Un uomo girovaga per Berlino, e ne ascolta le voci. C’è quella dell’ex chirurgo Dariusz, passato da una sala operatoria di Lublino a una pompa di benzina della Shell; quella di Eli, attore fracassone dall’accento rumeno; quella di Dorota, architetta che porta sulla pelle le contraddizioni del Novecento. E come queste, tante altre voci che si fondono nel canto di quella città esemplare e atipica che è Berlino. Tutti sono nati altrove, e qui si sono impantanati. A ognuno di questi ospiti tristi il narratore offre ascolto, alla ricerca di un senso tra le mille luci della metropoli. Un romanzo corale che mostra il cuore antico delle inquietudini del nostro presente e indaga il tema attualissimo del rapporto tra l’Est e l’Ovest dell’Europa.
Matthias Nawrat was born 1979 in Opole in Poland. He moved with his family in 1989 to Bamberg. From 2000 to 2007, he studied Biology at Heidelberg and Freiburg im Breisgau. Beginning in 2009 he studied at the Swiss Literature Institute in Biel/Bienne. His debut novel, Wir zwei allein was published in 2012. He lives in Berlin.
Ein sehr beeindruckendes Buch eines Schriftstellers, von dem ich bislang noch nichts gehört habe.
Der Ich-Erzähler – ein Mann, der aus Polen stammt und nun als Schriftsteller in Berlin lebt – lässt sich durch die Stadt treiben und macht dabei Bekanntschaft mit Menschen, die ebenfalls aus Polen stammen. Im ersten Teil trifft er eine Architektin, die in Schöneberg lebt und diesen Stadtteil nie verlässt (weil, wie sie sagt: Jede Stadt ist, strukturell gesehen, ähnlich), im dritten Teil lernt er bei der Arbeit einen ehemaligen Arzt kennen, der von seiner unglücklichen Ehe und dem Verlust des Sohnes erzählt. Dazwischen, im zweiten Teil und damit im Zentrum des Romans, erlebt der Erzähler mittels Fernsehnachrichten den Anschlag auf den Berliner Weihnachtsmarkt und wie dies einige Zeit seine Wahrnehmung beim Laufen durch Berliner Straßen beeinflusst.
Man streicht beim Lesen dieses Romans ständig Stellen an, weil man recherchieren möchte, wo in Berlin sich der Erzähler gerade aufhält, über welche historische Person oder welchen polnischen Ort berichtet wird, weil der Satz so schön ist, zum Beispiel:
Denn die Menschen können ohne Zuversicht nicht leben. Ohne Zuversicht beginnen sie zu hassen. Und schließlich, über kurz oder lang, fangen sie an, sich für diesen Mangel an Zuversicht zu rächen. Ihre Wut lenkt sich um: auf eine Zugverspätung, auf den Verlust der Ersparnisse, darauf, dass ihre Wohnung kleiner ist als die eines Nachbarn.
Diese Aussage der Architektin, so wird einem später klar, ist vielleicht auch ein Erklärungsversuch für die im zweiten Teil geschilderte Gewalt? Auch scheinen die Erzählungen über Exil, Migration und Fremdheit irgendwie mit diesem Aspekt unserer Gegenwart verbunden zu sein. Dabei wird das so, wie ich das hier interpretiere, im Roman nie benannt. Es sind einfach Gedanken, die einem beim Lesen kommen.
Wie es die Aussage der Architektin nahelegt, legt sich über das Erleben Berlins immer wieder die Erinnerung an andere Städte, vor allem in Polen oder der heutigen Ukraine. Aber nicht nur das: Gegenwart assoziiert auch ständig Vergangenes: Nationalsozialismus, Sozialismus, Kindheitserinnerungen, Gedenken an Tote (Friedhöfe werden mehrmals erwähnt und besucht). Das macht die Geschichte ungemein dicht, berührend. Und die Sprache ist sehr einnehmend.
Es geht oft um die Nähe von Leben und Tod, um Vergänglichkeit, wie in der Beschreibung eines Teils des Sophien-Kirchhofs in Berlin:
Auf der anderen Seite erhob sich die unverputzte Seitenwand eines Wohnhauses. Es sah aus, als wäre die angrenzende Häuserzeile an dieser Stelle einfach abgeschnitten worden, mitsamt Innenhof, Hinterhaus und Gartenhaus, als sei der Sophien-Kirchhof II den Leuten hier hineingebaut worden in ihre Leben, die sie direkt hinter der unverputzten Wand im Wohnzimmer, der Küche oder im Badezimmer im dritten Stock führten.
