Graureiher jagen neben einer Berliner U-Bahn-Station, Füchse dösen im Kölner Klingelpützpark in der Sonne, und vom Aussterben bedrohte Graukopf-Flughunde hängen in den Bäumen nahe der Oper von Sydney. Unübersehbar drängt die Wildnis in die Städte, ehemals scheue Tierarten werden Teil der Stadtnatur. Dabei findet sich zwischen Stein, Beton und Asphalt eine erstaunliche Vielfalt der Arten. Nirgendwo lassen sich so viele heimische Vogelarten (mehr als 150) auf so kleiner Fläche beobachten wie in Berlin schon gar nicht in der viel gerühmten, aber intensiv genutzten freien Natur. Wie ist das zu erklären? Sind unsere Städte zu Oasen aufgeblüht, während das Land ringsherum zur Agrarwüste verkommt? Was sagt diese Vielfalt über die Qualität der Lebensräume in Stadt und Land aus? Was müssen Tiere mitbringen und wie müssen sie sich verändern, um in unserer Nachbarschaft überleben zu können? Und wie beeinflussen diese Begegnungen unseren Umgang mit der Natur? Mit eindrucksvollen, höchst anschaulich erzählten Geschichten nimmt uns Bernhard Kegel mit auf Forschungsreise in die Stadtnatur und öffnet unsere Augen für die Wildnis vor unserer Haustür.
geboren am 23. Dezember 1953 in Berlin wohnhaft in Berlin und Brandenburg Studium der Chemie und Biologie an der Freien Universität Berlin, Diplombiologe, Forschungstätigkeit, Arbeit als ökologischer Gutachter und Lehrbeauftragter
1986-1991 Wissenschaftlicher Mitarbeiter am Institut für Biologie der TU Berlin, Arbeitsschwerpunkte Zoologie (Insekten, Käfer) und Ökologie, Lehrtätigkeit
1991 Promotion zum Dr. rer. nat. mit einer agrarökologischen Arbeit über Nebenwirkungen von Pflanzenschutzmitteln auf Bodentiere, zahlreiche wissenschaftliche Veröffentlichungen
1992-1995 Koordinator und Bearbeiter einer zoologischen Bestandsaufnahme („Monitoring“) aller Naturschutzgebiete von (West-)Berlin im Auftrag der Senatsverwaltung für Stadtentwicklung und Umweltschutz Seit Mitte der Siebziger Jahre Gitarrist in diversen Berliner Jazzbands, u.a. Riff, Acoustic Guitar Orchestra Berlin, Elefanten, UTE KA Band, Animato, Sitarstudium bei Ustad Imrath Khan, produzierte 5 LPs/CDs 1993 erschien als erste Buchveröffentlichung der Roman Wenzels Pilz, danach weitere Romane und Sachbücher, mehrere Preise, seit 1996 freier Autor und Wissenschaftspublizist
Tolles Buch indem wir nicht nur viel über die Stadtnatur, sondern auch über unsere Gesellschaft lernen können:" Die meisten Amerikaner können zwar hunderte von Logos identifizieren, aber keine 10 einheimischen Pflanzenarten."
Zu Beginn war ich etwas skeptisch aber nach kurzer Zeit fand ich sehr interessant. Besonders die Seiten über Insekten fand ich sehr spannend, aber das liegt vielleicht auch daran, dass ich mich selbst sehr für Insekten interessiere. Wenn Du ein Buch über die Hintergründe wie sich manche Organismen mit uns Menschen in oftmals nächster Nähe arrangieren suchst, kann ich dieses Buch empfehlen.
Es ist auch keine Verschönerung „oh schau mal, den Tieren gefällt es in der Stadt“. Der Autor geht auf geschichtliche Hintergründe ein, wie sich unser Leben mit Tieren und Pflanzen im Laufe der Geschichte entwickelt hat. Kurze Einblicke in mittelalterliche Städte fand ich ebenso spannend, wie die Gründe warum und für welche Zeiträume sich bestimmte Organismen in unseren Dörfern, Städten und Häusern „eingebürgert“ haben. Welche wir im Laufe der Jahrhunderte oder Jahrtausende eingeladen, domestiziert, gegessen und nach getaner Arbeit verteufelt haben.
Es geht um Anpassungsfähigkeit, das Nutzen von Ressourcen und oftmals auch um das Glück als Organismus von uns Menschen gemocht und dann eingeführt zu werden. Hat mir gut gefallen.
