Als der junge Froh nach einer gewaltigen Flutwelle ein Mädchen mit goldenen Haaren an Bord seines kleinen Fischerbootes zieht, ahnt er zunächst nicht, wem er da das Leben gerettet hat. Denn das Mädchen ist nicht nur wunderschön, es umgibt sie auch ein magisches Geheimnis. Während die beiden auf dem Ozean dahintreiben, erzählt sie Froh ihre Geschichte. Eine dunkle Geschichte voller Liebe, Rebellion und Verrat...
„Das Mädchen aus dem Meer“ von Rebecca Hohlbein ist ein Fantasyroman, der mir durch sein schlichtes, aber sehr wirkungsstarkes Cover direkt ins Auge gesprungen ist. Von der Autorin selbst habe ich bis auf dieses noch kein Buch gelesen, sie war mir als Tochter von Wolfgang Hohlbein, von dem ich in meiner frühen Jugend sicher eine zweistellige Zahl an Büchern verschlungen habe, aber natürlich ein Begriff. Dennoch, während des Lesens, stellte ich schnell fest, dass das Buch sich vollkommen anders entwickelte, als ich dem Klappentext nach erwartet hatte. Möglicherweise hat es mir dadurch umso besser gefallen…
Zunächst einige Worte zum Inhalt: Froh ist ein junger Fischer, der sein kleines Boot vor Tagen schon aufs offene Meer hinaus gesteuert hatte, ohne die Absicht jemals nach Hause zurückzukehren. Er versucht durch seine Tortur Vergebung bei den Göttern zu finden, denn er fürchtet, sie gegen sich aufgebracht zu haben. Eines Tages fischt er ein Mädchen aus dem Wasser, ein Mädchen mit so goldenem Haar, wie er es noch nie gesehen hat. Er hält sie für eine Göttin, doch Chita, so heißt das Mädchen, behauptet, dass es seine Götter gar nicht gibt und beginnt, ihm ihre Geschichte zu erzählen: Von einem Kontinent namens Cypria und ihrem Leben als Tochter eines Herrschers…
Schon durch das allgemeine Setting weicht „Das Mädchen aus dem Meer“ von der üblichen Norm der Fantasyromane ab. Wir befinden uns fast ausschließlich auf offener See, die Handlung entwickelt sich aus hauptsächlich aus Chitas Erzählungen, gelegentlich wird auch Frohs Vergangenheit zum Thema. Warum ist er mit seinem kleinen Boot hinaus gepaddelt? Und wie ist Chita dort hingekommen? Was hat es mit der großen Welle auf sich, von der sie erzählt, kann Froh ihr überhaupt glauben? Denn das, was sie erzählt, klingt in seinen Ohren doch recht abenteuerlich – vielleicht hat die vermeintliche Göttin eine blühende Phantasie. Oder haben die Götter Chita zu ihm geschickt, als Teil seiner Strafe? Der gesamte Roman lebt neben einer sehr komplexen Hintergrundgeschichte von dieser Dynamik zwischen Chita und Froh – von zwei Welten, die aufeinander treffen und vieles in Frage zu stellen.
