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Birobidschan

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Sibirien, 1908. Ein Knall erschüttert den sibirischen Wald Tunguska. Zwei Jahrzehnte später plant Stalin eine jüdisch-sozialistische Autonomie an der Grenze zu Birobidschan. Was als stalinistisches Experiment der 1930er Jahre scheitert, wird in Tomer Dotan-Dreyfus' Debütroman zum Dreh- und Angelpunkt einer funkensprühenden Da sind Alex und Rachel, verliebt seit Kindertagen. Boris Klayn, Fischer und
Ur-Birobidschaner. Gregory und Sascha, enge Freunde, einer hat Depressionen, der andere nimmt ihn mit auf einen Roadtrip gen Tunguska. Dmitrij, der Angst vor Wölfen hat. Das Leben in Birobidschan geht seinen Gang, die kleinen und großen Sorgen der Bewohner drehen sich fern allen Weltgeschehens – bis sich die Ereignisse ü Zwei fremde Männer und ein stummes Mädchen bringen die idyllische Gemeinschaft zum Bersten.

In Birobidschan erzählt Tomer Dotan-Dreyfus die so unwahrscheinliche wie charmante Geschichte eines jüdisch-sozialistischen Schtetls in Sibirien und knüpft damit an die jiddische Erzähltradition und den magischen Realismus an. Ein gewitzter Debütroman, eigenwillig und voller Fabulierlust.

289 pages, Kindle Edition

First published February 20, 2023

4 people are currently reading
315 people want to read

About the author

Tomer Dotan-Dreyfus

3 books2 followers
Tomer Dotan-Dreyfus, 1987 in Haifa geboren, lebt seit zehn Jahren in Berlin und ist als freier Autor, Lyriker und Übersetzer tätig. Er studierte Philosophie und Komparatistik in Berlin, Wien und Paris und schreibt sowohl in hebräischer als auch in deutscher Sprache.

Für die Arbeit an »Birobidschan« erhielt er 2020 ein einjähriges Stipendium des Berliner Senats, außerdem wurde er für das Übersetzungsprogramm Jewish Writers in Translation 2021 der Jewish Book Week in London ausgewählt. Im September 2021 war er zu Gast auf dem Meridian Czernowitz International Poetry Festival in der Ukraine. 2022 erscheint sein Essay-Band »Meine Forschung zum O: Unlearning Sprache« (Gans Verlag Berlin). »Birobidschan« ist sein erster Roman.

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37 (24%)
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11 (7%)
1 star
4 (2%)
Displaying 1 - 25 of 25 reviews
Profile Image for Meike.
Author 1 book5,121 followers
August 31, 2023
Longlisted for the German Book Prize 2023
An unhinged experimental debut novel published by an indie press and extrapolating from real historic events in Siberia? Yes, Book Prize, yes!! The real Birobidzhan is a town founded by Stalin in the 1930's as an autonomous Jewish region, a settlement / shtetl on Russian soil. Set on the Trans-Siberian Railway, near the China–Russia border, Jewish pioneers were supposed to farm the land, work in socialist jobs to foster the Soviet cause and offer protection against Chinese demands for border areas. Until today, it's the only place in the world where Yiddish was ever declared to be the official language. Thousands of pioneers came in the 1930's from all over the world, and during the heyday of Birobidschan, more than 30.000 Jewish settlers lived there. Today, approx. 2.000 remain: Many didn't stay because of the dire climate and stubborn soils; in the 1940's, the population diminished because of the rise of open anti-semitism, many also left for Israel after the fall of the Soviet Union.

