Hauptkommissarin Seyfarth auf den Spuren eines Seriekillers.
Auf unterschiedlichen Spielplätzen Berlins werden abgetrennte Körperteile gefunden. Eine Nase, zwei Ohren und Augen. Jede Woche, in den Nächten von Montag auf Dienstag, kommt ein anderes Teil hinzu. Von den Serienkiller und den Opfern fehlt jegliche Spur.
Als der abgetrennte Kopf eines jungen Mannes auftaucht, bestätigt sich ein grausamer Verdacht.
Für Hauptkommisarin Monika Sezfarth und ihren Kollegen Vincent Schröter beginnt ein Wettlauf mit der Zeit. Und eine Verfolgung die die Jäger zu Gejagten macht.
Berlin und ein abgelegener See im südlichen Mecklenburg-Vorpommern, 2010-er Jahre; Genre: Serienmörder-Krimi.
Bei der Leserwertung auf der Site „Krimi Couch“ schneidet dieses Buch mit 70 Grad (von möglichen 100) ab. Das sollte einem zu denken geben, denn ein schwacher Maigret wie „Maigret und das Dienstmädchen“ kommt auf 84, ein schwacher Aurelio-Zen-Krimi wie „Cosi fan tutti“ auf 92, ein schwuler Serienmörderkrimi von einer Frau, „Mord auf der Klappe“, auf immerhin 91 Grad.
Zwei Leser haben dort Rezensionen hinterlassen. Der erste spricht von Dullins „angenehmem Schreibstil“ und behauptet, des Autors Spaß beim Schreiben sei offenkundig. Markus Dullin überzeuge mit vielen Detailbeobachtungen und großer Fachkenntnis. (Dass Mord nicht verjährt, scheint Dullin tatsächlich gewusst zu haben, dass man nicht zweimal für dieselbe Anklage verurteilt werden kann, eher nicht.)
Das blieb etliche Monate so stehen, bevor der zweite Leser einwarf, das halbe Buch hänge daran, dass dieser Täter mehrere Leute aussucht, um ihnen Teile vom Kopf bzw. aus dem Gesicht zu schneiden, damit aus diesen Körperpartien ein gemeinsames Gesichtsbild zusammendigitalisiert wird, das (übrigens: nur durch eine verbotene Indiskretion) an eine Boulevardzeitung durchgestochen, von dieser auf die Titelseite gehoben wird. Weil erst dadurch die Person, auf die der Killer letztlich wirklich abzielt (und von der er die ganze Zeit schon weiß, wie er sie finden könnte), seine schreckliche Drohung empfängt. Das zusammengepuzzlete Gesicht gleicht nämlich dem einer dritten, noch lebenden, der Angesprochenen nahestehenden Person. Sie wird kombinieren, dass sie die Tötung der ihr lieben Person nur verhindern kann, wenn sie sich selbst dem Mörder ausliefert. Den dafür vorgesehenen Schauplatz kann sie finden, wenn sie auf einer Mecklenburg-Landkarte die Wohnorte der Getöteten (die sie anscheinend irgendwie von der Polizei in Erfahrung bringen kann) mit Linien verbindet, die sich irgendwo schneiden. Der zweite Rezensent fand so einen Plot vollkommen hirnrissig und extrem unglaubwürdig. Dem schließe ich mich an.
Wer diesen Krimi liest, wird dabei noch gravierendere Zweifel an Markus Dullins Persönlichkeitsstruktur entwickeln, als ich sie bei meiner Lektüre seines Debüts, „Schwarzlicht“ schon verspürte. Sagen wir mal so, nicht jeder kommt auf so merkwürdige Fantasien. Aber auch das Handwerkliche bricht ihm hierbei das Genick. Irgendetwas zwingt diesen Schriftsteller dazu, jedes Mal zu viel zu tun, es stark zu übertreiben. In den ersten Monaten seiner Arbeit scheint er jeweils vom Horror gehetzt worden zu sein, sein Fall könnte zu simpel ausfallen, sein Buch zu kurz geraten, um es es einem Verlag anbieten zu können. Auf den ersten Story-Twist wird ein zweiter gesattelt, aber nicht genug damit, auch der dritte, der vierte muss noch kommen, der Leser käme sich sonst nicht oft genug genarrt und eher unterfordert vor.
Ein Autor, der uns wie ein extrem cleverer Spieler vorkommen will. Unterdessen übersieht er (oder das Lektorat, aber bei kleineren schwulen Verlagen in Deutschland scheint das mit der Einführung des Lichtsatzes gestrichen worden zu sein) sehr viele Grammatikfehler. Größte Schwäche sind die Nebensätze, dass-Nebensätze, die sich gerne mit Infinitivkonstruktionen vermengen, „dass“ und „zu“ also im selben Nebensatz. Dazu immer wieder eine Stilistik und Wortwahl, die mit Gefühllosigkeit wuchert, als müsste man über einen Perversen in einer schnippischen, menschenfeindlichen Sprache schreiben, alles andere würde vielleicht unprofessionell oder sentimental wirken.
