Was mich wohl am meisten gestört hat, ist, dass der Titel so irreführend ist: Die Frauen von Ithaka (meiner Meinung nach schwach übersetzt!) - in Wirklichkeit geht es jedoch gar nicht um die Frauen, sondern um DEN Mann von Ithaka, Odysseus oder wie er hier heißt Ulysses. Frauen dienen hier nur als Erzählvehikel, Penelope, Kalypso und Kirke spielen zwar eine maßgebliche Rolle im Roman, aber sie dienen nur dazu, ein Bild des Ulysses zu erschaffen, das naturgemäß bei jeder Dame etwas anders aussieht.
Die Geschichte setzt da ein, wo Homer aufhört: Nach der Rückkehr von Ulysses nach Ithaka. Die Erzählperspektive wechselt von Teil zu Teil (oder Gesang zu Gesang, wie es im Buch heißt): Zuerst berichtet Penelope von der Heimkehr ihres Gatten, der sie, die doch als tugendhafte Ehefrau in die Annalen einging, wegen Ehebruchs in die Verbannung schickt, bevor er selbst Ithaka wieder verlässt. Sein ganzes Leben lang wird ihn die Ruhelosigkeit und Reiselust nicht mehr verlassen, Ithaka ist zu klein und die Welt zu groß.
Der zweite Gesang (Teil) ist aus der Sicht seines ehelichen Sohnes, Telemachos, erzählt. Der dritte aus der Sicht seines Sohnes mit der Zauberin Kirke, Telegonos. Er ist es auch, der den Vater schließlich tötet. Ironie des Schicksals: Er tötet Ulysses mit dessen eigener Waffe, die er bei Kirke zurückgelassen hatte und ihm als Erkennungszeichen für seinen Sohn dienen sollte.
Die beiden Söhne folgen den Spuren des Vaters, um mehr über ihn zu erfahren. So spricht Telemachos mit Kalypso und Telegenos besucht Menelaos und Helena.
Jedes Kapitel endet mit dem Tod von Ulysses (der vor seinem Ableben noch schnell verfügt, dass sein Sohn Telemachos Kirke heiraten und Penelope mit seinem Sohn Telegonos den Bund der Ehe schließen solle!!! Wie bizarr!) und der Einsicht, dass man jetzt alles über den Mann gesagt habe. "Ich glaube, so war er - oder so ähnlich. Aber in Wirklichkeit kann ich nicht wissen, wie er war - ich war ja nur seine Frau / sein Sohn / sein Mörder."
Tatsächlich erfahren wir jedoch nur wenig über den heimgekehrten, alternden Ulysses, sondern viel mehr über die erzählenden Figuren und ihre Entwicklung, die im Schatten des Helden steht.
Abgesehen vom irreführenden Titel war der Stil (der Übersetzung) jedoch sehr ansprechend, passagenweise steckt die Geschichte voller Lebensweisheiten ("Die Götter sind nur vollkommen. Das ist nicht sehr schwer. Der Mensch ist unvollkommen, aber er kann über sich hinauswachsen." S. 396) und es ist interessant zu sehen, in welche Richtung der Autor den Mythos weiterentwickelt.