So now you think that Dotan-Dreyfus wrote a historical novel about this fascinating place and its intriguing history? WRONG! In the book, the experiment of the settling Birobidschan doesn't fail, and we hear the story of an alternative, literary Birobidschan, from its founding to the early 2000's, and while history reaches into the text, it constantly morphs - into magical realism, a fairy tale, a love story, several family stories, a mystery, a thriller, all topped with hallucinations and the breakdown between conscious and sub-conscious. It's a wild ode to the joy of storytelling, a meta-text with a narrator that features - as the writer of the book (who is of course not Dotan-Dreyfus, or maybe he is). The characters talk in contemporary, fast, witty sentences, and because the author was born in Israel and his mother tongue is Hebrew (he also speaks Yiddish), the German has a particular unusual sound and rhythm (Dotan-Dreyfus has been living in Berlin for ten years).

As for the story: It's not one, there is a plethora of storylines, a whole cast of inhabitants of different ages living in different timelines, and all intermingles, crosses, gets out of control (which is the whole point). There is no traditional cause and effect, or complication and resolution, life in the shtetl just goes on, and it's entertaining because the characters and the scenes are so eccentric, liveley and humorous - expect the unexpected. The language itself works as a pageturner, the smart, world-wise observations mixed with insane occurrences and anecdotes. Something like a twist happens when two foreigners from Moscow turn up with a mute girl, claim to hunt a bear (which might or might not exist, and might or might not protect the city, and might or might not come from China), then dead bodies are found: The possibility of evil has arrived in the shtetl. Oh, and then there's an entryway to the story right where the Tunguska event took place in 1908 (one or more explosions, probably caused by a meteor, that destroyed ca. 60 millions trees), and a mystical lunar eclipse, and a meteor shower, and ghosts - I mean, you get the idea: This is nuts, and I'm here for it.

This is not easy-to-sell, convenient literature, it's daring. I applaud the book prize for highlighting this overflowing novel that does not care the least bit about narrative conventions, it's just ruthlessly entertaining and smart.
Profile Image for nettebuecherkiste.
695 reviews180 followers
December 16, 2023
Die Konstellation dieses Buches stach für mich aus den übrigen Kandidaten für den Deutschen Buchpreis dieses Jahres heraus: Eine jüdische Siedlung in Sibirien nahe China, ein Zusammenhang mit dem Tunguska-Ereignis von 1908, irgendwas mit Bären und mehrere Generationen einiger Familien. Von diesen lesen wir in nicht linearer Form, was ab und zu etwas verwirrend ist, ich hatte ein bisschen Probleme, die einzelnen Charakteren der richtigen Generation und den richtigen Müttern, Geschwistern etc. zuzuordnen. Dennoch hat mir das Buch gut gefallen, ich hab es zunächst auch mit 4,5 Stunden sehr hoch bewertet, inzwischen würde ich das auf 4 Sterne reduzieren, denn im Nachhinein hätte ich mir mehr Tunguska erhofft und weniger Roadtrip (auch wenn dieser nicht sehr umfangreich ist, ich mag einfach keine Roadtrips). Sehr gefallen haben mir manche der ein wenig wunderlichen Charaktere, der Sprachwitz (an einer Stelle ist von der Dörfität der Siedlung die Rede) und eine feine Dosis magischer Realismus, mit dem ich für gewöhnlich meine Schwierigkeiten habe, der aber hier genau richtig für mich abgewogen ist.
Profile Image for Alexander Carmele.
490 reviews473 followers
February 11, 2024
Wirr, überladen, sprachlich unterhalb der Schmerzgrenze trotz starken Anfangs und interessanten Settings.

