Oft weiß Sofia nicht aus noch ein: An das Dasein als Mutter hat sie sich noch nicht gewöhnt, ihre kleine Tochter wird bald am Herzen operiert, Sofias eigene Mutter ist mehr Last als Hilfe, und die alte Großmutter dämmert dement vor sich hin. Nur ihre Leidenschaft, Listen anzulegen – Listen der peinlichen Kosenamen, der witzigen Neurosen, netten Ärzte etc. –, bringt ein wenig Ordnung in Sofias Leben. Da macht sie in der großmütterlichen Wohnung eine Entdeckung: eine andere Listensammlung, in vergilbte Hefte notiert, in kyrillischer Schrift – die Familie hat in den Siebzigern die Sowjetunion verlassen. Über diesen Fund stößt Sofia auf einen geheimnisvollen Onkel, über den nie jemand sprach: Onkel Grischa, ein Querkopf und schräger Vogel, der sich im Untergrund betätigt hat, der alle in Gefahr brachte und den trotzdem alle liebten. Anhand der Listen spürt Sofia Grischas dunkler Geschichte nach und entdeckt, was die Vergangenheit für das Jetzt und für sie bedeuten kann... „Die Listensammlerin“ erzählt mitreißend und mit wunderbar originellen Figuren die Geschichten von Grischa und Sofia. Ein oft komischer, warmer und lebensnaher Familienroman, der gar nicht so einfache Fragen stellt: was Familie, Nähe und Fremdsein bedeuten – und wer man selber ist.
Ich hab den Roman, trotz deutlich als solcher gekennzeichnet die ganze Zeit als Autofiktion gelesen und mich simultan die ganze Zeit gefragt warum ich ihn gerade so einordne? Aber genau durch diesen Aspekt fand ich die verschiedenen Themen und Handlungsstränge gerade zusammentreffend: Demenz und Vergessen auf der einen Seite, Unterdrückung und Zäsur in faschistischen Systemen, bis hin zu den Geschichten fremder, verunglückter Kinder mit derselben Krankheit die Sofia liest. Aber auch darüber hinaus war ich hooked über die Story und inwiefern die beiden verschiedenen Erzählstränge zusammenhängen. Die Narratologie hat mir hier auch sehr gut gefallen, mit den verschiedenen Erzählperspektiven aber derselben Erzählinstanz, und wie diese sich im am Ende wiederholten Anfang (ein Trick mit dem man mich auch jedes mal kriegt) widerspiegeln in der Erwähnung von Grischa der die Geschichten der Großmutter erfand und erzählte, wobei das ja vielleicht auch nur ein erfundenes und erzähltes Detail Sofias ist…
(Tendenz zu 4,5) Mich hat lange kein Buch mehr so berührt. Nicht zwingend wegen der Story (Achtung: Taschentücher bereithalten), sondern auch wegen der einfachen klaren Sprache, die aber so viel Stärke und Tiefe vermittelt.
Sofia, Tochter russischer Einwanderer, hat schon immer das Listenschreiben geliebt, es war seit ihrer Schulzeit ihr Zufluchtsort, wenn ihr das Leben zuviel wurde. Es gibt Listen von Dingen, die in Filmen Bedeutung hätten, Listen von Büchern, die sie gelesen hat, von lustigen Deutschfehlern ihrer Mutter, von Dingen, die sie über ihren verstorbenen Vater weiß - kurz, Listen über alles und jedes.
Aktuell ist sie mit ihrem Leben gar nicht zufrieden. Am schlimmsten ist natürlich die Sorge um ihre kleine Tochter Anna, die einen Herzfehler hat und in Kürze zum dritten Mal operiert werden muss, doch auch Alltäglicheres quält sie - ihre schon länger andauernde Schreibblockade, die sie hindert, den Roman zu schreiben, den sie verfassen wollte; die langweilige Routine, die in ihrem Leben eingekehrt ist, wo sie früher doch mit ihrem Partner Flox die ganze Welt bereist hat; ihre Figur, die nach Annas Geburt den Bach hinuntergegangen ist. Ihre Großmutter lebt völlig dement in einem Pflegeheim, das Verhältnis zu ihrer Mutter ist angespannt wie eh und je, und selbst Flox' sonniges Gemüt geht ihr häufig auf die Nerven.