Dass Froh sich gelegentlich fragt, ob Chita zu ertragen nicht vielleicht tatsächlich zu der Strafe gehört, die er von den Göttern erwartet, wundert auch den Leser mit der Zeit nicht mehr. Chita ist nicht gerade mit Taktgefühl ausgestattet. Nicht nur, dass sie Froh unentwegt als „Primitiven“ bezeichnet, sie zerstört mit ihrer Geschichte auch ganz ohne Samthandschuhe sein gesamtes Weltbild. Doch gleichzeitig ist Chita einfach Teil ihrer Welt – was für Froh und den Leser grausam oder unmoralisch erscheint, ist für sie nicht ungewöhnlich. Außerdem ist sie noch jung und auf der Suche nach ihren Wertvorstellungen. Chita ist ein verwöhntes, überhebliches, naives Mädchen, das zudem über beide Ohren verliebt ist. Sie erzählt von ihrer Kindheit als Tochter eines der Herrscher von Cypria, und davon, wie sie nach und nach die grausamen Seiten ihres Vaters und des gesamten Landes kennen lernte, wie sie begann nachzudenken und zu hinterfragen. Dabei übertreibt sie gerne, präsentiert sich mal bockig und gelegentlich sehr rachsüchtig, wobei sie sich natürlich grundsätzlich im Recht sieht - kurz: Sie ist unfreiwillig komisch. Die verwöhnte Tochter aus gutem Hause nimmt man ihr direkt ab und dennoch spürt man auch ihren guten Kern. Ein ganz starker Charakter, den ich einerseits schnell ins Herz schloss, dessen Ecken und Kanten aber gelegentlich auch dazu führten, dass ich Mitleid mit Froh hatte. Immerhin war er gefangen mit ihr in einem kleinen Boot auf offener See – ohne Fluchtmöglichkeiten, um ihrem teilweise etwas unverständlich und unzusammenhängend wirkenden Geplapper zu entkommen.
Allerdings führt die außergewöhnliche Perspektive dieses Romans auch dazu, dass der Leser oft an Frohs Stelle tritt. Wenn Chita erzählt, werden ganze Kapitel zu Monologen, nur unterbrochen von gelegentlichen Zwischenfragen Frohs, die Chita entweder daran erinnern, gewisse Dinge näher auszuführen, oder sie auf den Boden zurückholen, wenn sie sich in eine Sache hineinsteigert, übertreibt, offensichtlich zu sehr ausschmückt oder vielleicht auch ein kleines Bisschen lügt. So stellt Froh also genau die Fragen, die auch der Leser in diesem Moment im Kopf hat, und Chita, die diese Fragen aufnimmt und ansonsten ohne Unterbrechungen in der Ich-Perspektive erzählt, scheint direkt mit dem Leser zu sprechen. So entstehen zwei Handlungsstränge – Gegenwart und Vergangenheit – und der Leser ist immer mittendrin. Ein ungewöhnlicher Aufbau, der mich allerdings direkt in seinen Bann zog. Ein außerordentlich guter, recht anspruchsvoller Schreibstil rundet das Bild ab.
Die Handlung selbst ist komplex. Sie durch Chitas eher egozentrische Sichtweise zu erschließen erfordert Aufmerksamkeit. Insgesamt ist „Das Mädchen aus dem Meer“ tiefgründiger und nachdenklicher als ich es beim Fantasy-Genre erwartet hätte. Vieles erinnert an reale, gegenwärtige oder historische, Konflikte. Durch Chitas eigenwillige Erzählweise lockert sich diese Nachdenklichkeit gelegentlich und auch diese Diskrepanz zwischen Inhalt und der kindlich-naiven, teilweise oberflächlichen Erzählerin mit fragwürdiger Moral bereichert den Roman. Das Ende ging mir ein wenig schnell – mein einziger Kritikpunkt an einen ansonsten überraschenden Roman mit unerwarteter Tiefe. Dennoch brachte es noch einmal eine Wendung und neue Sichtweisen mit sich. Besonders schön: Beide Figuren, Chita und Froh, lernen voneinander und entwickeln sich.
Fazit: „Das Mädchen aus dem Meer“ ist ein ungewöhnlicher Fantasyroman. Ein einsames, ungleiches Paar auf offener See, umgeben von einer tiefgründigen, komplexen Handlung, wie ich sie ursprünglich gar nicht erwartet hätte. Wer sich auf diese außergewöhnliche Idee und den schwierigen Charakter Chitas einlassen kann, wird nicht enttäuscht werden. 5 Sterne
Äußeres Erscheinungsbild: Mittlerweile sollte allen klar sein, dass ich ein absoluter Coverkäufer bin. Das Cover ist einfach wunderschön. Es zeigt Chita mit ihren goldenen Haaren und passend dazu und zum Kleid wurde der Rest des Covers schlicht in schwarz gehalten. Das Ganze wirkt sehr edel. Auch der Titel passt ganz wunderbar. Und erst der Klappentext: Der versprach mir nämlich eine außergewöhnliche und spannende Geschichte mit Meerwesen und Göttern. Doch außergewöhnlich und spannend bekam ich nicht wirklich.