Ausführlicher, vielleicht begründeter auf kommunikativeslesen.com

Das zweite Buch der Shortlist des Bloggerpreises „Das Debüt“ lockt mit einem geheimnisvollen Cover, das einen Stahlarbeiter zeigt, der vor einer übergroßen Hebel- oder Pressvorrichtung steht. Selten hat ein Cover weniger mit einem Inhalt zu tun gehabt wie bei Tomer Dotan-Dreyfus‘ Debütroman „Birobidschan“. Dort geht es nicht um Stahlarbeit, um die Verfertigung einer Transsibirischen Eisenbahn, um die Härten und Zumutungen der sowjetischen Industriearbeit. Stattdessen dreht sich alles um Familie, Partnertausch und verschwundene Ehemänner:

Rachel sah ihren Vater [Gregory] nie wieder, aber er sah sie. Ab und zu war er da, im Hintergrund, zwischen Bäumen und Büschen, als würde er in diesem Zeitpunkt in Tunguska, im Wald, im ewigen Hintergrund feststecken. Sogar die Beerdigung von Jakov beobachtete er aus der Ferne. So gern hätte er hingehen und Josephin [Rachels Mutter] noch einmal umarmen wollen. Aber die Distanz … man gewöhnte sich nicht nur an sie, man wurde davon abhängig.

Dotan-Dreyfus betreibt ein ausführliches Versteckspiel um eine magere Handlung, die im wesentlichen von zwei Roadtrip erzählt, dem von 1990, auf welchem Rachels Vater Gregory verschwindet, und den 2007, auf welchem Rachel verschwindet. Beide Roadtrips führen mehr oder weniger in die Nähe von Tunguska, welches samt seines berühmt-berüchtigten Ereignisses aber keinerlei Rolle in dem Roman spielt. Auch das historische Setting Birobidschan wird glattweg ignoriert. So etwas wie Geschichte existiert sowieso nicht:

Ich bin der Erzähler dieser Geschichte. Ich bin der Versuchsleiter. Die Beziehung zwischen einem Erzähler und einer Geschichte ist immer rund: Es gibt ein Innerhalb und ein Außerhalb – aber wer oder was befindet sich in wem oder in was?

Im Eiltempo werden so ziemlich alle aktuellen Debatten per Drag-and-Drop gestreift: Pandemie, Sexismus, Kunst und Politik, Depression, Trauma, Schusswaffenbesitz, Flüchtlingswelle etc … und zwar auf eine Weise, die aus „Birobidschan“ einen kitschbeladenen Wortsalat werden lassen und das historische Setting als Stichwortgeber missbraucht. Philosophische Themen garnieren das Chaos nur oberflächlich. Wer Ordnung in das Chaos bringt, merkt, wie leer das Buch eigentlich ist:

Gregory nickte, obwohl ihn dieser Satz, weit weg von Birobidschan, sogar noch weiter davon zu entfernen schien. Eine frische Sehnsuchtswelle nach seinem Heimatsschtetl brach sich in seinem Herzen wie an einem Wellenbrecher, und als das Wasser sich zurückzog, blieben winzige Salzkörnchen schmerzend zwischen den Felsen seines Herzens.

Was nach guten, narrativ dichten Anfang passiert, lässt sich nur Kabarett oder dadaistische Performance mit hintergründigem Wollustverlangen verpackt in Kitsch verstehen. Eine Unzahl an Figuren, die irgendwie miteinander verwandt, verbandelt, sexuell liasoniert sind, werden eingeführt, ohne ihnen Kontur, Persönlichkeit, ohne ihnen Geschichte, ein Gesicht, ja Aussehen, eine Verbindlichkeit zu geben. Zumindest aber haben sie Sex in freier Wildbahn. Der Erzähler interessiert sich schlichtweg nicht für sie und auch nicht für seine Handlung, die symbolträchtig als ein Feuerwerk der Belanglosigkeit in einem Autounfall auf einer Straße Richtung Moskau verpufft.