Parallel wird von Sofias Onkel Grischa erzählt, dem schwarzen Schaf der Familie, über den nie gesprochen wurde und den sie nie kennengelernt hat. Er war als junger Mann in der Sowjetunion immer ein wenig anders als die anderen, plante mit einer Gruppe Gleichgesinnter Aktionen gegen das Sowjetregime und entsprach auch sonst eher nicht der "Norm".
Lena Gorelik hat ziemlich viel in diese 350 Seiten hineingequetscht, erzählt auf zwei Zeitebenen die Geschichte von Sofias Familie, von innerfamiliären Auseinandersetzungen, Generationskonflikten, Erwartungshaltungen und der Unfähigkeit, die anderen Familienmitglieder so zu nehmen, wie sie sind. Durch Grischas Part bekommt das Buch auch noch einen historisch-politischen Touch, wobei hier vieles nicht explizit ausgesprochen wird und ohne zumindest ein wenig geschichtliche Vorkenntnisse schwer zu verstehen sein könnte.
Auch wenn Sofias Mutter das wohl gerne hätte, war in der Familie noch nie Friede-Freude-Eierkuchen, was deutlich zum Ausdruck kommt. Die Erzählerin scheut sich nicht, Gefühle und Gedanken zu beschreiben, für die man sich üblicherweise eher schämt. Das ist einerseits authentisch und hat oft einen Wiedererkennungseffekt, andererseits hat mich Sofia gerade deshalb genervt, weil ich den Eindruck hatte, dass sie einfach alles negativ sieht und am liebsten den Kopf in den Sand stecken würde, statt sich dem Leben zu stellen. In gewisser Weise ist das natürlich verständlich angesichts von Annas Erkrankung, aber mit solchen Charakterzügen habe ich auch im richtigen Leben meine Probleme.
Grischas Geschichte hat mir anfangs und zum Ende hin sehr gut gefallen - es muss sehr schwer gewesen sein, unter einem solchen Regime und in dieser Familie so zu sein wie er -, aber zwischendurch war mir zu wenig greifbar, worum es ihm und seinen Freunden eigentlich geht, so dass ich mich da nur schwer identifizieren konnte und mich streckenweise durch seinen Part gequält habe.
Der sehr offene Schluss hat mich ein bisschen enttäuscht, und die Schlusspointe fand ich ein wenig künstlerisch "gewollt", wie auch manche Formulierungen.
Ein gutes Buch, aber restlos begeistert bin ich nicht.
Onkel Grischa Listen geben ihr Halt, die Familie findet das eigenartig, aber irgendwie sind doch alle daran gewöhnt. Sofia schreibt schon immer Listen, besonders jetzt, da ihre liebe Großmutter alt geworden und an Alzheimer leidet und Sofias kleine Tochter Anna schon zum dritten Mal am Herzen operiert werden muss. Kann Sofia dem allen gerecht werden und kommt nicht ihr Mann zu kurz oder der Rest der Familie. Vor Wochen musste sich Sofia damit beginnen, die Wohnung ihrer Großmutter aufzulösen. Dabei findet sie eine alte Schatulle gefüllt mit Listen. Listen? Sie ist nicht die Einzige.
