oh man, ich bin total verwirrt und weiß gar nicht so recht was das Problem ist. Ich liebe Sarahs Geschichten und kann irgendwie gar nicht glauben, wie sehr ich dieses Buch nicht mochte. Wo ich doch die what if Reihe und auch den ersten Teil der DA Reihe (auch wenn ein bisschen weniger) so so gern mochte.
Ich mag das Setting, auch wenn es meiner Meinung nach kein Dark Academia ist, liebe ich dieses Internatding. Mich stört es auch nicht, dass die Charaktere etwas jünger sind, ich denke dass müssen sie auch sein, denn sonst wäre das Drama was geschoben wird noch unrealistischer als es schon ist lol. Ich mag die Dynamik in der Freundesgruppe, besonders Henrys und Charles Freundschaft liebe ich sehr. Sie erinnern mich ein bisschen an meine Beste Freundin und mich und das fand ich schön. Ich mag auch einfach wie Sarah schreibt, weswegen ich wohl oder übel egal wie gemein ich hier gleich klingen werde, für immer alles lesen werde was sie schreibt.
In Anyone geht es um Charles und Victoria. Die beiden sind Beste Freunde und ineinander verliebt, allerdings trauen sie sich nicht es auszusprechen und oh mein Gott ich habe noch nie etwas nervigeres erlebt. Die beiden haben keine Misskommunikation, sie haben gar keine Kommunikation. Und es hört noch nichtmal auf nachdem sie sich nach 300 Seiten endlich aufraffen und sich ihre Gefühle gestehen.
Dieser Roman nutzt sehr viele Muster, die mir auch schon in Anywhere aufgefallen sind. Jedoch stören sie mich hier irgendwie deutlich mehr. Zunächst liegt der Fokus die ersten 220 (von 454) Seiten auf einer ganz anderen Beziehung als die der Protagonisten. Tori dated Valentine und er ist so ziemlich die textbook Definition von toxischem Boyfriend. Toris POVs belaufen sich auf ellenlangen inneren Monolog in dem sie sich einredet, dass er all die gemeinen Dinge, die er zu ihr sagt doch eigentlich gar nicht so meint. Und ja natürlich war es in gewisser Weise die Intention der Autorin zu zeigen, was eine toxische Beziehung mit einer Person anstellt, andererseits fand ich es in Teilen einfach zu doll und zu on the nose. Vor allem weil ganze Sätze ständig wiederholt wurden und man fast denselben Gedankengang drei bis vier mal gelesen hat.
Was ich außerdem total Schade fand ist, dass obwohl die Romance von Tori und Charles, so wenig Platz auf den Seiten eingenommen hat, keine anderen Plots so richtig in den Vordergrund getreten sind. Und es gab genug Potenzial. Tori hat einige Familienprobleme, die immer mal wieder erwähnt werden, jedoch nie die volle Aufmerksamkeit bekommen (und am Ende findet es (aus dem Nichts) eine sehr einfache Lösung). Außerdem scheint sie viel zu lesen und führt sogar aktive Social Media Kanäle auf denen sie über Bücher spricht, dieser Charakterzug kommt bis auf ein paar kleine Details nie zur Sprache. Nie liest sie ein Buch oder redet über Bücher (vielleicht zwei mal?, wie gesagt ein paar Erwähnungen gibt es schon).
Charles bleibt ein ziemlich blasser Charakter, denn außer dass er in Tori verliebt ist und ein absoluter Schisser ist (wirklich die absolute Unfähigkeit ehrlich zu Tori zu sein, ich hab es so gar nicht verstanden) erfährt man irgendwie gar nichts über ihn. Im Laufe der Geschichte findet er eine Liebe zu einem neuen Hobby und es wird erwähnt, dass er gerne reitet, aber auch hier wird gar kein Fokus drauf gesetzt, so dass es überhaupt keinen Einfluss auf seine Charakterisierung nimmt. Es gibt noch so viele weitere mini Plots, die durch das Buch führen und keiner von ihnen wurde genug ausgeführt, dass ich Interesse an ihnen hatte, was schlussendlich dazu geführt hat, dass ich mich unglaublich gelangweilt habe.
Besonders schwer tue ich mich mit einem Plotpoint, der sich vor allem durch die zweite Hälfte des Buches zieht. Es geht um eine Reform der Schuluniform, die Mädchen wollen nicht zum Röcke tragen gezwungen werden und wollen etwas dagegen unternehmen. Es scheint schon ewig ein Thema darzustellen, ohne Erfolg. Das ändert sich innerhalb weniger Seiten. Ich fand es tatsächlich eine ziemlich coole Idee, in dieser Form über Feminismus zu sprechen, allerdings passiert hier außer ein paar generischer Floskeln ziemlich wenig. Ich denke dieser Debatte hätte eine kritischere und ausführlichere Beleuchtung nicht geschadet, denn im echten Leben werden diese (ja banalen und ziemlich bescheuerten) Kämpfe noch ausgetragen und ich wünschte sie wären gewonnen durch ein paar insta stories, oft ist das aber nicht der Fall. Ein bisschen Realität hätte hier glaube ich nicht geschadet.
Alles in allem war es einfach nicht mein Buch. Ich kann nicht mehr als 3 Sterne geben und es tut mir im Herzen weh. Ich hoffe sehr doll darauf, dass mir der dritte Band wieder so richtig gefällt, es wär sonst auch so so Schade drum, weil diese Reihe so ziemlich meine most anticipated reads auf dem deutschen Buchmarkt dieses Jahr waren :(