Wäre nicht die schlechte Sprache, die ungekonnte Grammatik, die fehlverwendeten Adjektive und die vielen, vom Lektorat nicht behobenen Fehler, wäre nicht diese rastlose, sich selbst überholende Konfusion und das aberwitzige Räsonieren über Zeit als Illusion und Einbildung, könnte „Birobidschan“ als Witz à la Ephraim Kishons Kabinettstückchen durchgehen. So aber bleibt auch dieses Hintertürchen versperrt. Tomer Gardis „Eine runde Sache“, das ähnlich Antiliterarisches unternimmt, überzeugt da mehr, insbesondere im aberwitzigen ersten Teil voller Selbstironie und Leichtigkeit, die leider bei „Birobidschan“ vollends abhandenkommt.
Profile Image for Anna Carina.
691 reviews360 followers
January 26, 2024
Es bleibt bis zum Schluss ein chaotisches Sammelsurium an Eindrücken aus dem Leben der sozialistischen, jüdischen Gesellschaft aus Birobidschan, an der Grenze zu China, mit dem Versuch die Zeit zu durchschreiten, sie zu verwirbeln und dies als eine zersplitterte Kloschüssel der Kunst auszugeben, deren Klebstoff mit den restlichen Teilen frei im Raum schwebt.
Versatzstücke aus Philosophie und Psychoanalyse strudeln wirr und inkohärent im Wettstreit mit magischen, halluzinatorischen Einschüben um den Bedeutungsabgrund, der sich am Ende als misslungenes Experiment herausstellt.
Ich hab keine Ahnung was ich mit diesem Buch anfangen soll. Es sagt mir nichts, es unterhält mich nicht, es ist sprachlich und stilistisch eine Katastrophe. Das Buch ist anarchistischer Lärm in meinem Kopf, der sich in ein Gewand von Gesetzmäßigkeit und harten Grenzen kleidet, die überwunden werden wollen. Da steht einer schon ganz weit draußen im Nirgendwo und schreibt sich eine Einhegung zusammen, die durch zufälliges Werfen von Ereignis- und Handlungsbomben aus dem Reich des Imaginären erschüttert werden soll. Das ergibt für mich vorne und hinten keinen Sinn.

Evtl. schaffe ich es noch eine argumentativ saubere Rezension zu verfassen. Das gerade ist Gefühlschaos, das dem Stil des Buches entspricht.

Profile Image for Jan❕️Mikael.
88 reviews12 followers
September 23, 2024
Im zweiten Anlauf gleich ausgelesen. Der Roman ist immer dann gut, wenn er nicht in Birobidschan spielt, sozusagen der Road Trip Teil. Ansonsten ist die Geschichte schon gar naiv, wohlwollend märchenhaft ausgedrückt.
Profile Image for Marion.
250 reviews18 followers
November 20, 2023
Ich wusste bisher nicht, dass es ein jüdisch autonomes Gebiet in Sibirien gibt. Bereits 1909 gegründet.
Birobidschan ist davon heute die Hauptstadt.
Das Buch habe ich aber eigentlich begonnen, weil auf dem Rücken, beim überfliegen des Kladdentextes mir das Wort Tunguska ins Auge sprang.

Erzählt wird in Zeitsprüngen, aber durch die jeweils handelnden Personen behält man den Überblick.
Es gibt Liebe, Tod und undurchsichtige Ereignisse. Einzelnen Lebensgeschichten nähert man sich meist langsam.
Und dann gibt es die Reise nach Tunguska.

Von mir gibt es eine Leseempfehlung, ich mochte sowohl Aufbau und Sprache , womit ich hadere ist die Gestaltung des Buchdeckels.
Profile Image for Otto.
750 reviews50 followers
October 16, 2023
m Puzzlespiel rund um die beiden Jugendlichen Alex und Rachel, das sich vom Jahr 1932 bis ins Jahr 2007 mäandrierend zieht und in dem auch die Explosion im sibirischen Wald Tunguska im Jahr 1908 noch nachwirkt, kann man sich verlieren, darum eine mäandrierende Beschreibung, wie sie sich mir chronologisch im Leseerlebnis darstellte.