Zwei Geschichten werden parallel erzählt, zwei Listenschreiber, Sofia und Grischa, der Onkel, über den niemand spricht. Sofia zwischen den beiden Polen Großmutter und Tochter. Die Großmutter, um die sie sich kümmern möchte, die aber so fremd geworden ist und ihre Enkelin nicht mehr erkennt, dass es schwer fällt, sich dem auszusetzen. Die Tochter Anna, mit einem schweren Herzfehler geboren und nun vor der dritten Operation stehend. Die Todesgefahr, in der Anna schwebt, verlässt nie das Bewusstsein Sofias. Jeder Schnaufer löst beinahe Alarm aus. Wird die nächste Operation gelingen und eine gewisse Normalität bringen. Für Sofia ist es eine Erleichterung, die Listen zu finden, etwas, was nicht nur ihr Kraft gibt. Doch wer ist Onkel Grischa? Warum redet niemand von ihm? Grischa, der schon als Kind anders war und allen kaum etwas anderes als Sorgen bereitet hat und der deshalb vergessen wurde.
Eine Konstellation, die zu berühren verspricht, die allerdings nicht jeden Leser erreicht. Mitfühlen wollte man, doch liest man die Geschichte eher unbeteiligt wie man einen Bericht lesen würde. Wo bleibt die Verbindung zu den Charakteren, die irgendwie nicht für sich einnehmen. Da ist beim Lesen fast das gleiche schlechte Gewissen, das Sofia empfindet, weil sie sich ihrer Großmutter nicht zuwenden kann, diese nicht mehr erreichen kann und sie am Liebsten nicht mehr besuchen würde. Und so bleibt das schlechte Gewissen, das Buch in Teilen nur überflogen zu haben, weil sich nicht so viel Verständnis und Mitempfinden einstellen wollte, wie anhand der Beschreibung und der Kenntnis des eigenen Interesses zu erwarten gewesen wäre.
Eine Familiengeschichte, die anrühren soll, aber leider nicht jeden Leser erreicht, aber sicher zu Überlegungen anregt, über das eigene ich und warum Empfindungen so sind. Empfindungen zu einer erfundenen Romanhandlung sind in jedem Fall immer subjektiv und somit letztlich kein Urteil über die Qualität des Geschriebenen, die durchaus herausragend sein kann.
Die Listen gaben mir Kraft und Ruhe wie anderen das Gebet, Alkohol, Drogen, ein Therapeut, die Zigaretten und das Shoppen. Ich wusste, dass sowohl Drogen wie auch Psychotherapeuten gesellschaftlich weit anerkannter sind als Listen. (Seite 57)
Schreibt ihr Listen? Wenn ja, warum? Ich schreibe Listen, um die Gedanken in meinem Kopf zu sortieren und anstehende Aufgaben im Blick zu haben. Eine schlichte Notwendigkeit. Sofia hingegen schreibt Listen mit bedingungsloser Leidenschaft. Listen sind ihr Leben – sie ordnen und katalogisieren weit mehr als ihre Gedanken. Sie beruhigen sie, wenn das Leben zu viel von ihr fordert, wenn sie unruhig wird. Und Unruhe empfindet sie wahrlich genug. Denn da wäre die Sorge um ihre Tochter, die mit halbem Herzen zur Welt kam und der eine lebensgefährliche Operation bevorsteht. Da wäre ihr Mann Flox, der ihre Sorgen nicht auf die gleiche Weise zu teilen scheint. Da wäre ihre Großmutter, die mit Demenz in einem Pflegeheim lebt und um die sie sich kümmern soll. Und da wäre ihre Mutter, die nie viel von ihren Listen gehalten hat und ihr viel zu wenig über die Identität ihres Vaters verrät. Das alles thematisiert Lena Gorelik (Autorin von „Mehr Schwarz als Lila“, 2017) in ihrem 2016 erschienenen Roman „Die Listensammlerin“.