Eigene Meinung: An das Rezensieren gehe ich mit ein paar Bauchschmerzen heran. Denn es handelt sich hierbei um das erste Buch, dass ich vom Heyne Verlag als Rezensionsexemplar bekommen habe. So gerne wollte ich es mögen, aber das ist leider nicht eingetreten. Tja, Leseexemplar hin oder her, ich werde euch (und natürlich auch dem Verlag) meine ehrliche Meinung präsentieren.
Die Idee ist so herausragend und es hätte etwas so Tolles, ja sogar Göttliches, dabei herauskommen können, doch irgendwie hat Frau Hohlbein ihre Möglichkeiten nicht vollkommen ausgeschöpft. Götter gibt es eigentlich gar nicht und das Meer spielt auch nur eine untergeordnete Rolle (mal davon abgesehen, dass das ganze Buch auf diversen Booten spielt). Meine Erwartungen wurden nicht erfüllt und Seite für Seite sank mein Ansporn weiterzulesen.
Selten habe ich eine so langatmige Handlung gehabt. Die ersten paar hundert Seiten passiert rein gar nichts und dann als was passiert, wird das so schnell abgehandelt, dass ich mich gefragt habe, welche Prioritäten die Autorin beim Schreiben hat. Sie scheinen sich gänzlich von denen zu unterscheiden, die ich beim Lesen habe. Das Buch ist in zwei Handlungsstränge gegliedert. Zum einen in den, den der Erzähler aus Frohs Perspektive erzählt und der eigentlich recht nett zu lesen war und dann in den, den Chita erzählt. Und hier ist eines meiner größten Probleme mit dem Buch: es ist ein Monolog in welchem sie ihre Erlebnisse der Vergangenheit schildert.!! Sie erzählt hunderte von Seiten (mit kleinen Unterbrechungen) und damit konnte ich partout nichts anfangen.
Schreibstil: Siehe Handlung. = Langatmig und viel zu komplex.
Hauptcharakter Froh empfand ich als nett, aber zu gläubig. Weiter ausgearbeitet war er nicht (schade!), denn er sagte mir von allen am Meisten zu. Chita ist verzogen und Ich-bezogen und arrogant und einfach nur das reiche Mädchen, das immer alles hatte; absolut unsympathisch. Cocha hingegen fand ich eigentlich recht gut, nur was er von Chita will wird mir weiß Gott nicht klar. Sie ist so nervig (und das weiß er sogar!!) und er liebt sie trotzdem.
Tja und hier wären wir bei der Beziehung zwischen Chita und Cocha. Erst hassen sie sich, was recht nett zu lesen war und auf einmal lieben sie sich. Puff, innerhalb von ein paar Seiten. Was hab ich verpasst?
Das beste am Ende war, dass es zu Ende war. (Scherz beiseite.) Zum Ende kam endlich mal so etwas wie ein Fitzelchen Spannung auf, auch wenn das Ganze nicht überraschend war.
Fazit: Vielleicht liegst am Genre? So sehr Fantasy, mit eigener Welt und eigenen Begriffen habe ich noch nie gelesen. Vielleicht sagt es reinen Fantasylesern mehr zu, doch meins wars mit Sicherheit nicht. Ein ganz bezauberndes Cover und eine toller Rückentext, nur das was dazwischen war konnte mich nicht überzeugen. Langatmig, lästige Charaktere und eine Schreibweise, die ich grausig finde. 1,5/5
Das schlichte und dennoch sehr anmutig wirkende Cover in Schwarz und Gold, sowie der ansprechende Klappentext hatten mich schnell in ihren Bann gezogen und ich hatte mich auf ein großartiges Lesevergnügen gefreut.