Beginnen wir mit Boris Klayn, der 1927 geboren worden ist und jetzt 2007, kurz vor seinem gewaltsamen Tod zu den ältesten Birobidschanern gehört. 1932 wird er als 5jähriger von einem wundersamen Mädchen vor dem Erfrierungstod gerettet. Ist es das Mädchen, das 2007 dann in Birobidschan plötzlich auftaucht und von Rachel und Joel im Auto nach Moskau gebracht werden soll, das Mädchen, das in Birobidschan auftaucht und sich über den nun sterbenden alten Boris beugt, der dort unter dem Baum (ist es der Baum, an dem mit Hilfe eines Strickes Aaron 1965 sein Leben beendete?) von einem Bären getötet oder doch von einer Gewehrkugel niedergestreckt wurde. Und kam die Kugel aus dem Gewehr Gregorys, der den Bärenüberfall auf Boris halluzinierte und rettend den falschen traf, wie es dann in einer Vision im Wald von Tugunska, den Sascha mit seinem Freund Gregory besuchen will, noch einmal wiederholt wird? Ist das derselbe Bär, dessen Spur vom verunfallten Auto in dem Joel und Rachel sterben, wegführt, ist es ein Kragenbär, den Arouet und David suchen, die überraschend wie aus dem Nichts in Birobidschan auftauchen und von Alex zu seiner Mutter Sulamith geschickt wird, damit diese ihnen Nachtquartier gewähre.

Sulamith hat auch ihre Probleme, zuerst verlässt die noch im Teenageralter befindliche der Vater ihres noch ungeborenen Sohnes Joel, dann verliert sie ihren zweiten Mann Jakov bei einem Zugunfall im Suff, Jakov, der Vater von Alex. Joel und Alex sind also Brüder, ungleiche Brüder, wie sich im Roman herausstellt. Rachel, die Freundin von Alex, die in der Nacht vor ihrem Tod allerdings mit Joel schläft, ist die Tochter von Josephine, einer Künstlerin, und von Gregory, der nach seinem Tugunska-Ausflug nicht mehr zurückkehrt, aber immer wieder geisterhaft in Birobidschan auftaucht.

Das sind so Handlungsstränge der Geschichte, die in bester jiddischer Erzählmanier Phantastisches und Reales miteinander in Verbindung treten lässt. Es ist, wie immer, die melancholische Geschichte eines Abgesanges auf eine Kultur, die vergangen sit und so nicht mehr auftauchen wird, aber immer in der Hoffnung eines Weiterbestehens, der ich viele Leser:innen wünsche.
Profile Image for Pascal.
309 reviews53 followers
February 1, 2024
Was ist die Hauptschlagader jedes Kleinstadtromans? Für mich ist es der distinkte Charaktere des Schauplatzes – das Gefühl, sämtliche Ecken des Ortes im Kopf zu haben, sogar wenn die Geografie nur eine untergeordnete Rolle spielt.

Der unangefochtene Meister dieser Disziplin ist wohl Stephen King, der sich zugegeben deutlich mehr Seitenfläche gönnt, um diesen Effekt zu kreieren. Doch auch ein Roman wie Dunkelblum von Eva Menasse (um bei einem enger verwandten Vergleich zu bleiben) gelingt dieses Kunststück mit Bravour.

Dass Birobidschan dieses Gefühl von örtlicher Präsenz fehlt, wurde mir erst nach 200 Seiten klar, als ich mich fragte: Wieso pralle ich immer noch an dieser eigentlich so originellen Geschichte ab?

Denn Birobidschan lebt von anekdotischen Fragmenten, tut sich dadurch aber schwer, ein kohärentes Ganzes zu formen – trotz seines starken Konzepts im Rücken. Das liegt auch daran, dass der Roman, ungeachtet seiner sonstigen erzählerischen und stilistischen Kompetenz, zu sehr in chaotische Perspektivwechsel und Zeitsprünge zerfasert.