Hin und wieder flossen die Verzweiflung, die Angst, die Wut und die Machtlosigkeit und all die anderen Gefühle, die der Krankenhauspsychologe erwähnt hatte, aus mir heraus, als hätte ich ein Leck. (Seite 35)
Während ihre Großmutter, die in der damaligen Sowjetunion aufwuchs, immer mehr ihre Erinnerungen verliert, beginnt Sofia im Trubel vor der OP ihrer Tochter damit, Nachforschungen über ihre Familie anzustellen. Sie ist es leid, von ihrer Mutter hingehalten zu werden, als psychisch gestört stigmatisiert zu werden, und permanent in Sorge um ihre Tochter zu sein. Auswege aus ihrer Misere bilden ihre Listen und ein überraschender Fund in der Wohnung ihrer Großmutter – denn anscheinend ist sie nicht der einzige Mensch, der Listen führte. Jemand anders hat eben solche Listen wie sie geführt und diese in einem Kästchen aufbewahrt. Was hat es damit auf sich? Und wer war der Autor? Was haben diese Listen mit ihrer Familie zu tun?
Ich schrie sie [meine Mutter] an, weil ich genervt war von Anna, die ich nicht anschreien durfte, von meinem Leben, von ständigen Arztbesuchen, vom Schreiben, vom Nicht-Schreiben, von Flox, von mir selbst. (Seite 104)
An diesem Punkt teilt sich die Erzählung in zwei Zeitebenen – die der Gegenwart und die der Vergangenheit, beginnend mit der Kindheit der Großmutter in der früheren Sowjetunion. Zu dieser Zeit bestimmte die Kommunistische Partei über alles, was im Land passierte. Die meisten Menschen fügten sich diesen strengen Vorgaben, doch Grischa, der Sohn von Sofias Großmutter, war ein Freigeist. Ihn lernt der Leser in den Rückblicken kennen, seine Wünsche und Träume, seine Ziele, seine Liebe. Man taucht ein in einen Lebensalltag, der unserem heutigen nicht fremder sein könnte. Ein faszinierender Einblick, der mich sehr fesselte. Auch das Schicksal von Sofia und Grischa berührte mich tief – vor allem Sofias Überforderung und Grischas sensible und gleichzeitig bockige Art.
Ich ging davon aus, dass mir „Die Listensammlerin“ bis zum Ende weiterhin so ausnehmend gut gefallen würde, allerdings war dem leider nicht so. Das hatte subjektive Gründe: Ich verlor zusehends den Überblick über die Zeitebenen. Ich driftete daher für meinen Geschmack zu orientierungslos durch die Geschichte, ohne zu wissen, wo (und wann) ich mich gerade befinde. Hinzu kam ein nüchterner Schreibstil, der anfangs sehr charmant war, am Ende aber dazu beitrug, dass ich keinen emotionalen Bezug zum Geschehen mehr herstellen konnte. Hinzu kam, dass hinsichtlich der Frage nach der Identität von Sofias Vater eine gewisse Spannung aufgebaut wurde. Andeutungen häuften sich und alles schien möglich, doch anstatt mit einer Auflösung zufriedengestellt zu werden, bleibt Gorelik vage. Hier wurde meine Erwartungshaltung leider enttäuscht.
Fazit
„Die Listensammlerin“ von Lena Gorelik konnte mich persönlich leider nicht vollständig überzeugen, obwohl der Anfang äußerst vielversprechend war. Ich tauchte ein in das herausfordernde Leben von Sofia, das von Sorgen und Ärgernissen geprägt ist. Ich mochte ihren Charakter und ihre Eigenart, ihr Leben durch das Anfertigen von Listen eine gewisse Ordnung und sichere Struktur zu verleihen. Auch mochte ich die Verknüpfung mit der Vergangenheit ihrer Familie in der ehemaligen Sowjetunion. Allerdings verlor die Autorin mich auf dem Weg. Der Schreibstil wurde anstrengend, die Zeitsprünge zu unüberschaubar. Für andere Leser aber sicherlich trotzdem eine anregende Lektüre!