Allerdings wurde ich enttäuscht, denn die Geschichte kommt nur sehr schwer in Gang. Rebecca Hohlbein erzählt aus zwei Perspektiven. Aus der des Fischerjungen Froh, die sich recht leicht und angenehm lesen lässt, und aus der Perspektive Chita's, dem Mädchen aus dem Meer, die ich sehr verwirrend fand und die mir nicht gefallen hat. Chita verliert sich in "arroganten" Monologen und wenn Froh doch einmal etwas erwidert, wird diese Erwiderung leider nicht durch Satzzeichen angeführt, was in meinen Augen für einen sehr stockenden und irritierenden Lesefluß sorgte. Immer wieder gibt es sehr lange Strecken auf denen nichts passiert und die sich ins beinahe Unerträgliche ziehen, so etwas wie Spannung kommt erst im letzten der drei Teile, in die das Buch gegliedert ist, auf und da ist es schon zu spät um mich noch zu überzeugen. Ich musste mich ständig fragen wohin das Ganze eigentlich führen soll und zum Weiterlesen musste ich mich regelrecht aufraffen.
Auch mit den Protagonisten wurde ich nicht richtig warm. Froh, der mir eigentlich recht sympathisch, wenn auch schon fast zu gottesfürchtig erschien, blieb in meinen Augen eine zu oberflächlich gezeichnete Figur, was es schwer machte, eine Verbindung zu ihm herzustellen. Die einzigen, annähernd gut herausgearbeiteten Charaktere waren Chita und Chochas, die sich als Kinder eher weniger mögen und sich später ineinander verlieben. Diese Verliebtheit kommt erst schleppend und dann viel zu schnell in Gang. Chita wirkt auf mich sehr egoistisch und verzogen und ihre ganze Art war mir von Anfang an so unsympathisch, das ich mich auch im Verlauf der Geschichte nicht mit ihr anfreunden konnte.
Die Handlung ist ganz gut ausgearbeitet, wenn man auf Fantastisches steht. Mir waren die unterschiedlichen Begriffe, Länder, Lebensweisen, etc. leider an manchen Stellen viel zu komplex. Da hätte man auf den über 500 Seiten, die sich ohnehin schon unspektakulär in die Länge ziehen, besser etwas mehr Energie auf die Ausarbeitung der Charaktere als auf die Handlung verschwenden sollen.
Fazit: Mich hat die Geschichte weder berührt, noch unterhalten, noch überzeugt, was ich ehrlich sehr schade fand, da ich mir vom Klappentext her so viel davon versprochen hatte. Ich denke, wer auf Fantasy steht der wird hier voll auf seine Kosten kommen, mir hat das Buch leider nicht gefallen, was vielleicht auch einfach am persönlichen Geschmack liegt.
Ich liebe es, wie Chita dargestellt wird. Dreidimensional und nachvollziehbar, und vor allem hat sie auch viele negative Charaktereigenschaften. Sie ist das verzogene, reiche Kind, das immer alles hatte und viele Probleme nicht versteht (bzw. erst im Nachhinein lernt.) Auch ist sie sehr ich-bezogen und... Das kann wirklich jeder nachvollziehen. Ich meine, jeder hat mal Tage, in denen man total selbstsüchtig ist, und dadurch ist sie mir irgendwie sympathisch. Und auch, wenn Chita einiges lernt, behält sie ihre Grundzüge bei, was ich auch sehr schön finde (ich mag es nicht, wenn sich die Charaktere in ihrer Entwicklung so um 180 Grad drehen, weil das einfach mega unrealistisch ist.) Froh mochte ich auch sehr gerne, und ich finde auch die Art und Weise schön, wie die Autorin letztendlich die Glaubensfrage löst. Vielleicht gibt es Götter, vielleicht auch nicht.
An interesting book, since it is not a 'typical' fantasy book and offers a new story that is rich with details. However, the protagonist can be quite annoying after a while - which was obviously the purpose of the author. Still, the story she tells is very interesting, as is her unusual interaction with the young fisherman she meets, who is the other main character in the story. One thing is for sure: Rebecca Hohlbein is a very good writer, as becomes evident in some of her phrasing. Worth reading!