Ein ehemaliger Soldat. Eine junge Afghanin. Ein mysteriöser Stalker. Seiner Vergangenheit entkommt niemand.
Ein Jahr nach seinem Ausscheiden aus dem Kommando Spezialkräfte soll der traumatisierte Ex-Soldat Lukas Keller die junge Afghanin Zahra beschützen, die sich von einem Unbekannten verfolgt fühlt. Der Stalker ist rasch identifiziert und scheinbar leicht zu vertreiben. Doch Keller ahnt nicht, dass er es mit einem eiskalten Serientäter zu tun hat. Und dieser bleibt nicht der einzige Verfolger Zahras. Als die Ereignisse sich zuspitzen, muss Keller erkennen, dass niemand den Geistern der Vergangenheit entkommen kann – und dass diese nicht nur Zahra, sondern auch ihn selbst vernichten könnten.
Temporeich, packend, kompromisslos – DER BESCHÜ SCHATTEN
Die Geschichte beginnt relativ locker. Lukas Keller, ehemaliger KSK-Soldat, zuvor in Afghanistan stationiert, soll eine junge Frau beschützen, die vermutet, einen Stalker zu haben. Ein entspannter Willkommens-Auftrag für Keller in seinem neuen Job und um sich mit einem Team anzufreunden - denkt er. Die Ereignisse entwickeln sich dann doch völlig anders, als er, sein Chef oder seine Kollegen es befürchtet (oder gehofft) haben. Denn das Wespennest, in das sie gestochen haben, ist viel größer.
Das Buch hatte viel, das ich von einem Thriller erwarte. Viele düstere Vorahnungen, von denen sich manche bestätigten, manche noch übertroffen wurden und manche sich in Luft auflösten. Eine unvorhersehbare Handlung, die aber nicht völlig abwegig war. Ein trügerisch entspannter Einstieg, bevor sich die Ereignisse überschlagen und man durch die Seiten gezogen wird. Manche Szene am Schluss war für mich persönlich hart an der Grenze zum Erträglichen - das Buch ist nichts für schwache Nerven - aber es wurde dem Grauen gerecht, das es schildert. Sehr gefallen hat mir auch, dass gesellschaftliche Themen Platz gefunden haben. Ob nun die psychische Belastung von Veteranen, die es auch in Deutschland gibt, die mangelnde Handhabe für Opfer gegen Stalking oder die Überlastung von Strafbehörden. All das hatte Platz in dieser Geschichte und passte auch sehr gut da hinein. Im Nachwort finden sich sogar zahlreiche Zusatzinformationen und weiterführende Quellen für Betroffene und Angehörige. Großes Lob dafür! Bücher, die auch die Täterperspektive abbilden, betrachte ich zunächst erstmal mit Skepsis, aber Oliver Gross hat mich auch an der Stelle überzeugt, denn die Auszüge aus Tätersicht dienen nicht dazu, die Taten zu rechtfertigen oder eine Täter-Opfer-Umkehr zu beschwören. Sie erhöhen die Spannung, dadurch dass man als Leser einen kleinen Wissensvorsprung gegenüber Lukas Keller und seinem Schützling hat (und man dennoch im Verlauf überrascht wird), man erfährt auch teilweise etwas über die Hintergründe, aber nirgendwo werden die Taten entschuldigt und die Belastung und das Leid der Opfer wird nicht durch die Tätergeschichte verdrängt.
So einen Thriller hab ich noch nie gelesen. Es könnte sich ohne Probleme um eine Vorlage für einen richtig guten Actionfilm handeln.
Das ganze Buch war spannend, schnell und ausgezeichnet geschrieben. Trotz der Geschwindigkeit, die der Thriller an den Tag legt, hat der Autor an den richtigen Stellen das Tempo rausgenommen und der Geschichte ihre Zeit gegeben. Die Spannung war zum Teil wirklich kaum erträglich und man wollte das Buch nicht aus der Hand legen.
Die Kapitel, die aus der Perspektive des Täters geschrieben sind, haben dem ganzen noch die richtige Menge an Grusel gegeben.
Der einzige Kritikpunkt - mit Zahra wurde ich nicht warm. Nicht weil sie unsympathisch war, sondern weil sie meiner Meinung nach zu wenig Platz in der Geschichte hatte. Ich hätte mir gewünscht sie besser kennenlernen zu dürfen und dass die Beziehungen zwischen ihr und den restlichen Protagonisten tiefer gewesen wären. Dafür mochte ich die anderen Charaktere um so mehr. Vor allem Lukas Keller, der Hauptprotagonist, aus dessen Perspektive wir lesen, hat mich absolut überzeugt.
Ein Thriller der einen den Atem raubt und mich wirklich in allen Bestandteilen an einen Film erinnert hat, den ich wirklich gerne schauen würde.
Endlich kam ich in den Genuss des Hörbuchs von Oliver Gross' Debüt, gesprochen von Robert Cetto. Was eine Achterbahnfahrt! Keller ist ein realistischer und deutscher Bourne. Also, finde ich. Nichts ist übertrieben, unrealistisch oder over top. Er ist menschlich, hat Schwächen und das hat mich in den Bann gezogen. Er trägt ein schweres Päckchen mit sich, dass sich immer wieder etwas auspackt und uns Schicht für Schicht präsentiert. Die gemeinsame Vergangenheit von ihm, Stevie und Robert wird mit viel Blick fürs Detail, Realismus und den nötigen Respekt für echte Schicksale aufgebaut. Chapeau! Die Geschichte ist fesselnd! So fesselnd, dass ich mehrmals die Zeit vergessen habe. Und hinter jeder Ecke, hinter jedem Gefühl, dass die Story sich zu Ende neige, dass man wüsste, was gleich passiere und wie es endet, kam ein neuer Plottwist, ein neuer Turn um die Ecke! Wieder und wieder! Die Spannung wird von Kapitel zu Kapitel angehoben und man fiebert ständig mit. Auch waren die Kapitel des Schatten soooo geniale Einblicke, so eine krasse Perspektive und Twist! Ich hab mit die Lippe vor Spannung fast blutig geknabbert, so sehr war ich in der kurzweiligen Geschichte gefangen!