Im Roman „die Listensammlerin“ geht es um Sofia, Tochter russischer Einwanderer, und Grischa, russischer Dissident. Beide sind begeisterte Listenschreiber und kämpfen gegen verschiedene Widerstände in ihrem Lebensalltag. Sofias Tochter wurde mit einem Herzfehler geboren. Das Leben der Mutter ist geprägt von der Angst, das Kind zu verlieren. Grischa lebt in einem repressiven System – tägliche Angst vor Zensur und Sorge um seine Familie gehören zu seinem Lebensalltag. Beide Geschichten werden von Lena Gorelik in unterschiedlichen Zeitsträngen erzählt – die sich immer mehr annähern.
Goreliks 350 Seiten sind vollgestopft mit Geschichten – Sofias Angst um ihre Tochter, ihr Verhältnis zu ihrem Mann und ihrer Alzheimerkranken Großmutter, ihre Identität als Deutsche mit russischen Wurzeln, die Geschichte der Dissidenten nach Stalins Tod in Sowjetrussland, Grischas aufkeimende Liebesbeziehung …und noch vieles mehr. Leider wurden viele dieser guten Ansätze nicht zu Ende erzählt.
Das Buch liest sich passenderweise wie eine Liste von Buchideen – ich war hungrig nach jeder einzelnen dieser Geschichten, die Kombination konnte mich allerdings nicht überzeugen.
Ich bin nach der Lektüre auch ein bisschen ratlos. Viele Fragen bleiben offen und es gibt viel Raum für eigene Interpretationen. Aber weil ich den Charakteren bis auf wenige Ausnahmen nur Gutes wünsche, vertraue ich darauf dass alles gut ausgehen wird.
Annas Geschichte hat mich berührt. Sie ist ein wundervolles kleines Mädchen, das von ihrer Krankheit nur wenig weiß und sich keine Sorgen macht. Warum auch? Mama und Papa sind ja da. Sofia wird mit der Situation kaum fertig und flüchtet sich in ihre Listen. Dabei hat sie mit Flox einen Partner an ihrer Seite, den sich viele Mütter in ihrer Situation nur wünschen können. Aber sie leidet alleine.
Dann ist da noch der geheimnisvolle Onkel Grischa, der nie persönlich auftaucht. Aber er beeinflusst das Leben von Sofia, ihrer Mutter und ihrer Großmutter mehr, als sich den Frauen bewusst ist.
Ich hatte vor der Lektüre ein wenig Bauschmerzen, weil das Thema kein leichtes ist. Aber trotzdem oder vielleicht gerade deswegen sollte man das Buch lesen.
Bis zu Mitte fand ich ein sehr langweiliges Buch. Die protagonistein mit ihren ständigen Beschwerden über ihr Leben, ihre Mutter, ihre Großmutter, die Krankheit ihres Kindes, ihre Beziehung,... Das mag zwar alles nachvollziehbar sein aber zumindest für mich, die ich so gar nicht in der gleichen Lebenssituation bin, war das ziemlich langweilig. Interessant gemacht hat es dann etwa ab der Hälfte Grischas Geschichte in der Gegenwart und Vergangenheit. Und wirklich genial finde ich das Ende: total offen, alles ungeklärt aber die Protagonistin fängt am Ende an das Buch zu schreiben, das man gerade ließt. Das Buch ist also quasi eine Endlosschleife. So was habe ich noch nie gelesen und ist echt schlau.
This entire review has been hidden because of spoilers.
Eigentlich eine Geschichte voller heftiger Gefühle - leider kamen die bei mir nicht richtig an. Sofias Listen haben sicherlich genau diesen Sinn: dem, was passiert, Struktur zu geben und sich von den zugehörigen Emotionen zu distanzieren. Bei mir hat das offenbar funktioniert, habe mich selten einer eigentlich leidenden Hauptfigur so wenig nah gefühlt.
