Stellenweise sehr interessant, aber an den Stellen wo es darauf angekommen wäre, einfühlsam zu erzählen, werden Ereignisse kühl und hastig heruntergerattert. Stellenweise fühlt es sich fast so an, als würde Friedgard Thoma ihre eigenen Erlebnisse aus zweiter Hand wiedergegeben. Ein wenig befremdlich auch die Kälte mit der Todesfälle im eigenen Bekanntenkreis abgehandelt werden. Das Ertrinken von Ciorans Lebensgefährtin Simone Boué ist nicht mehr Kommentar wert, als einen ziemlich schlechten Wortwitz (Nachname klingt wie das französische Wort für Rettungsboje). Der Suizid des engen Freundes Hermann Burgers, wird zu einem trivialen Ärgernis, etwa vergleichbar mit einem kaputten Fahrradreifen. Die unerwartet warmen und lebensbejahenden Worte, die sich hier teilweise in Ciorans Briefen finden und die man so gar nicht kennt, wirken fast noch intensiver, in diesem Aspik aus eher gedämpfter Empathie (um fair zu sein: in Gewisser Art und Weise gewinnt das Buch dadurch). Ich möchte der Autorin keine Gefühlskälte unterstellen, jedoch einen gewissen Mangel an schriftstellerischem Talent. Falls doch vorhanden, hat sie es für dieses Buch zumindest nicht wirklich genutzt.