Maria Peteanis Buch „Der Page vom Dalmasse Hotel“ ist ein Hotel- und Großstadtroman aus den 1920er Jahren, nicht so hart gesellschaftskritisch und politisch wie „Hotel Amerika“ von Maria Leitner, aber ebenso gut lesbar. Unter der heiteren Oberfläche des Unterhaltungsromans ist die brutale Wirklichkeit der Wirtschaftskrisenjahre gut erkennbar.
Im Mittelpunkt steht ein beliebtes Motiv der Literatur – die Verwandlung. Aus Friederike wird Friedrich. Nicht weil sie an ihrer weiblichen Identität zweifelt oder mit ihrem Lebensentwurf unzufrieden ist, sondern weil sie muss. Um zu überleben. Es ist ihre einzige Chance Geld zu verdienen, will sie im Großstadtmoloch Berlin nicht als Prostituierte enden. Stellen sind rar, für Frauen schon gleich gar. Eine Gelegenheit bietet sich, als im feinen Hotel Dalmasse eine Position als Liftboy/Page angeboten wird. Sie kommt zufällig in den Besitz von passenden Papieren eines jung verstorbenen Kellners und bekommt den Job. Die Handlung entwickelt sich recht gut vorhersehbar, als ein sympathischer Landadliger Gast im Hotel wird und beinahe den Intrigen eines anderen weiblichen Gastes erliegt. Der adlige Herr darf beim Anblick des Pagen ganz kurz und modern mal an seiner Heterosexualität zweifeln.
Wie in „Hotel Amerika“ sehen wir das Hotel aus der prekären Perspektive der Angestellten, die das Treiben der Reichen und Schönen nur beobachten können. Peteanis Zugriff auf das Thema ist allerdings viel sanfter, atmosphärischer und leichter. Ein Unterhaltungsroman eben. In einer eleganten, für uns leicht altertümlichen Sprache. Wo sonst liest man noch davon, „das Hasenpanier“ zu ergreifen?
Sehr gute Unterhaltung. Mit einem informativen Nachwort von Peter Zimmermann in der Ausgabe des Milena Verlages (nicht in der abgebildeten Ausgabe gelesen).