Als mir zum ersten Mal in einer deutschen Großstadt ein frei lebender Halsbandsittich entgegen flatterte, konnte ich mir noch nicht vorstellen, dass aus anderen Klimazonen eingewanderte Tiere in Deutschland überleben würden. Mit aus dem Ausland zugewanderten Pflanzen und Tieren, sowie Umsiedlern aus dem Umland der Städte befasst sich Bernhard Kegel in seiner Naturgeschichte der Stadt. Als gebürtigen Berliner, der als Kind auf Trümmergrundstücken und verwilderten Brachflächen spielte, hat die noch junge Wissenschaft der Stadtökologie den gelernten Biologen besonders interessiert. Kegel, der sich sehr belesen darin zeigt, wie die Belletristik Fuchs und Hase darstellt, referiert zum Thema Wildtiere in der Stadt Forschungsergebnisse aus diversen Ländern. Als Leser wird man zukünftig die Stadt Warschau mit anderen Augen betrachten, als außergewöhnlich umfassend erforschten Lebensraum für Tiere. Vom Kindchen-Schema (vierbeinig, Fell, runde Augen) muss sich der Leser bereits in Kegels ersten Kapiteln verabschieden. Zunächst geht es um wenig kuschelige Tiere mit sechs oder acht Beinen, Parasiten, die Mensch und Tier auf der Pelle hocken. Doch wer die wenig putzige Kegelsche Floh- und Milbeninvasion im Buch überstanden hat, kann anschließend in seine fesselnde Betrachtung der Stadt als urbane Wärmeinsel abtauchen. Man erfährt von den Wegen, die Pionierorganismen gern für die Zuwanderung nutzen, welche Lebewesen besonders vom menschlichen Wunsch nach langweiligen Zierrasenflächen profitieren und welche Flächen schnell von Neophyten besiedelt werden. Vögel haben eine Lobby unter Menschen und ihre Verbreitung ist darum sorgfältig kartiert und erforscht. Am Beispiel der Vögel unternimmt der Autor eine interessante Exkursion bis in die Zeit zurück als der Anblick von Greifvögeln Stadtbewohnern sehr viel vertrauter war als in der Gegenwart und als Menschen Schlangen in ihrer unmittelbaren Umgebung duldeten, da sie Haus und Garten mäusefrei hielten. Faszinierend fand ich Kegels Blick auf Kriege, Großfeuer und andere Katastrophen, die durch die Verwüstung Platz für eine Neubesiedlung durch Pflanzen und Tiere schaffen. Zur Belohnung für die, die bis hierhin durchgehalten haben, folgen nun Einblicke in das Leben des ordinären Großstadtfuchses. Von einigen liebgewonnen Schlüssen muss man sich als Kegel-Leser verabschieden. Ökosysteme funktionieren längst nicht so simpel wie die verbreitete Erklärung: Katzen jagen Singvögel, also sind Katzen die Ursache für den Rückgang städtischer Vogelpopulationen.
Bernhard Kegel hat mit seinen Krimis gezeigt, dass er ein breites Publikum unterhalten kann. Seine Naturgeschichte der Stadt ist mit Humor verfasst und geprägt vom Aufwachsen des Autors im Berlin der Nachkriegszeit. Kegel macht die eingeschränkte Sicht deutlich, mit der wir unsere tierischen Mitbewohner oft bewerten, und bietet seinen Lesern einen ungewohnt breiten Blickwinkel auf ökologische Zusammenhänge.
Es geht nicht in erster Linie um Säugetiere, wie das Cover vermuten läßt sondern auch um Vögel und vor allem um kleineres, oft unbeachtetes Getier. Hier kann man erstaunliches erfahren über Vogelnester mit Zigarettenkippen und allgegenwärtige Milben. "Was sich zum Beispiel in der bayrischen Kleinstadt Pocking bei Passau abspielte, war der Albtraum jedes Häuslebauers. ... eine nicht enden wollende Kette von Heimsuchungen." (Seite 294) Modermilben, Staubläuse, Springschwänze, andere Staubläuse, wieder Milben. Was solls, man erfährt auch etwas über Pioniere die in die Städte ziehen und dort seßhaft werden und was es mit dem verschwinden der Spatzen auf sich hat. Für Naturfreunde, lesenswert.
1. Satz - ich sehe ihn fast jeden Tag und doch habe ich mich nicht an seinen Anblick gewöhnt. letzter - Vielleicht kann dieses Buch etwas dazu beitragen.
„Bernhard Kegels Buch ist eine Liebeserklärung. Zum einen an die vielen Lebewesen unterschiedlichen Arten und Größen, die in der Großstadt heimisch sind, zum anderen an die Großstädte selbst […] in bester wissenschaftsjournalistischer Manier versammelt der Autor aufschlußreichen Studien und verbindet sie mit Anekdoten und Porträts […] die Gefahr, den biologisch wenig gebildeten Leser zu überfordern umgeht er elegant.“ FAZ
„Äußerst unterhaltsam schildert Kegel Anekdoten aus seinem Biologen-Alltag, blickt zurück in die Geschichte unseres Zusammenlebens mit Tieren aller Art und räumt mit gängigen Missverständnissen auf.“ KSTA
„Die gute Botschaft dieses herrlichen Buches: Du bist nicht allein! Insofern kann die Lektüre, über einen kleinen Sommer, unser Leben verändern, nämlich den Blick auf uns selbst – und die Welt um uns.“ ZEIT
„Hier treten wir ihnen ohne Angst und Gier entgegen: Der Chemiker, Biologe und Jazzgitarrist Bernhard Kegel hat ein kluges Buch über Tiere in unseren Städten geschrieben […] ein Buch für alle Stadtbewohner, die Lust haben, die Augen aufzumachen.“ SÜDDEUTSCHE ZEITUNG
"Eine höchst spannende Lektüre." DRADIO
"Kegels Buch ist großartig, weil es die ganze Breite der städtischen Umgebung darstellt und es uns klarmacht, dass wir gar nicht für uns sein können." BERLINER ZEITUNG