Das Buch hat einige wirklich sehr charmante Seiten, aber leidet ein bisschen unter langatmigkeit. Es gibt Passagen, die sehr spannend sind , vor allem die Geschichte des Onkels. Die Geschichte der Autorin derweil ist eher zäh und zum Teil unvollkommen. Das Buch hat mir recht gut gefallen, aber es ist Nicht eines meiner Lieblingsbücher.
Für mich eine Neuentdeckung: Ruhig und unaufgeregt erzählt die Listensammlerin ihre Familiengeschichte im Jetzt und Damals, obwohl sie von dem Damals erst im Laufe des Buches erfährt...ach Grischa wie erging es dir?
Von 0 nach unendlich ist das bessere von den zwei Büchern, die ich gelesen habe. Dieses Buch hat eine schöne Erzählstruktur. Zwe Stränge die entfernt beginnen und sich immer mehr kreuzen und nähern.
Eigentlich 5 Sterne – aber aufgrund der oft erwähnten diskriminierenden Sprache leider nicht mit gutem Gewissen möglich. Bestimmte Dinge hätte ich mir noch erklären können (es spielt in einer anderen Zeit, damals hat man als weiße Person in der UdSSR womöglich so gedacht,..), aber anderes ist einfach nicht cool.
Dass die Protagonistin nüchtern erzählt, ist mir zwar auch aufgefallen, aber ich habe das nicht als etwas Negatives gesehen. Zum einen denke ich, dass es eben ein Stückweit Teil ihres Charakters ist, andererseits empfinde ich es auch ganz klar als eine Reaktion auf eine schon länger anhaltende, überfordernde Lebenssituation. Denn ganz klar läuft ihr Leben gerade nicht so, wie sie es sich vorgestellt hat – das ist ihre Art, damit umzugehen.
Viele andere Charaktere im Buch sind gar nicht nüchtern dargestellt – tatsächlich haben mich die anderen auch deutlich mehr berührt als die Protagonistin. Aber muss die Hauptperson bzw. Erzählerin denn immer die größte Sympathisantin der Geschichte sein? Meiner Meinung nach nein.
Mich hat das Buch sehr berührt und ich hab die letzten Seiten tatsächlich geweint, was bei mir mittlerweile sehr selten bei Büchern vorkommt. Es fühlte sich alles sehr authentisch an – auch gerade WEIL die Erzählerin so abgeklärt, so unkitschig, (teilweise) so schmerzhaft ehrliche, weniger nette Gedanken hat.
Sehr gut gelesenes Audiobook. Ohne, dass sie die Stimmen verstellt oder ändert, fühlt man mit und kann der Geschichte in ihren unterschiedlichen Settings gut folgen. Der Roman ist herzergreifend, denn ein einfaches Leben haben weder Sofia noch Onkel Grischa, die beiden Protagonisten. Die Geschichte ihres Lebens und der ihrer Familie ist eine, die in deutschen Büchern ruhig öfter erzählt werden könnte. Eine Geschichte, die sehr persönlich ist (die Auseinandersetzung mit der Gewohnheit Listen zu schreiben und mit Schicksalsschlägen und dem ganz normalen Leben umzugehen) und allgemein (Leben in der Sowjetunion, Leben in Deutschland mit dem Hintergrund der Familie aus der Sowjetunion) zugleich ist. Erst nach und nach erschließen sich die Zusammenhänge und Verbindungen und es ergibt sich ein größeres Bild.
Eine spannende Geschichte zwischen zwei Listensammlern, Grischa und Sofia. Grischa der seine Listen verwendete um Gedanken festzuhalten, die er später brauchen würde um zu handeln. Sofia, die sie verwendete um Taten auszuweichen. Vor allem interessant, weil ich selbst gerne Listen schreibe. Grischas Geschichte ist eindringlich und gibt einem ein gutes Gefühl die die UdSSR von damals. Sofias Geschichte überzeugt nicht ganz so sehr, ist aber dennoch dringlich und man versteht wo sie ist. Insgesamt eine angenehm spannende Lektüre.