt. Aber sicherlich ist für jeden ein Charakter dabei, mit dem man sich am ehesten identifizieren kann oder den man beeindruckend findet, denn es sind genügend vorhanden, die alle wunderbar ausgearbeitet sind. Die Geschichte ist spannend und rasant, kaum hat man Zeit zu verschnaufen und zu verweilen. Durch den flüssigen Schreibstil habe ich das Buch rasch durchgelesen, natürlich auch überzeugt durch die Charaktere und vor allem durch die tollen Beschreibungen des historischen Londons. Das Buch ist ein echter Pageturner, das Ende ist in sich schlüssig, dennoch für mich überraschend, obwohl es letztlich doch so naheliegend ist. Ich würde das Buch nicht nur Freunden historischer Romane empfehlen, sondern allen, die gerne spannende Geschichten lesen und bereit sind, sich auf eine fremde Zeit und eine historische Umgebung einzulassen.
Der Theaterschauspieler Henry Ingram erwacht eines Morgens im London des 18. Jahrhunderts und stellt mit Erschrecken fest, dass dies kein Traum, sondern Realität ist. Und er ist immer noch im Kostüm des Captain Macheath, den er gestern abend noch auf der Bühne gab. Zuerst denkt er an einen schlechten Scherz seiner Kollegen, doch um ihn herum wird die Geschichte tatsächlich lebendig und der modern denkende Henry Ingram muss sich mehr schlecht als recht in der Londoner Unterwelt herumschlagen. Dabei wird er selbst zum Gejagten und Räuber. Auf seinem Weg durch die Vergangenheit findet er Freunde, Feinde und Verräter, aber auch reale Personen aus dieser Epoche. Ihm scheint, dass er sogar die Vergangenheit durch sein Tun beeinflussen kann. Gleichzeitig erinnert er sich aber mehr und mehr an die "Zukunft", aus der er stammt und dass er wahrscheinlich dort einen Mord aus Eifersucht begangen hat. Ist er nun tatsächlich ein Krimineller? Und wie soll er jemals in seine Zeit zurückkehren? Will er das überhaupt, nachdem er sich in die Hure Beth verliebt hat? Nach einigem Zögern reift ein waghalsiger Plan in Henry.
Ich habe selten einen so lebendigen und abenteuerlichen Roman gelesen, der wirklich auf keiner einzigen Seite Langeweile aufkommen lässt. Der Autor verbindet hier das das Thema Zeitreise mit der Entstehungsgeschichte der realen "Bettleroper" und ihren Figuren. Tom Finnek versteht es, ein so authentisches Bild vom alten London zu zeichnen, dass der Leser froh ist, in der heutigen Zeit zu leben. Dazu gibt es im Anhang des Buches noch ein kleines Lexikon über die verwendeten altmodischen Begriffe sowie einen einfachen Stadtplan. Fünf von fünf Punkten (und ein Plus für den genialen Plot).
Mittlerweile mag ich zu dicke Bücher nicht mehr, da viel zu oft unnötige, langweilige Passagen eingebaut werden. Bei Gegen alle Zeit waren aber alle Sätze und Wörter wichtig für die Story und unterhaltsam. Henry Ingram spielt in der Dreigroschenoper in der heutigen Zeit mit und wacht dann plötzlich in London im 18. Jahrhundert auf. Er hat aber keine Zeit sich zu orientieren und zu verschnaufen, da er gleich den Räuberhauptmann Jack Sheppard aus dem Gefängnis befreien soll. Auf der Reise lernt er Diebe, Prostituierte und den Autor der Dreigroschenoper kennen. Ich finde den Aspekt des Zeitreisen sehr faszinierend, da Henry die Umgebung und Menschen aus seiner Sicht beschreiben kann. Später wird die Story auch von Beth der Prostituierten und dem Dieb Blueskin erzählt. Im Gegensatz zu seinen anderen zwei Bücher haben aber alle Erzählweisen etwas Neues zu der Geschichte beigetragen. Man erfährt wirklich über die Groschenoper und fragt sich immer wieder, ob es vielleicht damals wirklich so passiert ist. Das Ende hat mir auch gut gefallen, es war wirklich sehr spannend.
Eine Überraschung! Obwohl ich auch sein erstes Buch gelesen habe, hätte ich nicht erwartet, dass dieser zweite Teil (auch ohne Vorkenntnisse zu lesen), noch einmal besser ist, und das, obwohl es mit einer Zeitreise spielt. Toll für alle Theaterfreunde, die "Die Bettleroper" oder "Die Dreigroschenoper" kennen, toll für Londonfans, toll für Geschichtsfans und für jeden Leser. Oder Hörer. Ich habe das Hörbuch ungekürzt gehört. Toller Sprecher. Viel "toll" also in diesem Text, daher natürlich fünf Sterne und eine bedenkenlose Empfehlung.