Nahezu jede dritte Seite ist halb weiß, so kurz sind die einzelnen Kapitel. Bei dieser Art von (ich nenne es gerne) Aufmerksamkeitsspannenangst ist es schwer, den immersiven Sog zu schaffen, der lebenswichtig ist für einen Roman, der sich um einen Ort dreht und nicht um einen Plot.
Profile Image for Thomas.
10 reviews8 followers
February 18, 2024
Es war gut, aber es war zu viel gewollt auf knappen 320 Seiten. Ein paar Geschichtsstränge weniger hätten geholfen.
13 reviews1 follower
January 18, 2024
Das Buch war ganz anders als ich erwartet hab und hat mich trotzdem sehr gefesselt. Hatte mir noch mehr Aushandlung über das Leben in einem jüdischen sozialistischen Dorf gewünscht und wurde stattdessen mitgerissen von den Erlebnissen der eigenwilligen Charaktere und ihrer düsteren und philosophischen Gedanken.
Profile Image for Anna.
627 reviews40 followers
September 27, 2023
Birobidschan is a rather strange book. It took me a while to get into it, and I would still say that I felt the language was not quite there yet.

But it is also a lot of fun, and it completely loses the plot in a way that I really enjoyed! It is an Indie-Press book, nominated for the German Book Prize, and stands its ground in what I think is a strong field this year.

Tomer Dotan-Dreyfus imagines a real place, but in another timeline: The Jewish settlement of Birobischan (Biro, as he affectionately calls it) in Siberia, which existed but failed, thrives here in its own small way. We follow a small cast of characters through different times and family relationships, and in an increasingly strange way, people and memories and bears (I told you it was weird!) seem to fall together, time bending back on itself. It is absurd, it is abstract, it is naive - and I look forward to discussing the novel with others.

The ending lifts the whole thing - although you have to put up with a narrative voice that inserts itself as an author. It reads a little simplistic at times and, for me at least, takes a little too long to get going. But I am impressed to be offered a book that is not at all what I expected from the German Book Prize.
Profile Image for Estrelas.
961 reviews
October 28, 2023
„Dieser Text ist ein Experiment, der Versuch einer Umkehrung:
Kann die Zeit auch von links nach rechts, von Westen nach Osten kriechen? Kann sie von außen nach innen fließen?“

Die Handlung wird bei dem spielerischen Umgang mit Sprache und Form fast zur Nebensache. Ein genussvolles Experiment.
Profile Image for helen ☾.
147 reviews6 followers
February 9, 2025
Der Roman hat recht langsam begonnen und ich wusste nicht so ganz, wo er hinmöchte. Nachdem sich die Handlung durch das Erscheinen mancher Figuren jedoch in Fahrt gesetzt hat, wollte ich gar nicht mehr aufhören zu lesen. 320 Seiten später wurde ich mit zahlreichen Fragen zurückgelassen, die nie beantwortet werden können, aber auch nicht beantwortet werden müssen. „Birobidschan“ bewegt sich zwischen Magischem Realismus, Shtetl-Literatur, Science Fiction-artigen Elementen und dem historischem Roman, und doch ist es nichts davon.
Was mich an Prosatexten am meisten abholt, ist die Erzählweise. Im Falle dieses Romans haben wir einen Erzähler, den ich so noch nicht erfahren habe. Einerseits wirft er Fragen der Unzuverlässigkeit auf, andererseits wird so sehr mit Räumen und Zeit gespielt, dass es sich fast schon übernatürlich anfühlt.
Für mich ist „Birobidschan“ vor allem das Experimentieren mit der Erzählweise, was mich zu dem Schluss bringt, dass die einzig relevante Frage im Kontext dieses Romans folgende ist: Was passiert mit einer Geschichte, mit ihren Figuren, Räumen, Zeit(en), wenn der Erzähler seine Akteure völlig loslässt und zu spät wieder einfängt?
Profile Image for Rona.
10 reviews
February 12, 2026
(Vier Sterne? Viereinhalb? Man kann auch einfach mal fünf geben, vielleicht. Jetzt ist es halt so.)

