Hunderttausend tote Bauern – die Zahl lief um im Reich und war allgemein die grobe Aufsummierung dessen, was man gerüchteweise von den Schlachten des Bauernkriegs gehört hatte. „Das vergossene Blut des Jahres 1525“, schrieb ein Schweizer Beobachter, sei ausreichend, „alle Tyrannen zu ertränken“. Waren die Forderungen und Aktionen des Gemeinen Mannes so revolutionär, daß Fürsten und Adel sie wie Hochverrat und Landfriedensbruch behandeln mußten? Peter Blickle erklärt im vorliegenden Band, wie die Aufständischen einen Diskurs über Freiheit und Gerechtigkeit auslösten, der im Erfolgsfall zur Ausweitung kommunaler Rechte der Dörfer und Städte geführt und damit das Reich stark republikanisiert hätte. Daß der Bauernkrieg zur Revolution werden konnte, ist nicht zuletzt den Reformatoren geschuldet, mehr Huldrich Zwingli als Martin Luther. Schon deswegen, aber auch wegen seiner großen Ausdehnung in der Schweiz und Österreich, ist er nicht nur ein deutscher. Auch war er keineswegs folgenlos. Der Autor hebt heraus, daß die nach der militärischen Niederwerfung geschlossenen Verträge den Untertanen für ihre Person und ihren Besitz Rechte mit verfassungsmäßigen Garantien einräumten, die modernen Menschen- und Bürgerrechten nahekommen. Er zeigt weiter, wie die gescheiterte Revolution von 1525 seit 200 Jahren für Nationalismus, Sozialismus und Liberalismus nutzbar gemacht wurde und auch auf diese Weise geschichtlich weitergewirkt hat.
Peter Blickle's brief survey of the 1525 German Peasants War (which in passing he observes was neither entirely German, nor restricted to the countryside - sympathisers apparently even included Albrecht Dürer - and not much of a war either) raises the question of historical memory.
Throughout the book he shows how every age has reinterpreted the events of 1525 by their own lights. Clearly the events singled out as being significant tell us something about how both past and present are perceived. Beginning modern German History in 1848 (liberal, professional, constitutional) is very different from choosing 1789 (international, turbulent, traumatic) as your starting point.
1525 offers yet another tradition according to Blickle. A mass movement for just and Godly authority as opposed to the arbitrary and intrusive rule of serfdom that most of the population laboured under. Printing here is also transformational in creating mass movements. Demands were printed in articles calling for personal freedom and a universal authority enforced by courts with a majority of judges drawn from the towns and villages.
As an event the Peasants war was both a culmination of traditions of rural protest (carnival, religion, serfdom) and of specific new influences (Reformation of the Church and in the Empire, the relatively freer Swiss just to the south with their society based on mutual oath swearing) all aided and abetted by printing. The limited unrest described in Peasant Fires now had greater potential to spread widely in town and countryside, which it did with one region after another convulsed by unrest and then suppression.
Heinrich von Kleist's Michael Kohlhaas is the perfect literary counterpart to this study.
Der Titel des Buches ist eigentlich etwas irreführend, denn die Kriegshandlungen 1525 mit ihrem alpenländischen Nachspiel im folgenden Jahr werden recht kurz zu Beginn abgehandelt. Das Hauptaugenmerk gilt dagegen den politischen Vorstellungen, die im Zusammenhang mit der "Empörung" entwickelt wurden.
Blickle weist daher darauf hin, dass die Bezeichnung Bauernkrieg die Verhältnisse simplifiziert, da in den Aufständen "der gemeine Mann" also der Nichtherrschaftsfähige in verschiedenen Formen involviert war (städtische Handwerker, Berglaute). Die beteiligten Bauern waren eher die wohlhabenderen in Orten, wenngleich sie durch die Leibeigenschaft zunehmend in ihrer Autonomie selbst in intimsten Bereichen (Eheschluss) beschränkt wurden. Desweiteren weist Blickle darauf hin, dass auch das gerne beigefügte Adjektiv deutsch in die Irre führt, da die praktisch aus dem Reich ausgeschiedene Eidgenossenschaft zum einen stärker betroffen war, zum anderern aber den Aufrührern in vielem als Vorbild erschien. Mit Verweis auf zahlreiche Forderungskataloge, Kampfschriften aber auch Graphiken zeigt Blickle auf, dass der Protest sich in starkem Maße gegen die Einschränkung der privaten wie der gemeindlichen Autonomie durch Klerus und Adel wandte. Die höhere Ebene der Fürsten war nicht in gleichem Umfang Ziel der Kritik. Ziel der Aufrührer war ein von der unteren Ebene her organisiertes Reich, das Bauern (und Handwerkern) Einfluss durch die Haufen und Landschaften einräumen sollte (Kommunalimus). Legitimiert wurde die Kritik an Leibeigenschaft und Abgaben damit, dass sie nicht auf die Bibel zurückgeführt werden können. Ein oft geschöntes Bild von den verhältnissen in der Eidgenossenschaft diente als Gegenentwurf. Radikaleren Elementen mit chiliastischen Vorstellungen wie vor allem Thomas Müntzer schenkt Blickle dagegen weniger Aufmerksamkeit. Den Ausgang des Bauernkriegs beurteilt Blickle positiverer als andere, da nach der Niederwerfung zahlreiche Konzessionen gemacht wurden, die die Rechtssicherheit der Bauern stärkten. Er verschweigt selbstredend nicht, dass zugleich alle Versuche, sich autonom zu organisieren, kriminalisiert wurden.
Insgesamt betrachet Blickle den Bauernkrieg als Teil der deutschen Demokratiegeschichte. Leider werden problematische Aspekte, v.a. die Haltung zu den Juden ausgeblendet.
Insgesamt eine interessante Einführung in die politische Ideengeschichte jenseits der Eliten am Anbruch der Neuzeit.