Moritz (1756 - 1793) stellt seinem Werk „Ueber die bildende Nachahmung des Schönen“ seine Vorstellung der natürlichen Entwicklung vor. Sie kann beschrieben werden als teleologischer Prozess der Vervollkommnung der Materie. In einer „Stufenleiter von Organisationsformen“ steigt zuerst der „unorganisierte Stoff“ zu den Pflanzen empor, diese selbst zu den Tieren und schließlich zu den Menschen. Dieser Prozess verläuft nun nicht „freiwillig“, jede niedere Form der Lebensorganisation wird in die nächsthöhere überführt, indem sie in ihrer individuellen Form aufgelöst, dem Wesen nach aber transformiert werden in die übergeordnete Organisation. Diesem Prozess der natürlichen Entwicklung liegt die „Tatkraft“ zugrunde, die sich durch Zerstörung bildet. Sie ist auch im Menschen vorhanden und äußert sich in ihm auf zwei Zum einen als Bildungskraft, zum anderen als Empfindungskraft. Die Tatkraft strebt immer auf das Ganze hin und ist daher bestrebt, untergeordnete Organisationsformen in sich aufzunehmen oder gleichrangige Organisationsformen zu zerstören. Beim Menschen hört der „Prozess der Veredelung“ nur in physischer Hinsicht auf. Durch seinen Geist muss er die Wirklichkeit verschönern außer sich wieder darstellen und so das reelle Schöne, das Ziel der Natur- und Menschheitsgeschichte erreichen.(Wikipedia)
A German author, editor and essayist of the Sturm und Drang, late enlightenment, and classicist periods, influencing early German Romanticism as well. He led a life as a hatter's apprentice, teacher, journalist, literary critic, professor of art and linguistics, and member of both of Berlin's academies.
Der Text ist etwas verwirrend mit den ganzen Begriffen und den vergleichend-abgrenzenden Überlegungen dazu, die dann zugleich immer wieder als nicht zielführend erklärt werden, da sie Trennlinie eben nicht exakt gezogen werden kann und Begriffe ineinandergreifen.😅 Mit dem Blickwinkel des Ganzen als kunstphilosophischer Aufsatz sind es allerdings wirklich interessante Überlegungen (eine praktische Funktion für das Bilden des Schönen ist aber eher nicht gegeben 🙆🏻♀️😅), d. h., es geht darum das Schöne in seinem Wesen zu erfassen und eine Begriffsannäherung zu wagen. Dabei werden verschiedene Blickwinkel eingenommen, die dann wieder zusammengeführt werden und auf eine neue Ebene transportiert werden: 1. das Nachahmen des moralisch Schönen beim Nachstreben nach einem tugendhaften Vorbilds; 2. das Nachahmen in den bildenden Künsten; 3. Begriffsabgrenzungen zu nützlich-gut-edel sowie den negativen Gegenparts; 4. das Nachahmen eines Künstlers (Genies) und seine Verbindung zum Naturganzen. Ganz zum Schluss erfolgt noch eine allgemeine tragische Kunsttheorie von Moritz zum Leiden in Kontext der Kunst.
Gesamt: 3,4🌟
----------- English review:
The text is somewhat confusing with all the terms and comparative-delimiting considerations, which are then repeatedly declared to be ineffective because the dividing line cannot be drawn precisely and the terms are intertwined. 😅 However, when viewed as an essay on art philosophy, these are really interesting considerations (although they don't really have any practical function for the formation of beauty 🙆🏻♀️😅), i.e., the aim is to grasp the essence of beauty and attempt to define the concept. In doing so, different perspectives are taken, which are then brought together again and transported to a new level: 1. the imitation of moral beauty in the pursuit of a virtuous role model; 2. imitation in the visual arts; 3. Defining the concepts of useful, good and noble, as well as their negative counterparts; 4. Imitating an artist (genius) and their connection to nature as a whole. At the very end, Moritz presents a general tragic theory of art on suffering in the context of art.
Wundervoller Theorietext, der sich noch heute als relevant bemerkbar macht. Die autonomieästhetischen Ansäte haben es bis ins 21. Jahrhundert geschafft und erweisen sich noch immer als vertrauliche Maßstäbe. Noch heute wird Kunst in dem deutschen Grundgesetz als "frei" beschrieben. Sie steht für sich - ein Ansatz, der Moritz zu Gute kommt. Laut Moritz muss ein Kunstwerk soll in sich selbst vollendet sein, dies bedeutet, dass ein Kunstwerk frei von einem Zweck ist. Den einzigen "Zweck", den es erfüllen soll, ist es für sich selbst zu bestehen. Ein etwas schwieriger Text zu lesen, aber sobald man sich eingefuchst hat, werden Moritz' Gedankenströme immer deutlicher und man selbst erlebt einen Moment der Erleuchtung. Besonders schön finde ich, dass eine Handlung nur schön sein kann, sofern sie edel ist, und dass sie nur edel ist, sofern die Intention eine solche ist. Ein Ansatz, der mir auch schon von der Theologie bekannt ist, weshalb es umso erfrischender ist, solchen Gedankenströme immer wieder zu begegnen. Es ist schwer, einen Theorietext mit Sternen zu bewerten. Ich tu es nicht. Wenn ich's aber müsste, weil mir jemand eine Pistole an den Kopf hält, wären es definitiv, alleinig für die sprachliche Symphonie, 5 Sterne.