Dass es 'verblüffend' oder sogar "absurd, märchenhaft und radikal" werden könnte, steht ja schon außen drauf. Hat mich dann aber nochmal ganz anders abgeholt!

Von der historischen Grundlage, der utopischen (und natürlich problembeseiterischen) Idee einer jüdischen autonomen Verwaltungseinheit mitten im Sozialismus und dennoch so weit weg im sibirischen Osten, dass es schon an der Grenze zu China liegt, ist in Birobidschan nicht mehr allzu viel übrig. Ist aber auch okay, das Spielen mit Fiktion und Realität scheint gerade ein wiederkehrendes Thema in meinen Lektüren zu sein.
Jedenfalls! So viele Figuren, dass man zwischendurch Stammbäume und sonstige Hilfsdiagramme zeichnen möchte, aber die allermeisten wunderbar umgesetzt. Narratologisch unglaublich spannend umgesetzt (z.B. 11f., 179, 237, 310, 317). Sprachlich durch die Einflüsse aus der hebräischen Muttersprache des Autors voller schöner und faszinierender Formulierungen oder sogar Wortneuschöpfungen, ohne typisch deutsch zu verschachteln (das Hebräische bevorzugt wohl kürzere Satzstrukturen, im Gegensatz zu dieser Rezension). Kurze Kapitel und eine Erzählweise, bei der man dranbleiben möchte und das selbst im Zeitalter von Kurzvideo-Scroll-Aufmerksamkeitsspannen auch kann. Das Thema Zeit würde locker eine eigene Abhandlung verdienen.
Und mein persönliches grande finale: Zahlreiche und sehr spannende Anknüpfungspunkte an Theorie und Philosophie. Bisher drängt sich vor allem die Romantik auf (Bezug und Verhältnis zur Natur, Fragmente und Unvollständiges, Märchenhaftes, Liebe und Gefühle), siehe Schlegels Theorie zum Roman (wie auch hier in Birobidschan verschiedene Textsorten eingebaut sind, von intertextuellen Referenzen bis zur Behandlung von Büchern oder dem Einbauen von Gedichten; Letzteres lässt auch etwa an Eichendorffs Taugenichts denken), aber auch andere Strömungen, die sich mit Mischformen auseinandersetzen und Texten erlauben, aus abgeschlossenen Rastern auszubrechen und dem Lesern mehr zuzumuten (zum Beispiel Adornos Essay als Form).

Mein Fazit kann nur ein Zwischenfazit sein: Ich muss das Ding unbedingt noch mehrmals lesen, um die bisherigen Gedanken zu Ende denken zu können (kann man das jemals?) und bisher Unentdecktem nachzugehen!
Profile Image for Esther.
Author 3 books50 followers
March 30, 2024
Dieses Buch lässt mich verwirrt aber doch sehr gut unterhalten zurück.

Als erstes musste ich mal eine Personenaufstellung zeichnen, um überhaupt zuzuordnen, wer zu wem gehört und wer mit wem in welche Zeitspanne gehört. Denn obwohl man glauben mag, Birobidschan sei mit seinem etwa ein Dutzend Familien ein kleines, beschauliches und überschaubares Dorf, passiert dort doch überraschend viel..

Es gibt, wie schon erkennbar ist, einen Haufen Verschwinden, aber auch einige verwirrte Liebesgeschichten und eigentlich passiert gar nicht viel, trotzdem schafft es der Autor, brisante Themen wie Vertreibung der Juden, Kriegsflüchtlinge und das Leben von orthodoxen Juden zu beschreiben und zu kommentieren.

So richtig kann ich den Finger nicht auf all die Dinge legen, die mich in diesem Buch stutzig gemacht haben und wohl als Magischer Realismus eingeordnet werden könnten. Es sind Halluzinationen von einzelnen, es sind Personen die nur von manchen Einwohnern manchmal gesehen werden oder die sich in Tiere verwandeln, Tote die ihre Familienmitglieder weiterhin besuchen, bewachen und beschützen.