Auch gefiel mir, wie sehr die beschriebenen Figuren nach und nach jeden Ehrgeiz hinter sich lassen. Oder ist es doch die beschriebene Zuversicht, die sie verlässt? So führt der ehemalige Arzt aus, vielleicht als Kontrapunkt zur Architektin:
Soll ich wirklich eine Annäherung an einen neuen Menschen auf mich nehmen? Soll ich all die anstrengenden Phasen, die das mit sich bringen wird, aufs Neue durchlaufen? Oder soll ich nicht lieber die Schwere der sich ansammelnden Jahre annehmen und mich dieser Schwere fügen?
Ein wenig irritiert dagegen hat mich, dass die Frau des Erzählers, Veronika, so merkwürdig blass bleibt. Während der Erzähler sehr viel von anderen Menschen, denen er begegnet zu erzählen weiß. Aber andererseits, erfahren wir auch über den Erzähler selbst wenig, mehr scheint er wie ein Sprachrohr der Geschichten anderer.
Ein wirklich schönes, tiefsinniges Buch, das für den Leipziger Buchpreis nominiert war und leider den Preis nicht gewonnen hat.
Matthias Nawrat gehört (zu Recht) zu den Nachwuchsstars der Literaturszene. Warum hat mich sein Buch "Der traurige Gast" mit nicht besonders angesprochen? Vielleicht hatte ich eine falsche Erwartungshaltung. Als mittlerweile langjähriger Berliner finde ich mich in den Streifenzügen durch die Stadt wieder, aber manchmal habe ich das Gefühl, als ob seine Beobachtungsgabe für das Objekt "Berlin" an der einen oder anderen Stelle noch geschärft werden sollte. Die überwiegend deprimierenden Erzählungen können bei dem Titel erwartet werden. Ich werde das Buch trotz der kritischen Anmerkungen wieder in die Hand nehmen und freue mich auf die nächsten Arbeiten von Nawrat.
#preisderleipzigerbuchmesse #shortlist Wir sind Gast auf Erden, das ist das, was mir einfällt zu Buch und Titel. Nach unserem Gastspiel ists vorbei, das ist die Stimmung, die überbleibt bei mir nach Lektüre des Buches von #matthiasnawrat 3 Geschichten lässt sich der Autor-Ich-Erzähler von unterschiedlichen Personen in Berlin erzählen. Es geht um nicht gelingende Beziehungen, es geht um Abschiede, es geht um Tod. Hoffnungsvoll, wie Sonnenstrahlen, blitzen immer wieder die positiven Beziehungserfahrungen des Ich-Erzählers durch. Der Biografie von Matthias Nawrat sind wohl die Polenbezüge und die Ostbezüge geschuldet. Für Liebhaber der depressiv melancholischen Literatur.
Ein bisweilen sperrig aber dadurch auch großartig erzähltes Buch. In der Art, wie die Figur des Erzählers hauptsächlich als Gefäß für die Gedanken der anderen dient, erinnert "Der traurige Gast" deutlich an Rachel Cusks "Transit", allerdings sind die Themen weiter gegriffen. "Trivial" gesagt geht es darum, dass der Ungeist der Vergangenheit der Ungeist der Gegenwart ist; es geht um Verortung und Sinngebung individueller Biografien in einer kollektiven Menschheitsbiografie, darum, wie wir in allgegenwärtiger Ohnmacht die Deutungshoheit über unser Leben behalten (und ob das überhaupt sinnvoll ist). Fünf Sterne nicht, weil es ein ideales Buch ist (ich glaube, dass Lektorat hätte etwas beherzter sein dürfen, die Hilfsverben klappern mitunter heftig), sondern weil es mich an einigen Stellen nachhaltig beeindruckt hat.
ritratti di persone berlinesi nel senso che vivono a berlino perché ci sono capitate e non perché ci siano nate. yet another immagine della città più affascinante d’europa (secondo me) creata nel modo più consono alla città stessa: a schegge, a parole, a sensazioni distanti e fredde. berlino vista da persone e vite che se l’hanno scelta non sanno davvero perché. berlino di sofferenze generate da passati girovaghi e pre-berlinesi, ma in una città «talmente piatta, fatta solo di cielo» c’è spazio anche per i dolori non autoctoni. scrittura piana, mi ha ricordato un po’ latronico romanziere ma più malinconico e interiore. non la mia scrittura preferita, però alcune immagini sono davvero bellissime. consiglio!