Für den Germanisten Michael Maar ist Proust „der größte [Autor], den die Romankunst gesehen hat.“ Der schmale Band „Proust Pharao“, welchen die Büchergilde zum 100. Todestag neu aufgelegt hat, beinhaltet eine Sammlung von sieben literaturwissenschaftlichen Essays, in denen Maar den Autor und seine Werk „Auf der Suche nach der verlorenen Zeit“ vorstellt. Er vergleicht Marcel Proust und Thomas Mann und zeigt die Parallelen in ihren Werken, der Recherche und dem Zauberberg. Maar deckt neue Verbindungen zwischen Werk und Autor auf, in dem er einigen Beziehungen zwischen Proust und den realen Vorbildern seiner Romanfiguren nachspioniert. Dabei ist Maar nicht unkritisch sondern zeigt auch kleinste Fehler und Unstimmigkeiten bei Proust auf, was seiner Bewunderung für Autor und Werk jedoch keinen Abbruch tut: „Im Frühjahr 1922 klingelt Proust nach Céleste und sagt ihr mit strahlendem Lächeln, er habe das Wort Fin geschrieben; jetzt könne er sterben. Ab jetzt konnte er seinen körperlichen Verfall mit dem Gefühl betrachten, das der leidende Nietzsche mit der maliziösen Freude verglichen hatte, einem Einbrecher dabei zuzusehen, wie er sich an einem Tresor abmüht, den man längst geleert weiß.
Das Beste hatte er in sein Werk gerettet. Diese Werk steht singulär in der Literatur. Proust beschrieb es als ein Druidenmal auf dem Gipfel einer Insel, die nie jemand betreten werde. Aber es ist mehr als das. Auf der Suche nach der verlorenen Zeit ist das Große Haus, nach dem der ägyptische König hieß und das dem legendären Leuchtturm von Pharos Taufe stand. … Proust Pharao - leuchtend für alle, die durch den Nebel navigieren. Und wer von uns navigierte nicht durch ihn?“ (S. 13)