Ich fühlte mich auf jeden Fall gut unterhalten und hatte vor allem viel Spass an der sehr originellen Sprache des Autors. Aber um die Geschichte irgendwie auf die Reihe zu bekommen, müsste ich sie wahrscheinlich ein zweites mal lesen.
Profile Image for Wedma.
438 reviews11 followers
October 17, 2023
Zugegeben, ich war neugierig. Was kann in einem Roman mit diesem Titel und so einem düsteren Cover stecken? Erwartungen hatte ich keine. Das war auch gut so.
Das Werk erlebte ich als etwas unentschlossen mäandernd, was den Aufbau und die Handlung angeht. Erst ist es wie ein Gemälde, recht statisch, ein Leben in einer eher kleinen jüdischen Gemeinde im südlichen Teil des Fernen Ostens Russlands wird geschildert. Recht gemütlich. Dann wird es eine Art Krimi, da stellen sich so etwas wie Ermittlungen ein. Später sind die Hauptfiguren unterwegs zu den Sehenswürdigkeiten, die mitunter weiter weg liegen. Und zwischendurch tauchen unerklärliche Gegebenheiten oder auch Personen auf und verschwinden genauso plötzlich, wie sie aufgetaucht sind, wieder.
Der Roman lebt von den Figuren und vom augenzwinkernden, leichtfüßigen Humor. Die Figuren, aller Altersstufen, hat man wie lebendige Menschen vorm inneren Auge: wie sie leben in ihrer kleinen Gemeinde, was ihnen wichtig ist, wie und warum die Leben einiger Mitglieder so verlaufen sind usw. Eine Hommage an die vergangene Zeit.
Diesen Humor habe ich sehr gemocht. Ohne wäre das Ganze eher Trist. Aber diese leichte, humorige Art zu erzählen hat das Ganze nicht nur schön aufgefrischt, sie hat den Roman für mich in einen angenehmen Begleiter für einige Lesestunden am Abend verwandelt. Insofern passt das düstere Bild des Covers nicht wirklich.
20 reviews1 follower
April 3, 2024
Das Setting des Buches verspricht sehr viel mehr als letztlich aus dem Buch gemacht wurde. Die Charaktere sind eigentlich auch gut gewählt. Leider fehlt ein roter Faden und es wirkt als hätte sich der Autor einfach irgendwann verzettelt. Dazu kommen unnötige Ausflüge ins Philosophieren über die Zeit, die nicht wirklich tief gehen. Man hätte mehr daraus machen können. Das Lesen fällt aufgrund der vielen Charaktere und mancher gleicher Namen auch oft schwer.
133 reviews
May 6, 2024
Wilder Ritt durch die Jahrzehnte, Stakkato der kurzen Kapitel. Die Spannung hält sich teilweise durch die vielen parallelen Stränge. Bin 4/5tel durch mit dem Buch und hoffe auf kein allzu schwaches Ende.
1 review
August 28, 2024
Das Buch erfüllt thematisch für mich alle Vorraussetzungen für eine relevante, erfüllende Lektüre - aber es war dann doch sehr schwer, am Ball zu bleiben. Der Autor hat einen großen Wortschatz, doch irgendwie fehlt es dem Buch an Substanz & Struktur.
Profile Image for Dara Kossok-Spieß.
176 reviews3 followers
August 13, 2024
Nicht mein Tempo, nicht mein Thema, nicht meine Figuren.
Ich konnte nichts mitnehmen aus der Leseerfahrung.
70 reviews2 followers
January 14, 2025
A mesmerizing fabric of people and time, so real that it feels you could simply take a single step into the page and be surrounded by the strange beauty of Siberia.
Displaying 1 - 25 of 25 reviews

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