Bei all den Verwicklungen und überraschenden Richtungswechseln gelangen wir irgendwann an einen Punkt, wo nicht nur wir Leser es nicht mehr voll durchschauen, sondern sogar unser Autor Dullin vergessen zu haben scheint, welchen Zeugen zwar nicht die ermittelnde Kommissarin, aber einer ihrer Mitarbeiter schon einmal getroffen und als verlogen in Erinnerung behalten hatte, sodass er sie jetzt, wo sie ihm am kleinen See in Mecklenburg vor einem dubiosen Haus begegnen, warmen könnte. Oder, wie noch mal war das? Welcher von zwei Männern war der mit dem versehrten Gesicht? Markus Dullin hat im Kino gewisse US-Thriller wie „Face/Off“ gesehen und ist gierig darauf, seine zwei Polizisten, ohne Geleitschutz, ohne Handyempfang, ohne die Zentrale je ins Bild gesetzt zu haben, sich an zwei verschiedene Häuser anschleichen zu lassen, die der Leser möglichst lange miteinander verwechseln müsste, sie darin an zwei verschiedene Männer geraten zu lassen, von denen der eine viel gefährlicher als der andere ist. Der Leser sollte bis hierhin den weniger Üblen für das Monster gehalten haben, während die Polizisten sowieso noch keine Ahnung haben, weil sie nicht die Kapitel kennen, die Dullin aus der Perspektive des Mörders verfasst hat.
Das Buch hat etwa 250 Seiten. Die sind eng bedruckt. Zwei Jahre danach ist in derselben Reihe, in ähnlicher Ausstattung ein nur halb so langer Krimi erschienen, dessen Satzspiegel dann viel luftiger war, dennoch hat man denselben Preis dafür verlangt. Faktisch hat es den Zwang zum noch was und noch was und dann immer noch mal was Dazu-Erfinden für Markus Dullin also nicht gegeben.
Der Roman will nachtschwarz und absolut kaltherzig aussehen. Die widerlichen Taten eines restlos Übergeschnappten sollen sehr cool und aus dessen eigener Sicht beschrieben werden. „Seven“ und „Das Schweigen der Lämmer“, er hat sie bewundert. Unbeteiligte treten kurz mal auf, dann werden sie geschlachtet. Weiter hinten im Buch wird einem alten Mann ein Schraubendreher mit einem einzigen Versuch mitten ins Auge gestoßen, er kippt um, zappelt noch eine Weile im Gras, dann ist er tot. Ein Zufallstoter, dass er tot ist, hilft dem Mörder kein Stück weiter, der Typ hatte nur Pech, im falschen Augenblick vorbeizukommen, an einer Stelle, wo Dullin dachte, hier noch bisschen Horror, das wär gut. Eine alte Frau wird am Gürtel ihres eigenen Schlafrocks aufgeknüpft, weil ihr Mann im Begriff war, das Haus des Mörders am Seeufer auszuspionieren. Dem vorher mal Erwähnten hat man das Gesicht versengt, damit man ihm eine versprochene Beute vorenthalten kann, er dennoch weiter für einen arbeitet. Wie logisch das im Einzelnen dann auch sein mag, Herr Dullin wird schon wissen.
In den Nächten werden irgendwelche Ketten um tote Körper geschlungen und, damit sie in den See nicht nur sinken, sondern auch unten bleiben, werden die Ketten mit großen Steinen beschwert, wofür man diese zuerst noch durchbohrt. Steine bohren? Aber ja, Dullins Sachkenntnis. Jedoch muss der Mörder gewisse Niveauunterschiede respektieren. Die einen Ermordeten sind so wertvoll, dass sie nie wieder auftauchen dürfen, die anderen sind so unwichtig, dass sie schnell mal im seichten Uferbereich erledigt und schwimmen gelassen werden. Andere wiederum zerhackt man lieber im Keller und dort vergammeln sie dann.
Dazu noch ein wenig Originalton, den ich als Spoiler verstecke, weil man nach dem Lesen einen Namen zuordnen kann, den Dullin, wie eigentlich alles, erst viel später aufdecken wollte.
Fun, in spite of the fact that the premise and its development are quite unbelievable. Although it was published by Querverlag, the only gay characters are minor ones, Seyfarth's 18-year old son, and a colleague of hers who's about to retire.